Brot am Haken

Brot am HakenWie der Caffè sospeso nach Hamburg kam

"Pack' mal noch einen Kaffee oben drauf", soll das neue Zauberwort in Hamburgs Cafés werden. Brot am Haken bringt die neapolitanische Tradition, den "aufgeschobenen Kaffee", als kleinen wohltätigen Akt ins Bewusstsein der Deutschen. Vier Hamburger Gastronomen unterstützen bereits die Initiative.

Wie bringt man eine kleine Freude an den Haken?

In Neapel ist er bereits ein fester Bestandteil der Morgenroutine: Der Caffè sospeso ist ein Brauch, der sich vor gut 100 Jahren in vielen Bars im schönen Italien etabliert hat. Neben dem eigenen Kaffee wird noch ein zweiter bezahlt, der vom Barista auf einer Liste notiert und an Bedürftige verschenkt wird – sozusagen eine gute Tat am Tag.

Die Initiative Brot am Haken möchte diese Tradition auch nach Hamburg bringen und den Gedanken erweitern: Egal ob Café, Bäcker oder Friseur – alle Dienstleister sollen an der Aktion teilnehmen können. Bereits vier Hamburger Cafés haben den "Haken" auf ihrer Theke stehen.

Ganz einfach: Aussuchen - Zahlen - Dranhängen - Freude geschenkt!

"Häng mal noch nen' Latte dran und ein Brötchen!"

Katja Warband war eine der ersten, die Brot am Haken in ihrem Café Kuchenstund adaptierte. "Es gibt viele Leute, die bei der Aktion mitmachen. Die meisten haben das Gefühl, damit mehr zu erreichen, als einem Obdachlosen auf der Straße einfach Geld in die Hand zu geben", erzählt sie.

Trotzdem erklärt sich so ein Haken natürlich nicht von selbst, Katja ist durchaus bewusst, dass Brot am Haken erst einmal in den Köpfen der Hamburger ankommen muss. "Bei uns stolpert man praktisch über den Haken. Viele Fragen dann, worum es geht. So kommt schnell ein Gespräch im Café zustande", sagt sie. Aber die Idee kommt an: Als Katja zum Beispiel mit einer Kundin über die Initiative sprach, meldete sich deren Tochter zu Wort und spendierte mit ihrem Taschengeld ein Eis. 

Aber nicht nur bei Kunden gibt es eine Hemmeschwelle, die erst überwunden werden muss. Gerade Bedürftigen ist es oft unangenehm, die kleinen Gesten anzunehmen: "Viele bitten mich, den Zettel erst vom Haken zu nehmen, wenn sie gegangen sind." 

Im Café Kuchenstund gibt es bereits Brot am Haken.

Nicht nur Brot, sondern auch Kuchen hängt hier am Haken.

Angefangen hat alles in Wandsbek

Den Verein Brot am Haken gründeten Henning, Holger, Thilo und Johannes vor ein paar Monaten, die Idee schwirrt ihnen schon seit dem Studium im Kopf herum. Genauer gesagt seit sie beim Wandsbäcker zu Besuch waren. Bei Bäcker Özer gibt es schon lange das Brot am Haken. "Wir waren von der Idee, mit einer kleinen Sache Freude schenken zu können und damit Menschen und Stadtteile zu verbinden, sofort überzeugt und dachten: davon braucht Hamburg mehr!",  sagt Henning.

Das Holzbrett samt Haken und die Homepage waren schnell designt, jetzt musste die Idee nur Wellen schlagen. Michael Spitzenberger war sofort am Haken, mehr als 20 Cafés nehmen in München bereits teil. Jetzt soll Hamburg folgen: "Ich bin mir sicher, wenn's in München funktioniert, dann in Hamburg erst recht!", lacht Henning.

Ihre Ideen sind ambitioniert: Zukünftig sollen nicht nur Kaffees und Brot, sondern auch Friseurgutscheine und Fahrkarten am Haken hängen. Mit den ersten Cafés sind sie aber schon mal gut gestartet - jetzt liegt es an den Hamburgern, Brot am Haken zu unterstützen!

Hier gibt es Brot am Haken:

Brot am Haken hofft, noch viele weitere Hamburger von der Idee begeistern zu können.

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.