Angry Anna #6

Angry Anna #6Hat denn keiner ein Herz für Traditionsläden?

Düster sind in Hamburg nicht nur der Januar und Februar, sondern auch die Zukunftsaussichten von alteingesessenen Traditionsläden. Früher oder später flattert die Mieterhöhung ins Haus, so wie Ende letzten Jahres beim Sankt Pauli Museum e.V. in der Davidstraße. Dann heißt es: Hoffen, Bangen, Zittern, Plan B schmieden. Und ganz oft leider auch: Tschüss. Mich nervt, dass die Gentrifizierung wie ein riesiges, nie enden wollendes Unwetter über uns rollt und so viel Stadtteilkultur zerstört!

Angry Anna

Anna liebt Hamburg. Und trotzdem gibt es Sachen, die sie an der schönsten Stadt der Welt nicht ganz so schön findet. Hier motzt und kotzt sie regelmäßig ab.

Auch in der Schanze steigen die Mieten.

Und Tschüss!

In Hamburg sagt man Tschüss. Zuletzt vor allem zu alteingesessenen Läden, die ihren Stadtteil seit Jahrzehnten prägen und auch schon zu Zeiten da waren, als das Viertel noch nicht hip, angesagt und total belebt war. Und das find ich ganz einfach richtig kacke. Das ist eine Ungerechtigkeit, an der wir alle ein bisschen mit Schuld sind. Weil wir alle in einer schönen Altbauwohnung im Zentrum wohnen wollen, lieber kurz online bestellen als in einen Laden zu stiefeln und den Läden oft erst dann unsere Aufmerksamkeit schenken, wenn sie "Wir müssen schließen" auf Facebook posten. Hier kommen drei aktuelle Beispiele, die mich ganz besonders traurig gemacht haben.

Nummer 1: Blumen Hahn in Winterhude

Fünf Tage vor Weihnachten flatterte bei Gabriele Berger ein Fax ins Haus – die Kündigung ihrer Ladenfläche. Seit 53 Jahren ist der Poelchaukamp 21 das Zuhause von Blumen Hahn, Gabriele hat den Laden von ihren Eltern übernommen. Mehr als ein halbes Jahrhundert (!) wurden hier Sträuße und Gestecke gebunden, zuletzt sogar für das Trauerauto von Jan Fedder. Wie kann es sein, liebe Hausverwaltung, dass ihr diese Institution mal eben so rauskickt? Ihr könnt eure Häuser ja gerne sanieren und danach für das Dreifache vermieten, aber gebt euren Mietern doch wenigstens eine Chance und redet mit ihnen!

Auch in Ottensen steigen die Mieten.

Nummer 2: Der Kaufmannsladen in Ottensen

Hamburgs vielleicht kleinstes Kaufhaus, der Kaufmannsladen in Ottensen, mach dicht. Nicht nur, weil die Besitzer ready für die Rente sind, sondern auch, weil immer weniger Kunden kommen. Dabei ist der urige Shop ein wahr gewordener Vintagetraum! Vielleicht sollten wir mal wieder ein bisschen offener sein, die kleinen Läden in unseren Vierteln unterstützen und nicht immer sofort, wie automatisiert, alles online bestellen. Damit tun wir übrigens auch der Umwelt einen Gefallen.

Auf St. Pauli zuhause: das Sankt Pauli Museum e.V.

Und zu guter Letzte: das Sankt Pauli Museum e.V.

Auch das Sankt Pauli Museum e.V. muss das Feld räumen – nach einer Mieterhöhung auf 6.300 Euro im Monat, die für das unsubventionierte Museum einfach nicht mehr zu stemmen war. Doch das Team um Kiezfotograf Günter Zint hatte Glück im Unglück: Facebook, viele empathische Hamburger*innen und der Bezirk Hamburg-Mitte verhalfen der Institution zu einem neuen Standort. Ich bin froh um dieses Happy End in der Davidstraße und freu mich auf viele weitere Jahre mit dem Verein!

Hamburg, es reicht. Ich habe keinen Bock, dass noch mehr Läden schließen müssen. Also, lasst uns nicht nur immer überlegen, wo wir möglichst wenig Geld ausgeben können, sondern wen wir mit unserem Einkauf unterstützen möchten – zum Beispiel die Menschen in unserer Nachbarschaft.

Angry Anna #3

Warum Online-Shopping manchmal einfach nur nervt!

Geheimtipp Hamburg

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Anna Paulina Graf

Anna ist unsere kleine Schwäbin. Und das hört man auch, denn selbst nach fast fünf Jahren in Hamburg kann sie noch kein Hochdeutsch. Mit jeder Menge Gratis-Ausflugstipps, ihrem Fahrrad und ganz viel Entdeckerdrang zeigt sie ihren Freunden die Stadt – und jetzt auch euch.