Antje Schomaker

Antje SchomakerKnallpapier & Konfettiregen

Von Antje Schomaker werden wir noch ganz viel hören. Noch ist sie ein echter Geheimtipp, aber ihre Musik und ihre Texte gehen so sehr unter die Haut, dass man sie einfach lieben muss. Am 17. Dezember gibt sie mit ihrer Band das erste eigene Konzert im Molotow. Wir haben uns vorher auf einen kleinen Spaziergang durch die Schanze mit ihr getroffen. 

Antje bereitet Gänsehaut. Und das nicht nur, wenn sie singt, sondern auch, wenn sie erzählt. "Knallpapier" und "Konfettiregen", wie sie auf ihrer Seite beschrieben wird, passen da schon sehr gut. Wir zählen die Musikerin schon zu unserer kleinen Geheimtipp-Familie dazu. Wenn sie in den Raum tritt: Sonnenschein! Und das trotz Hamburger Schietwetter. Wir haben uns vor ihrem großen Auftritt mit ihr getroffen und gefragt, wie es sich anfühlt, bald ein Superstar zu sein. Obwohl sie das für uns schon ist. 

Antje Schomaker kommt vom Niederrhein und betrachtet Hamburg mittlerweile als ihre Heimat. 2010 hat es sie für ein Praktikum in die Hansestadt verschlagen, seit 2012 ist sie fest in Hamburg. Die 24-Jährige studiert Systematische Musikwissenschaften und wird bald ihren Bachelor machen. 

Geheimtipp Hamburg:
Antje, Du warst jetzt als Support für Bosse auf Tour. Wie sehr hast Du ihm da die Show gestohlen?
Antje :

Aki Bosse kann man auf keinen Fall die Show stehlen. Das ist so ein krasser Typ, nach dem zweiten Song kann man sein T-Shirt schon auswringen. Und ich bin nach dem ersten Song schon so außer Atem gewesen! Ich habe mich gewundert, dass ich überhaupt noch singen konnte. Das war alles eine sehr abgefahrene Erfahrung für uns. Aber mit sehr viel Liebe. 

Geheimtipp Hamburg:
Abgefahren? Erzähl! War das Deine erste Tour?
Antje :

Ich war schon mal mit "We Invented Paris" auf Tour. Aber da bin ich allein mit dem Zug gefahren und nicht im Nightliner wie dieses Mal. Jetzt hatte ich ja meine Band, einen Mischer und einen Fotografen dabei. Man trifft auf ganz viele wunderbare Menschen, die genau so denken wie wir. Ich habe einfach gesehen, dass das funktionieren kann, woran ich musikalisch und menschlich glaube. 

Geheimtipp Hamburg:
Und dann der Blick von der Bühne: so viele Menschen! Wie war das für Dich?
Antje :

Irre. Nach dem Hamburg-Gig meinte mein Gitarrist Felix zu mir, dass ich schon mal aufgeregter war. Es hat sich nach der Zeit einfach alles so richtig angefühlt, dass ich bei 7.500 Leuten nicht gleich dachte, dass ich von der Bühne falle. Wir hatten einfach nur Bock zu spielen und hatten so viel Spaß. 

Geheimtipp Hamburg:
Wie sieht's denn bei Dir aus mit Lampenfieber?
Antje :

Das habe ich jedes Mal irre doll. 

Geheimtipp Hamburg:
Hast Du da ein Ritual, was Dir hilft?
Antje :

Nein. Ich habe jetzt gemerkt, wie schön es ist, dass Menschen bei mir sind. Vorher musste ich mit meinem Lampenfieber selber klarkommen. Ich muss vorher einfach nur mit Menschen Zeit verbringen. Dann gehe ich kurz in mich, atme tief durch, werde mir bewusst, wie schön es gerade ist und ich bin sehr froh, dass ich meine Jungs habe. 

Geheimtipp Hamburg:
Wie hat es bei Dir mit der Musik angefangen?
Antje :

Es gab keinen Anfangspunkt – Musik war einfach immer da. Ich habe Klavier gespielt, dann Fagott. Ich habe in der Schule immer viel Musik machen dürfen, habe auch einen Chor mitgeleitet. Irgendwann habe ich angefangen zu schreiben. Zuerst gab es ein Lied für meine Schwester zum Geburtstag und dann für meinen damaligen Freund ein verliebtes Liedchen.

Ich habe das aber nie ernst genommen und es immer nur für mich gemacht. Ich bin nach Irland gegangen, habe weitergeschrieben und echt gemerkt, dass mir das was bringt. Dann habe ich Zuspruch bekommen und das immer irgendwie weitergemacht. Ich hatte nie den Moment, dass ich Musik ab jetzt mit Ziel mache. Ich habe es gemacht und komischerweise wurde es immer ernsthafter. 

Geheimtipp Hamburg:
Deine Texte sind sehr persönlich. Was inspiriert Dich?
Antje :

Manchmal kommen Leute nach einem Auftritt zu mir und sagen mir, dass ich ihr Leben singe. Das ist das größte Kompliment. Meine Freunde schmunzeln immer an verschiedenen Stellen, weil sie sich in den Texten wiedererkennen. In der neuen Single singe ich "Dem Juli mangelt es an Vitamin D" und ich hatte mal einen Mitbewohner, der Vitamin-D-Mangel hatte, weil er in einem dunklen Zimmerchen gewohnt hat. 

Meine Texte sind sehr autobiografisch. Ich nehme sehr viel aus dem Freundeskreis mit. Alles was so passiert: Freunde, die kommen und Freunde, die gehen. 

Geheimtipp Hamburg:
Gibt es etwas, was Du nicht erzählen würdest in Deinen Texten?
Antje :

Nein. Ich habe mal Dinge angesprochen, die haben dann mies geklungen. Aber irgendwann findet man die richtigen Worte. Die Dinge kommen schon zu einem, wenn sie sollen. 

Geheimtipp Hamburg:
Hast Du musikalische Vorbilder?
Antje :

Nö. Es gibt niemanden, nach dem ich gerne klingen möchte. Aber ich finde gewisse Musiker natürlich toll. Ich mag Bosse, Clueso ist ein irre interessanter Mensch und Songschreiber. Philipp Poisel habe ich viel gehört. Tomte. Kettcar. Gisbert zu Knyphauen. 

Geheimtipp Hamburg:
Alles deutsch.
Antje :

BOY finde ich aber auch toll von ihrer Sprache her. Ich höre auch ziemlich viel Hip-Hop und Indie. 

Geheimtipp Hamburg:
Gibt es denn einen idealen Duettpartner?
Antje :

Ich könnte mir ein Rap-Feature voll gut vorstellen! Aber ein Duett auch. Da schwirrt mir aber niemand Bestimmtes im Kopf rum, mit dem ich zusammenarbeiten wollen würde. Das passiert auch einfach. Auf so was habe ich Bock. Mit Maeckes vielleicht! 

Geheimtipp Hamburg:
Hätte es für Dich je eine Alternative zur Musik gegeben?
Antje :

Nein. Als ich nach Hamburg kam, habe ich kurz mal einen Koller bekommen und hatte meine Oma kurz im Hinterkopf. Meine Mutter hat da immer an mich geglaubt, aber meine Oma dachte an Sicherheiten und so. Da habe ich ganz kurz überlegt, ob ich nicht doch Lehramt studieren sollte. 

Geheimtipp Hamburg:
Du hast jetzt Deine erste Single "Bis mich jemand findet" rausgebracht. Wie fühlt sich das an?
Antje :

Geil! Es fühlt sich gut an. Komisch auch. Weil ich immer gemacht habe und dann passiert das alles und du kannst nichts mehr machen. Du gibst es raus und es gefällt den Menschen oder nicht. Das ist ein ganz komischer Moment. Aber endlich kann man mal sagen, dass es im Netz etwas gibt. Aber es ist abgefahren, weil man loslassen muss von den Songs, die man aufgebaut hat. Man schubst den Song über die Kante. Und dann fällt er entweder auf den Boden oder er fliegt ein bisschen. 

Geheimtipp Hamburg:
Erzähl uns dann mal mehr von Deiner Band!
Antje :

Die sind so toll. Ich bin ganz verliebt in alle drei. Das Schöne war auch hier, dass es keine Suche war. Ich habe sie hier auf dem Schulterblatt kennen gelernt. Felix Gerlach spielt Gitarre und Cello, was ich ganz lange nicht wusste. Wir waren immer zusammen Bierchen trinken und haben so auch Felix Hoffmann kennen gelernt. Die heißen bei mir Fix und Foxy. Foxy spiel Bass und Keys. Als Felix, Fix, dann mal eines Tages sein Cello zu meinem Song gespielt hat, war ich so begeistert, wie er auf einmal klang. Dann habe ich das Video für "Mein Herz braucht eine Pause" einfach online gestellt. Dann waren wir so euphorisch, dass wir André Wenzlitschke als Schlagzeuger dazugeholt haben. Ich ertappe mich immer dabei, wie ich sage, dass unsere Single rausgekommen ist, weil es sich wie ein Gemeinschaftsprojekt anfühlt. 

Geheimtipp Hamburg:
Eine wahre Liebesgeschichte.
Antje :

Und das Lustige ist, dass wir das erste Mal zusammen auf einer Bühne standen bei einem Konzert von Bosse vor über 1000 Leuten. Ich habe aber gesagt: "Jungs, gewöhnt euch da nicht dran." 

Geheimtipp Hamburg:
Und jetzt spielt ihr aber im ausverkaufen Molotow. Was erwartet uns?
Antje :

Ganz viel Liebe! Die Songs wurden ja so noch nie irgendwo gespielt, weil sie das erste Mal live umgesetzt sind. Es gibt auf jeden Fall mehr Songs als ein Album hat. Ich habe alles reingeschmissen, auf das ich Bock hatte. Ich erzähle auch ganz viel zu den Geschichten, damit man mich so ein bisschen kennenlernen kann. Dann natürlich Fix, Foxy und André! Es wird unser erster gemeinsame Bandauftritt als Headliner. Und die tolle Lotte als Support! 

Geheimtipp Hamburg:
Wir werden dabei sein.
Antje :

Danach wird zusammen gefeiert! 

Geheimtipp Hamburg:
Auf Deinem Arm steht "All the best people are" tatöwiert. Was hat das für eine Bedeutung?
Antje :

Das Tattoo habe ich mir auf der Tintanic stechen lassen. Der Satz  aus "Alice im Wunderland"schwirrte mir immer im Kopf. In der Schule haben mir immer alle gesagt, dass ich nicht alle Latten am Zaun habe. Als kleines Kind dachte ich immer, dass irgendwas nicht mit mir stimmt und habe das eher negativ ausgelegt. "Warum finden mich die Leute so verrückt?" habe ich gedacht, bis ich verstanden habe, dass es voll gut ist, anders zu sein. Der verrückte Hutmacher geht zu Alice und sagt: "Have I gone mad?" Und sie sagt: "Oh, I am afraid so. You are entirely bonkers. But I'll tell you a secret. All the best people are." 

Geheimtipp Hamburg:
Wo treibst Du in Hamburg gerne rum?
Antje :

Ich mag es vormittags gerne am Hafen, wenn die Sonne halb aufgegangen ist und es noch halb neblig ist. Auf dem Schulterblatt bin ich einfach gerne, weil ich hier immer alle meine Freunde treffe. Wir arbeiten und wohnen alle irgendwie drumrum. Hamburg ist einfach mein Zuhause geworden. Jetzt im fünften Jahr in Hamburg bin ich mit meiner Schwester zusammengezogen. Hier bleibe ich ganz lang. 

Geheimtipp Hamburg:
Antje, bis Dich jemand findet: Wie geht es für Dich weiter?
Antje :

Weiß ich gar nicht! 2017 ist noch sehr offen, was aber sehr schön ist. 2016 war ein gutes Jahr. Bisher wurde jedes Jahr von mir besser. Ich freue mich auf das kommende Jahr und weiß noch gar nicht, was mich erwartet. Ich habe aber Bock mit meiner Band zu spielen und noch mehr Musik rauszubringen. 

Geheimtipp Hamburg:
Vielen Dank für Deine Zeit, Antje.
Antje :

Sehr gerne! 

"Ich würde auch gerne Hip-Hop-Musik machen. Aber dafür bin ich viel zu uncool."

Antje

Wir halten euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, was mit Antje 2017 weiter passieren wird, denn dieses Mädchen hat ganz viel Potenzial. Bis dahin solltet ihr auf jeden Fall ihre neue Single auschecken, zu der es auch ein ganz tolles Video gibt: 

Lisa Knauer 

Merle Hagelüken

Merle ist ein absolutes Nordlicht: Aufgewachsen an der Ostsee geht sie mittlerweile in Hamburg auf Entdeckungstour. Sie liebt den Hafen, das Wasser und findet in jeder Ecke das Besondere!