Il Locale

Il LocaleCoffee Stories #4

Wer sagt, dass man Kaffee immer nur zum Frühstück oder zum Kuchen trinkt? Im Il Locale in Ottensen gibt es Espresso, Kaffeelikör und sogar Tiramisu, die nicht etwa mit italienischen Bohnen, sondern mit Kaffee aus der Speicherstadt zubereitet werden.

15:30: Kaffeezeit!

Doch im Il Locale sind die Stühle noch umgedreht und stehen auf den Tischen. Wir dürfen vor den Öffnungszeiten schon mal hinter die Kulissen gucken und lassen uns von Inhaber Simone Olivieri Pennesi erklären, warum es in seinem Restaurant keinen echten italienischen Kaffee gibt. "Ich wollte, dass die Leute reden – und bisher hat sich noch keiner beschwert", sagt Simone, als er uns einen Cappuccino zubereitet.

Während Simone den Milchschaum anrührt, juckt es Fotografin Lisa in den Fingern. Sie darf sich an der Schaumkunst versuchen! Der gebürtige Römer lässt sich dazu gerne herausfordern – und akzeptiert selbstbewusst den optischen Vorteil, den Lisa mit ihrer Schaumkreation an den Tag legt. Doch uns interessiert vor allem der Geschmack - und um den geht's hier schließlich im Il Locale.

Wie ein guter Wein

Kaffee ist für Simone ein wahres Ritual. Jeden Morgen nach dem Aufstehen gibt es einen Espresso, der die Sinne belebt. "Wenn ich auch mal länger Zuhause bin, gibt es auch gleich den zweiten hinterher." Sobald er sein Lokal betritt, ist die Versuchung auf einen dritten oder vierten natürlich groß. Ganz bewusst hat er sich aber für das Il Locale entschieden, nur ausgewählte Kaffeekreationen anzubieten. Cappuccino und Espresso kann man hier nach einer ordentlichen italienischen Pizza oder Lasagne zu sich nehmen. Filterkaffee oder gar ein guter Mokka kam bei seinen Gästen nicht an. Aber seine reduzierte Auswahl bietet reichlich Potenzial zum Experimentieren. 

"Kaffee ist eine romantische Geschichte. Das ist wie bei einem guten Wein: Wenn man es richtig erlebt, dann kann mal viel besser darüber erzählen."

Simone Olivieri Pennesi

Espresso Forte - 60 % Arabica + 40 % Robusta

Simone hat sich für den Espresso Forte der Speicherstadt Kaffeerösterei entschieden. Wichtig war ihm, dass der Espresso, den er für das Il Locale verwenden wird, mehr als 30 % Robusta enthält. Die Speicherstadt Kaffeerösterei wusste sofort, was Simone gefallen könnte und so wurde es der Forte mit satten 40 % Robusta. Von der Mischung her, geht er in die typische italienische Richtung – kein Wunder, dass Simone sofort begeistert war. "Die Speicherstadt weiß einfach, worauf es ankommt. Der Forte hat nicht zu viel Säure." Außerdem eignet er sich besonders gut für Milchgetränke. Und natürlich Nachtische. 

"Bis jetzt hat noch nie jemand gemeckert."

Das Il Locale ist ein Ort, wo sich Nachbarn, Familien und Freunde für eine gute Mahlzeit treffen. Simones Pizza ist unfassbar lecker. Das Geheimnis? Je weniger Hefe er verwendet, desto besser gelingt ihm der Pizzateig, den er in der Regel mind. 48 Stunden lagert, bevor er ihn verarbeitet. Sein Credo in der Küche: "Ich nehme klassische Rezepte und geben ihnen eine Alternative." Deswegen gibt es bei ihm gleich drei verschiedene Lasagne und mehrere Varianten einer Carbonara.

Es gibt nichts, was ihn nicht experimentierfreudig macht. Gerade feilt er an einer Polenta, die vor allem im Winter im Norden von Italien sehr beliebt ist. Und wir sind uns sicher, dass er auch die Hamburger damit überzeugen wird. Für welches Gericht er 300 Euro zahlen würde? "Das Zugo von meiner Oma ist das leckerste, was ich je gegessen habe. Es ist aber unmöglich, das nachzukochen." 

"Die Italiener sind anstrengend. Ich nicht."

Simone Olivieri Pennesi

Das wahre Highlight

Die Tassen werden im Il Locale aber nicht nur für einen guten Cappuccino verwendet. Dürfen wir vorschwärmen: Simones Tiramisu wird euch umhauen. Selbstverständlich wird der Espresso Forte auch hierfür verwendet und kommt in der Mischung mit der sahnigen Masse und dem Löffelbiskuit exzellent zur Geltung. Das Geheimnis ist wohl, dass Simone keinen Alkohol für seine süße Sünde verwendet. Bis zu 60 von den Tiramisutassen gehen in der Woche an glückliche Naschkatzen, die dem Dessert nicht widerstehen können. Mit uns sind es diese Woche 63. Für uns gibt Simone extra eine kleine Showeinlage und zeigt uns, wie er seine Variante des Tiramisu herstellt. Seine flinken Finger zaubern in Nullkommanix kleine Dessertwunder. 

Und was passt dazu besser als ein guter Mokka- oder Mokkasahnelikör? Laut Simone braucht man nicht mehr zum Glücklichsein. Und nach einer Kostprobe können wir das nur bestätigen. Dessertgenuss, der uns zumindest kurzfristig in den siebten Himmel katapultiert. Simone nimmt unser Lob ganz bescheiden zur Kenntnis und verrät uns, dass er in einem nächsten Schritt den Löffelbiskuit gerne gegen Spekulatius austauschen möchte. Halleluja – wo kommen wir denn da hin? Das klingt nach Heaven's Kitchen.

Hamburg Mokka Likör
Aroma: Karamell, Rohrzucker, Tabak
Geschmack: Lakritz, Mokka, Vanille
Abgang: Kaffee, Piment, bleibende angenehme Zitrussäure
Mundgefühl: weich, sirupartig

Hamburg Mokka Sahnelikör
Aroma: Vollmilchschokolade, Toffee
Geschmack: gezuckerte Kondensmilch
Abgang: Milchkaffee
Mundgefühl: cremig, dick

Die hauseigene Mokka-Mischung wird in der Speicherstadt Kafferösterei schonend von Hand geröstet und besteht aus Kaffees aus Brasilien & Äthiopien (100% Arabica). Anschließend wird die Mokkamischung von ihrem Destillateur über mehrere Wochen mit einem hochwertigen Weizenbrand mazeriert und zu diesen edlen Likörspezialitäten veredelt. Unbedingt ausprobieren! 

 

Ein bisschen lauter, bitte!

Wie geht es wohl in einem italienischen Restaurant zu, wenn es sich für den Abend vorbereitet? Richtig: laut! Und dabei wird selbstverständlich viel gestikuliert – und dennoch geht alles ganz entspannt zu. Dass die Italiener heute oft sauer sind, wie Simone behauptet, bekommt man hier überhaupt nicht mit. Der Laden lebt, obwohl noch keine Gäste da sind. Wir fühlen uns wohl. 

Und Simone fühlt sich erst recht wohl: Seit 2007 ist er in Hamburg und belebt mit seinem italienischen Charme ganz Ottensen. Das Einzige, was ihm im hohen Norden fehlt, ist die Aperitivo-Kultur. Damit meint er nicht nur den Genuss eines guten Negroni, wie er ihn am liebsten trinkt, sondern der kommunikative Moment, der vor allem in Italien dabei entsteht. Wer wissen möchte, was genau Simone damit meint, der sollte unbedingt einen Abend im Il Locale verbringen. Und genug Platz für den Nachtisch lassen.

Die kleine Checkliste:

  • Welcher Kaffee?

    Der Espresso Forte aus der Speicherstadt Kaffeerösterei ist alles, was das Il Locale braucht. Aber auch der Mokka-Likör sowie der Mokka-Sahnelikör sind nicht zu verachten.

  • Storyteller:

    Simone Olivieri Pennesi ist gebürtiger Römer und führt sein Lokal mit einer feurigen Leidenschaft. Früher war Simone Fotograf auf einem Kreuzfahrtschiff – bis er seine Frau kennenlernte und in Hamburg an Land ging. 

  • Wann kommen?

    Abends! Dann erlebt ihr die italienische Gastfreundschaft in vollen Zügen. 

  • Wie viel Platz?

    85 Plätze bietet das Il Locale. Eine Hochzeit fand hier bereits statt – wenn ihr das nötige Kleingeld mitbringt. 

  • Spezialität des Hauses:

    Natürlich das Tiramisu. Aber auch Simones Pizza lässt Gourmetherzen schmelzen. 

Lisa Knauer 

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit der Speicherstadt Kaffeerösterei entstanden. 

Merle Hagelüken

Merle ist ein absolutes Nordlicht: Aufgewachsen an der Ostsee geht sie mittlerweile in Hamburg auf Entdeckungstour. Sie liebt den Hafen, das Wasser und findet in jeder Ecke das Besondere!