Aufbruch in die Demokratie 1918/19

Aufbruch in die Demokratie 1918/19Das Museum für Hamburgische Geschichte zeigt das echte Hamburg

Hamburg als weltoffene Stadt – für neue Menschen, Einflüsse und Meinungen. Wir feiern unsere Stadt in all ihren zahlreichen Farben und Schattierungen. Dazu gehört auch die Stadtgeschichte. Im November vor 100 Jahren erzwangen Soldaten und Arbeiter die Bildung der ersten demokratischen Republik in Deutschland. Das Museum für Hamburgische Geschichte hat zu diesem Anlass ihr Themenjahr dem „Aufbruch in die Demokratie“ gewidmet.

Startschuss für die Demokratie

Wie sah Hamburg wohl vor 100 Jahren aus?

Für die Ausstellung „Revolution! Revolution? Hamburg 1918-1919“ hat das Museum für Hamburgische Geschichte bisher nie gezeigte Fotografien, Plakate und Zeitungen aus diesen Jahren zusammengetragen. Denn in der Ausstellung soll es nicht nur um besondere historische Ereignisse gehen, sie möchte auch die Alltagssituation in dieser Zeit des Umbruchs beleuchten. Einige Orte werdet ihr auf den Fotos sicher wiedererkennen, in den letzten 100 Jahren hat sich nichtsdestotrotz natürlich viel verändert. Nicht nur das Äußere der Stadt hat sich verwandelt, auch gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich ist einiges passiert. Die Ereignisse zwischen Januar 1918 und Dezember 1919 waren ausschlaggebend für diesen Fortschritt.

Matrosen und Soldaten vor der Davidwache Hamburg-St. Pauli, 1918 © Alexander Jaap, Staatsarchiv Hamburg

Zeitgeschichte erleben

Der Krieg, der seit vier Jahren durch Europa tobte, hatte die Deutschen gezeichnet. Das Kaiserreich stand kurz vor dem Aus, ein Großteil der Bevölkerung lebte in miserablen Zuständen – auch in Hamburg. Im Januar 1918 fanden deutschlandweit Massenstreiks der Arbeiter statt: Sie forderten eine Besserung der Arbeits- und Lebensbedingungen.

Der Funke sprang jedoch erst im November richtig über, als die kriegsübermüdeten Matrosen sich in Kiel weigerten, in eine letzte Schlacht zu ziehen. Die Meuterer wurden verhaftet. Damit war das Problem aber nicht gelöst – im Gegenteil: Sie löste Massenproteste zuerst in Kiel, dann in weiteren deutschen Städten aus, die sich zu Aufständen entwickelten. Die Demonstranten forderten „Frieden und Brot“.

Auch in Hamburg übernahmen Matrosen den Hafen und den Elbtunnel. Sie besetzten das Gewerkschaftshaus und verlangten vor allem Frieden, Demokratie und das Wahlrecht für beide Geschlechter. Daraufhin übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat die Macht.

Und was bedeutet das für uns heute?

Aus der Novemberrevolution und ihren Folgen resultierte die Verfassung der Weimarer Republik. Die Ereignisse, die sich nach den Aufständen ereigneten, haben den Grundstein für eine moderne demokratische Ordnung unseres Stadtstaates gelegt. Wir verdanken ihnen Grundrechte wie Mitbestimmung, Bildung und bürgerliche Teilhabe.

Viele dieser Rechte betrachten wir heute als selbstverständlich. Von Zeit zu Zeit kann es aber gut sein, das Bewusstsein für unsere Demokratie zu schärfen und sich zu vergegenwärtigen, wie sehr es sich lohnt diese Rechte zu verteidigen.

Zeitreise

im Museum für Hamburgische Geschichte

Dem Themenjahr "Aufbruch in die Demokratie" sind zahlreiche Veranstaltungen gewidmet.

Die Ausstellung „Revolution! Revolution? Hamburg 1918-1919“ nimmt euch mit auf eine anschauliche Geschichtsreise durch die Ereignisse der Revolution und ihren Folgen.
Sie ist noch bis zum 25. Februar 2019 im Museum am Holstenwall zu sehen. 

Revolution & Demokratie

Auf die ereignisreichen Jahre 1918 und 1919 gehen eine Vielzahl an Ideen zurück, die unsere offene und soziale Gesellschaft prägen. Wichtige demokratische und freiheitliche Errungenschaften, die uns heute selbstverständlich erscheinen, sind damals durchgesetzt worden. Mancherorts werden einige dieser Werte heute wieder in Zweifel gezogen. Der Blick zurück in den Entstehungsprozess unserer modernen Demokratie, aber auch das Lernen und das Wissen um den Erhalt demokratischer Rechte gehören daher zu den Zielen des Themenjahres „Hamburg 1918.1919. Aufbruch in die Demokratie.

Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg

Begrüßung des Infanterie-Regiments Nr. 76 durch Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrats, 1918 © Staatsarchiv Hamburg

Der 30er Ausschuss des Obersten Marinerates der Niederlebe am Jungfernstieg, 1918 © Alexander Jaap, Staatsarchiv Hamburg

Cover: SHMH Sinje Hasheider 

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit den Historischen Museen Hamburg entstanden.

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.