10BICI

10BICIVintage Bikes mit Herz & Seele aus Italien & Frankreich

Ein Fahrrad ist viel mehr als nur ein Verkehrsmittel. Es erzählt Geschichten. Peer Hanslik verkauft in seinem kleinen Laden auf St. Pauli alte Vintage-Fahrräder aus Italien – inklusive der Geschichte seines Vorbesitzers, für die er oft mehrere tausend Kilometer reist. Kürzlich ist er in einen neuen Laden gezogen: Genau eine Tür weiter hat Peer nun mehr Platz, auch für ein paar neue Highlights im Sortiment.  

Alles neu macht der März!

10BICI ist mit Sack und Pack umgezogen. Eine Tür weiter, in einem alten Comicbuchladen, hat Peer Hanslik nun mehr Platz, seine Schätze aus Italien zu zeigen. Das heißt aber auch, es gibt mehr räumliche Möglichkeiten für ein neues Sortiment. Neben italienischen Vintage-Bikes gibt es nun auch Damenräder und französische Klassiker. Grund genug für eine kleine Feier: Am 24. März feiert 10BICI sein großes Opening mit Vino und Co. – das darf sich kein Radfreund entgehen lassen! 

Bella Italia!

Alles beginnt mit einem Urlaub in Italien: Der damals 18-jährige Peer Hanslik ist zum ersten Mal weit weg von Zuhause. Sein Ziel: Von Bremen aus die Welt entdecken. Erste Station - Italien. Mit seinem Faggin - natürlich ein Original italienisches Fabrikat - fährt er seinen ersten Giro von Luzern über die Alpen bis nach Bologna. Es ist der Anfang einer großen Liebe zu Italien.

Heute - knapp 30 Jahre später - hat sich eigentlich nicht viel verändert. Noch immer fährt Peer munter in der Gegend herum und noch immer sind Fahrräder ein wichtiger Teil in seinem Leben. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Vor knapp 3 Jahren hat er sein eigenes kleines Fahrrad-Geschäft direkt auf St. Pauli aufgemacht - 10BICI (Kleiner Crash-Kurs - gesprochen wird es: "Dietschie Bietschie"). Findige Leser haben es natürlich sofort erkannt: Der Name ist Programm - Peer hat immer mindestens 10 Rennräder bei sich im Laden stehen. Tatsächlich wird der Begriff Laden dem ganzen Projekt nicht so ganz gerecht - denn in der Seilerstraße 40 werden nicht einfach nur irgendwelche Räder verkauft.

Auch die neue Ladenfläche gleicht einem kleinen Kunstatelier. An der Wand hängen Fotografien, Zeichnungen & Poster, die Peer von seinen Reisen aus Italien mitgebracht hat. Der Rest ist zugestellt mit - na, was wohl? - Fahrrädern. In allen Größen, Farben und Ausführungen. Italo-Lifestyle! Wenn schon, denn schon.

Fahrräder mit Persönlichkeit

Weitere Akzente werden von NO ROCK JUST ROLL gesetzt. Die Leidenschaft der zwei Fahrradbegeisterten Lars und Lars bespielt eine Wand mit alten Zeitungsartikeln, Videosnippets & Co. und setzt mit purer Fahrradästhetik einen modernen, digitalen Kontrast zu den alten Bikes von Peer. 

Aber nun zur eigentlichen Story: Viele seiner antiken Schmuckstücke haben mittlerweile rund 30-50 Jahre auf dem Buckel und teilweise mehr zu erzählen als Oma & Opa. Genau diese Geschichten sind ein - Nein, vielleicht sogar DER - wichtigste Bestandteil seiner Geschäftsphilosophie. Denn wer bei Peer ein Rad ersteht, lernt seinen italienischen Vorbesitzer samt Kurzbiografie gleich mitkennen.

Sattelfeste Italiener

Da wäre da z.B. Pietro Paragino aus Neapel. Stolz und ein bisschen wehmütig posiert er mit seinem blauen Franceso Moser vor der Kamera. Die beiden haben einiges gesehen. Die Strecke von Neapel bis nach Salerno gehörte zu seinen absoluten Lieblingsstrecken - doch dann kam die Familienplanung dazwischen und er verkaufte sein Rad. Ghiretti Corleone hat sein fabrikneues Bianchi auf dem Speicher gefunden - er selbst ist zwar zu alt geworden, aber andere Menschen werden noch viel Freude daran haben. Giuseppe Lavori hingegen hat es in den Norden verschlagen - sein Benotto konnte er leider nicht mitnehmen.

Viele Räder - und noch viel mehr Geschichten dahinter. Peer kennt sie alle. Für genau diese Stories reist er auch heute noch mehrmals im Jahr durch Italien. Und wer ihn in seinem kleinen Reich auf St. Pauli besuchen kommt und in seine funkelnden Augen sieht, wenn er über seine Reisen spricht, weiß sofort: Dieser Mann lebt seinen Traum.

"Das ganze Konzept hier ist schon eine sehr spezielle Herangehensweise. Manche verstehen es einfach nicht - vielleicht weil sie es nie gelebt haben."

Peer Hanslik

Believe the hype

Dass Peer sich angesichts des großen Hypes um antike Rennräder nicht beschweren kann, liegt auf der Hand. Die Nachfrage wächst von Tag zu Tag - gerade im Sommer, wo gefühlt jeder Hamburger aufs Fahrrad umsattelt. Dass dies zwangsläufig die ein oder andere Reise mehr bedeutet, nimmt er dabei sehr gerne in Kauf. Die nächste Reise steht auch schon fest: Leipzig-München-Turin-Bari – natürlich die Tour, auf der er seine neuen Räder herkriegt. 

Nachdem er die Räder samt Stories aus Italien, Frankreich & dem Rest der Welt abgeholt hat, geht's ans Finetuning. Jedes Rad wird von ihm für neue Abenteuer fit gemacht. Ob der Käufer es dann später über den Kamin hängt oder seinen Giro fährt, ist ihm egal. Rennmaschine, Wertanlage oder italienische Skulptur - seine Räder sind multifunktional einsetzbar. Ein Modell wurde kürzlich sogar von einer großen Shopping-Mall in Singapur gekauft. 10BICI - all over the world.

Meister seines Fachs

Selbst fährt Peer übrigens gerade das, was da ist. Er ist ein großer Fan von Gitane, dem Bianchi Celeste, Masi, Vitus oder Olmo. Alle hat er da - und liebt es die unterschiedlichen Fabrikate zu fahren, die allesamt ihre eigene Besonderheit haben. Mal ist es der ultraleichte Carbon-Rahmen, mal die antiken Pedalen oder die glänzende Campagnolo Schaltung, die in dieser Form schon seit 20 Jahren nicht mehr gebaut wird.

Über die Jahre hat er sich so einiges an Wissen angeeignet. Vermutlich könnte er mittlerweile sogar schon Vorlesungen über das Thema halten. Falls man das irgendwo studieren könnte: Wir würden es tun - denn, wenn Peer anfängt zu erzählen, ist dies hochgradig ansteckend und inspirierend zugleich.

Und die Lieblingsstrecke in Hamburg?

Der Osten Hamburgs hat's ihm angetan. Die neue Radstrecke von den Deichtorhallen bis nach Entenwerder und weiter bis ins Vierlande fährt er besonders gern. Immer entlang der Elbe - an guten Tagen bis nach Geesthacht. Definitiv eine kleine Reise wert! Und für Alle, die entlang der Strecke eine kleine Stärkung brauchen, hat er auch noch einen Geheimtipp parat: Der Hof Eggers - ein kleiner Bio-Bauernhof, bei dem man nicht nur exzellent frühstücken kann.

10BICI - Vintage Bikes aus Italien

Jan Traupe / Lisa Knauer

Jan Traupe

Janni ist einer der beiden Gründer von Geheimtipp Hamburg und schreibt eigentlich über alles, was er bei seinen Streifzügen durch die City entdeckt. Ein besonderes Faible hat er für gute Bars & Restaurants, liebt aber auch die unzähligen grünen Ecken in der Stadt.