Sankt Pauli Museum

Sankt Pauli MuseumLebendige Geschichte, Diversität & Zukunftspläne

Was wäre Hamburg nur ohne St. Pauli? Unser Kiez ist kunterbunt, offen und ständig im Umbruch. Doch wie ist der Stadtteil am Hafen eigentlich so geworden? Was macht ihn aus, wieso ist er für Menschen aus aller Welt Sehnsuchtsort? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen – und haben dem St. Pauli Museum einen Besuch abgestattet!

Das St. Pauli Museum ist nicht mehr lange in der Davidstraße 17 zu finden.

Günter Zint, Gründer des St. Pauli Museums

Günter Zint machte sich bereits in den 1960ern als St. Pauli Fotograf einen Namen. Er wurde Hausfotograf des berühmten Star Clubs und des Salambos, feierte Partys mit Berühmtheiten wie den Beatles. Obwohl er lieber Gründer genannt wird als Fotograf oder Journalist, merkte er im Zuge von dokumentarischen Recherchearbeiten in den 80ern, dass es keinen zentralen Punkt gab, wo Fotos und andere Exponate zu St. Pauli erfasst werden. Da er selber ganz genau wusste, wie spannend und wichtig ein solches Projekt wäre, entstand sein St. Pauli Archiv und 1988 das St. Pauli Museum!

Viele der Fotos, die im St. Pauli Museum hängen, sind vor Günter Zints Linse entstanden.

Eine weitere seiner Gründungen: Die St. Pauli Nachrichten

Der Fundus: Zwei Seiten der Medaille

Doch was macht das Museum eigentlich genau? Die Mitarbeiter des St. Pauli Museums sammeln, forschen und bewahren bis heute Material zu diesem einzigartigen Stadtteil. Der Fundus erstreckt sich von Stadtkarten über ein berühmtes Tankstellenschild, und Programmheften aus den 20ern bis hin zu einer Fotoauswahl, die den Betrachter in eine andere Zeit versetzt. Wenn ihr denkt, historische Museen seien langweilig, dann habt ihr noch nie nach der Geschichte von St. Pauli gefragt! Sie ist voller schillernder Persönlichkeiten, Humor und Unterhaltung, Glanz und Glamour, aber auch geprägt von den Kehrseiten der Medaille, von Armut, Sucht und Gewalt.

Freiheit und Diversität

St. Pauli als Weltkulturerbe

Wusstet ihr, dass St. Pauli schon im 16. Jahrhundert zu einem Ort der Freiheit wurde? Zu diesem Zeitpunkt wurde hier schon die Religion-und Zunftfreiheit eingeführt. Damals war der Stadtteil aber noch lange kein Teil von Hamburg, sondern lag zwischen den Hamburger Stadttoren und Altona. Traditionell also wurden Menschen und Lebensweisen an diesem Ort akzeptiert, die andernorts nicht dazugehörten. Bis heute haftet dem Viertel dieser Vibe an und die Einstellung, dass sich auf gleicher Augenhöhe begegnet wird. Und das wollen die Mitarbeiter des Museums und viele andere Menschen bewahren: Sie arbeiten daran, dass St. Pauli ein immaterielles Weltkulturerbe wird.

St. Pauli als Weltkulturerbe, was haltet ihr davon?

Ein Blick in die Geschichte

Wir legen euch einen Besuch des Museums nicht ohne Grund ans Herz! Die Geschichte des bunten Viertels haut einen regelrecht um – und lässt euch in Zukunft mit ganz anderen Augen durch die Straßen ziehen. Selbst der Tourismus bekommt eine neue Facette, denn St. Pauli war schon immer ein Ort, der Menschen aus aller Welt angezogen, und manche festgehalten, hat. In einer Gesellschaft, die sich so rasant verändert, ist es außerdem beruhigend zu sehen, dass sie das immer schon getan hat und trotzdem vieles bleibt. St. Pauli ist sogar ein Ort, an dem gerade die Veränderung Tradition hat!

Ein kunterbunter Fundus

St. Pauli hat viele wichtige Botschaften, derzeit scheint mir folgende besonders wichtig: Diversität und Toleranz sind Erfolgsmodelle und keine „Krisen“.

Eva Decker, Kuratorin des St. Pauli Museums

Danke Eva für die vielen Eindrücke und Einblicke!

Über Mieten, Umziehen und Umdenken

Wenn ihr das Museum in seiner jetzigen Form noch besuchen wollt, dann solltet ihr das schleunigst tun. Aufgrund von Mieterhöhungen wird das St. Pauli Museum zum März 2020 ihre wunderschönen Räumlichkeiten in der Davidstraße 17 verlassen. Doch was wären St. Paulianer, wenn sie nicht umdenken könnten?

Die Verhandlungen um Zwischen- und Nachfolge-Standorte laufen auf Hochtouren. Wo? Das wird noch nicht verraten. Nur einen Einblick in die Pläne können wir schon geben: Neben einer kleinen Dauerausstellung zur Stadtteilgeschichte soll sogar das ganze Viertel als externe Ausstellungsfläche genutzt werden. Passend zu diesem modernen Ansatz wird auch alles digital aufbereitet. Wir sind gespannt auf alles, was kommt!

Nach dem Museumsbesuch schlendern wir noch zum Hafen, der perfekte Tag!

Dahlina-Sophie Kock

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Carla Agha Ebrahim

Das Studium hat Carla aus ihrer bayrischen Heimat über Berlin in den Norden gelockt – wo sie Hamburg als ihre neue Lieblingsstadt entdeckt. Oft kilometerweit zu Fuß unterwegs, hält sie Ausschau nach Cafés, Büchern, Second Hand Shops und all den Orten, die einfach neugierig machen.