Das geht unter die Haut

Das geht unter die Haut8 coole Tattoo-Studios in Hamburg

Tattoos sind Ausdruck von Persönlichkeit, Zugehörigkeit und Geschichte. So gehörten sie zu echten Hamburger Seemännern wie die Elbe zu Stadt. Tattoos erleben weiterhin einen großen Hype, fast jeder Zehnte in Deutschland trägt ein Kunstwerk auf der Haut. Und dabei muss es nicht immer der Totenkopf oder die Rose sein.

Hamburg hat eine traditionsreiche Tattoo-Geschichte, die im Hafenmilieu des 19. Jahrhunderts beginnt. Als eine Geburtsstätte der professionellen Tätowierkunst ist Hamburg heute eine Hochburg talentierter Tattoo-Künstler in Deutschland. Mit echten Seemanns-Tattoos hat es angefangen und bis heute haben sich viele weitere Stile entwickelt. 

Christian Warlich war der erste Mensch in Deutschland, der eine elektrische Tätowiermaschine besaß. Er tätowierte zuletzt in den 60er Jahren in seiner Kneipe auf St. Pauli. Paul Holzhaus, Gründer der ersten offizielleren Tätowierstube in Hamburg, war in den Trümmern des Nachkriegs-Hamburg einer der wenigen, die die Tätowierkunst an den Mann brachte. Tattoos waren tatsächlich kein einfaches Thema, denn im Dritten Reich waren Tätowierungen zum einen verboten, zum anderen verpönt, da SS-Männer ihre Blutgruppe unter dem linken Arm tragen mussten und KZ-Opfer eine Häftlingsnummer tätowiert bekamen.

Was in den 40er und 50er Jahren wenig akzeptiert war, hat sich heute zu einem Modetrend entwickelt. Die Entscheidung fürs Tattoo und für das richtige Studio ist nicht immer einfach. Zur ersten Orientierung geben wir euch einen kleinen Guide mit acht Hamburger Tattoo-Studios, die unter die Haut gehen. 

The Black Mess

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

The Black Mess steht für traditionelle und professionelle Tattoo-Kunst. Hier wird kein Tattoo zwischen Tür und Angel gestochen, der Schritt von der Idee bis zur Umsetzung ist ein Prozess, den die Tätowierer gemeinsam mit ihren Kunden gehen. Dabei kann ein Tattoo zu etwas recht Intimen werden. "Vom Motiv bis zum Stechen verbringt man schon mal ein paar Stunden zusammen. Da lernt mich sich oft sehr gut kennen", sagt Stefan, Tätowierer und einer der Gründer von The Black Mess.

Insgesamt sechs Tätowierer gehören zum Team sowie Marcel, Manager und Gründer von The Black Mess. Er gründete das Studio und hält den Künstlern den Rücken frei, sodass sie sich komplett auf ihre Kreativität und ihre Kunden konzentrieren können. Marcel kam vor gut zwei Jahren auf die Idee, ein Studio zu eröffnen, als er selbst auf der Suche nach einem passenden Tätowierer war. Entstanden ist ein Tattoo-Studio mit talentierten, professionellen Künstlern und einer gemütlich unaufgeregten Einrichtung.

Die älteste Tätowierstube in Deutschland

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

Wusstet ihr, dass sich in Hamburg die älteste Tätowierstube Deutschlands befindet? Seit 1946 werden hier Kunstwerke für die Ewigkeit gestochen, damals von Paul Holzhaus. Er tätowierte noch echte Seefahrer. "Die Old School Motive der Seefahrer von damals wollen sich heute wieder viele stechen lassen", erzählt uns Günter, heutiger Inhaber des Tätowierstube. Sein Onkel Herbert Hoffmann übernahm 1962 das Geschäft von Paul Holzhaus und professionalisierte nach und nach das Tattoo-Business.

Günter lernte hier das Handwerk zum Tätowierer, das stand völlig außer Frage: "Eines Tages hieß es einfach: 'Willst du nicht auch mal tätowieren' und so bin ich da einfach reingerutscht", erzählt er uns. 1984 wurde die Tätowierstube feierlich in seine Hände übergeben. Seitdem hat er über 30 Jahre Erfahrung gesammelt. "Ein guter Tätowierer steht hinter dem, was er tätowiert. Tattoos heute haben viel an Bedeutung verloren. Da kommen manchmal Leute und sagen: 'Ich hab' mir da so'n Spruch ausgedacht'. Da sage ich dann auch mal ganz klar Nein."

Die Wände des Studios zieren Zeichnungen, die Günter in den ersten drei Jahren als Tattoo-Künstler gezeichnet hat. Goldener Stuck ziert die Decke. Heute, sagt Günter, zeichne und tätowiere er viel freier. Jeder Kunde bekommt sein individuelles Tattoo. Vieles hat sich hier verändert, manches gar nicht. Deutscher Tattoo-Geschichte fühlen wir uns hier trotzdem ein wenig näher.

Immer & Ewig Tattooing

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

Vor gut zehn Jahren hat Christian ein Tattoo-Studio eröffnet und ihm den Namen "Immer & Ewig" gegeben. Und mit diesem Anspruch arbeitet das Team: Sie schaffen Kunstwerke für die Ewigkeit, die ihr später noch genauso cool finden sollt wie am ersten Tag. Selber tätowiert Christian schon seit 14 Jahren und hat seitdem schon viele Stile ausprobiert. Die Klassiker, von Rosen, über Anker, bis hin zu Totenköpfen, kann er schon fast im Schlaf tätowieren: "Dafür kann man mich nachts wecken. Da bin ich immer dabei!" 

Da wundert es uns nicht, dass es keine festen Öffnungszeiten gibt. Termine gibt es nur nach Absprachen, denn jeder Kunde soll seine verdiente Aufmerksamkeit und die Zeit des Tätowierers bekommen. Insgesamt sieben Tätowierer nutzen das Studio zwischen Schanze und Eimsbüttel und vertreten damit gleich mehrere Stilrichtungen. Ob modernes Blackwork oder Old School Farbmotive, im Team von Immer & Ewig wird sich bestimmt die oder der passende Tätowierer für euch finden.

Kodiak Tattoo

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

Endlich haben wir ein Tattoo-Studio gefunden, dessen Name uns nicht sofort abschreckt. Wir haben bei Kodiak direkt an Fotografie und Kreativität gedacht, tatsächlich hat der Name aber noch eine ganze andere Bedeutung. Gründerin des Studios ist Alina Baer und der Titel ist eine Anspielung auf ihren Nachnamen. Denn der Kodiakbär ist nach dem Eisbär das größte an Land lebende Raubtier der Erde. Das ist mal ein Statement.

Alina hat mit der Tattoo-Kunst endlich das gefunden, was sie im Leben erfüllt. Letztes Jahr hat sie alles auf eine Karte gesetzt: "all in" für den eigenen Laden. Der war schnell in St. Pauli gefunden, seit September ist Alina Chefin eines Tattoo-Studios mit fünf Tätowierern. Die Eröffnung war ein Erfolg, denn die filigranen, modernen Motive sind vor allem beim ersten Tattoo und der jungen Generation voll im Trend. 

Spadetattoo

© Spadetattoo

© Spadetattoo

2012 war es endlich soweit: Nancy und Moe haben sich mit einem eigenen Tattoo-Studio einen Traum verwirklicht. Mittlerweile sind vier Tätowierer hier zu Hause, alle mit einem ganz eigenen Stil. Und darauf wird bei Spadetattoo großen Wert gelegt: Jedes Tattoo wird für den Kunden individuell gezeichnet, die Stimmung im Studio ist wie daheim auf dem Sofa. Schließlich sollen Kunden und Tätowierer sich rundum wohl fühlen.

Nancy erzählt uns, was bei der Tattoo-Entscheidung für sie wichtig ist: "Der Kunde muss verstehen, dass man sich ein Tattoo nicht mal eben schnell wie ein Döner um die Ecke abholt." Ein Tattoo ist ein kleines Kunstwerk, das Zeit zum Entstehen benötigt. Die Sympathie zwischen Kunde und Tätowierer spielt dabei auch eine große Rolle: "Erst wenn sich der Kunde wohl fühlt, kann ein gutes Tattoo entstehen. So freuen wir uns am Ende alle über das, was geschaffen wurde."

VADERS.DYE Tattoo

© VADERS.DYE

© VADERS.DYE

VADERS.DYE ist eines der jüngeren, aber nicht minder bekannten Tattoo-Studios der Hansestadt. 2014 startet das Studio wie ein Komet ans Firmament der Hamburger Tattoo-Szene. Der erste Walk-in-Day war ein voller Erfolg. Seitdem sind die zehn jungen Künstler glücklich in ihrem Tattoo-Kollektiv. Das filigrane Dotwork und Linework ist zum Aushängeschild des Studios geworden und vor allem beliebt für Ersttattoos und bei der jüngeren Generation. 

The Artistocrat Tattoo

Bereits seit 2009 sticht das Team von Artistocrat Tattoo seinen Kunden in der Neustadt professionelle Tattoos. Mit sechs Tattoo-Künstlern deckt das Studio fast jeden Stil ab und kann den Kunden somit eine große Auswahl an. Gründer Zsolt Machat ist eine echte Legende in der Hamburger Tattoo-Szene, er wirkte unter anderem schon im DMAX TV Format "Jungbluth - eine Familie sticht zu" mit. Mit über 26 Jahren hat er mehr als genug Expertise, um jedem Kunden und seinen Tattoo-Künstler mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Für ihn und das Team ist das Tätowieren mehr als nur ein Job, sondern eine Lebenseinstellung und beraten ihre Kunden deshalb auch mit großer Leidenschaft.

Hanadis Garage

Ein Pinguin, der Straßenmusik macht, Möwen, die Poloshirts tragen oder ein Löwe beim Triathlon. Hanadi Chawafs große Leidenschaft ist es, Tiere zu vermenschlichen. Und gerne lässt sie diese auch mal Kopftuch tragen, als Referenz an ihre syrische Herkunft. Zwischen Tier und Mensch, zwischen Kulturen, zwischen Illustration, Grafik und Graffiti-Kultur: so sind die Tattoos der Deutsch-Syrerin, die lange in LA gelebt hat und seit acht Jahren international tätowiert. Ihr ist es wichtig, dass ein Tattoo wirklich individuell ist - und lange haltbar. „Ich genieße den ganzen Prozess an der Tattooarbeit“, sagt sie. „Vom ausführlichen Besprechen bis zum Stechen.“

Zur Tattoo-Bedeutung

Ein Tattoo ist wie ein Tagebucheintrag auf der Haut. Das Motiv braucht gar keine tiefe Bedeutung, viel mehr gilt die Erinnerung an den "Stichtag". "Ich erinnere mich bei jedem meiner Tattoos, wie ich mich zu der Zeit gefühlt habe, was ich gedacht habe und was in meinem Leben passiert ist", erzählt uns Alina von Kodiak Tattoo. Auch die Ladies und Gentlemen von The Black Mess haben uns das bestätigt. Ein Tattoo ist und bleibt also eine ewige Notiz auf eurer Haut.

Die Wahl des richtigen Tattoo-Studios ist eine Bauchentscheidung

Worauf solltet ihr bei der Suche nach dem passenden Tattoo-Studio achten? Wir haben uns mal für euch umgehört.

Fangen wir mal mit den offensichtlichen Gründe an: Stimmt die Hygiene? Oft sieht man schon beim Betreten eines Studios, ob die Sauberkeit stimmt. Wenn euch da etwas spanisch vorkommt, dann ist dies nicht die richtige Adresse. 

Da kommen wir schon gleich zum nächsten wichtigen Punkt. Bevor ihr euch für ein Studio entscheidet, solltet ihr bei einer Auswahl wenigstens einmal vorbeischauen. Das läuft in den verschiednen Studios recht unterschiedlich. Manchmal braucht ihr direkt einen Beratungstermin, bei den meisten dürft ihr aber immer gerne reinkommen, in den Books der Künstler stöbern und euch einen generellen Eindruck verschaffen.

Am besten beginnt ihr mit einer Online-Recherche. Viele Studios präsentieren ihre neusten Tattoo-Werke auf Facebook oder Instagram. Welcher Stil gefällt euch am besten? Wie soll das eigene Tattoo werden? Was sagen erfahrene Kunden über das Studio? So könnt ihr bereits eine Auswahl treffen. 

Ein guter Tätowierer wird euch niemals ein Tattoo zwischen Tür und Angel stechen, sondern euch erstmal zu einem Beratungsgespräch einladen und euch dabei nicht nur zum Motiv beraten, sondern auch über andere Faktoren sprechen, die vor, während und nach dem Stechen beachtet werden müssen. Ihr fühlt euch unwohl oder seid mit dem Tätowierer nicht auf einer Wellenlänge? Dann ist das wohl nicht das richtige Studio für euch.

Klar, das Motiv ist wichtig. Lasst euch mit der Entscheidung Zeit. Denkt aber auch immer daran: Ihr könnt nicht mit jedem Wunsch zu jedem Tätowierer gehen. Tätowieren ist zwar eine Dienstleistung, gleichzeitig aber auch eine Kunst. Ein Tattoo-Künstler wird euch kein Motiv stechen, von dem er oder sie nicht auch überzeugt ist. Ein Tattoo ist Kunst auf eurer Haut.

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.