Salat aus einer Lagerhalle – Dank einer neuen Vertical Farming Technologie ist das möglich! Seit gut einem Jahr pflanzt Farmers Cut 30 verschiedene Salat- und Kresse-Sorten am Hamburger Großmarkt an. Am 18. Oktober eröffnet der erste Pop-up des Hamburger Start-ups. Wir haben uns zuvor mit Isabel von Molitor von Farmers Cut getroffen und uns von ihr Vertical Farming erklären lassen.

Ganz unaufgeregt: nur ein Schild kündigt Farmers Cut am Hamburger Großmarkt an.

Die Zukunft des modernen Ackerbaus

Woher kommt eigentlich der Salat, den wir im Supermarkt kaufen? Wahrscheinlich ist er schon Hunderte von Kilometern unterwegs gewesen, bis er dann endlich bei uns auf dem Teller landet. Ok, Salatanbau in der Stadt ist schwierig – bis jetzt! Farmers Cut hat eine neue Technologie entwickelt, mit der das ganze Jahr über Grünzeug angepflanzt werden kann.

Während in den USA, Japan oder Holland Vertical Farming schon seit einigen Jahren getestet wird, hat sich in Deutschland noch niemand so wirklich mit dem Konzept beschäftigt. Dabei bietet die Technologie so viele Möglichkeiten! Sie macht nicht nur einen regionalen Anbau überall auf der Welt möglich, sondern ist auch noch viel effizienter als herkömmliche Landwirtschaft.

Next Generation Farming nennen Visionäre diese Art des Anbaus. Grundsatzfragen, wie die Ernährung der rasant wachsenden Weltbevölkerung und Einflüsse des Klimawandels, brachten schon in den 1960er und 70er Jahren Wissenschaftler auf die Idee, „autarke Gewächshäuser“ zu entwickeln.  

In der Harvest-Line warten die Salate darauf, ausgeliefert zu werden.

Pioniere des Salat-Anbaus

Damals Zukunftsmusik, heute schon Realität: Kein anderer als der Hamburger Mark Korzilius, Gründer der Vapiano-Kette, war von dem Konzept begeistert. In Isabel von Molitor, die die neuen Farming-Ansätze aus New York kannte, fand er eine geeignete Partnerin für das Projekt. Es folgten viele Reisen, Gespräche mit Experten und Grundsatzdiskussionen – nun drei Jahre später steht Farmers Cut mit einem eigenen Patent da und erntet täglich um die 60 Kilo Salat.

„Wir dachten am Anfang, wir kaufen einfach eine Fertigfarmtechnologie aus Holland, England oder Kanada. Alles hatten wir uns angeschaut, aber mussten dann feststellen, dass alle Lösungen nicht so automatisiert und effizient waren, wie wir es uns wünschten“

erzählt uns Isabel, als wir sie in der Farmers Cut Halle am Hamburger Großmarkt treffen.

Den Kopf haben sie nicht in die Erde gesteckt, sondern selbst eine Technologie entwickelt. Mit einem Ingenieurbüro aus Holland wurde knapp zwei Jahre an der Farmtechnik gebastelt, seit gut einem Jahr steht sie in der Hamburger Halle.

Trotzdem geht es immer noch viel darum, die Technik auf Vordermann zu bringen. 12 Mitarbeiter, überwiegend im Software & Technik Bereich sowie der Pflanzenbiologie, arbeiten an der Weiterentwicklung. Ziel ist es, eine ganze Lagerhalle mit mehreren Farmhouses – also Modulen zum Anbau – zu füllen.

Blick in das Farmhouse - hier wächst der Salat.

Große Nachfrage

Die Salate sind jetzt schon so beliebt in Hamburg, dass Farmers Cut fast gar nicht mit der Produktion hinterher kommt. Tim Mälzers „Die gute Botschaft“ war von Beginn an dabei, mittlerweile beliefern sie 20 Gastronomien in und um Hamburg. Und obwohl auch immer wieder Restaurants aus anderen deutschen Städten bei Farmers Cut anklopfen, bleibt das kleine Unternehmen seinem Regionalitätsgrundsatz treu.

Wann können wir endlich Salat für den Eigenbedarf von Farmers Cut kaufen? Diese Frage stellen wir uns sofort als wir uns durch die 30 Sorten probieren. So geschmacksintensiv und saftig haben wir uns den Salat aus dem Container nämlich ehrlich gesagt nicht vorgestellt! Wilde Rucolakresse, Zimt-Basilikum, Mexican Merrygold, roter Pak Choi – die Baby-Leaf-Salate, Kressen und Kräutern haben uns echt umgehauen! Das scharfe Mustard Wasabi Wonder erklären wir ziemlich schnell zu unserem absoluten Favoriten.

Farmers Cut Pop-up

in der Rindermarkthalle St. Pauli

Vom 18. Oktober bis zum 17. November hat der Pop-up immer donnerstags und freitags von 15 - 18 Uhr und samstags von 11 - 14 Uhr geöffnet.  

Hier könnt ihr euch euren eigenen 120 Gramm Beutel aus dem Buffet an lebendem Salat zusammenstellen.

Dieser muss übrigens nicht gewaschen werden, sondern kann sogar direkt als Snack aus der Tüte gegessen oder im Büro gemixt werden.

Und wie funktioniert das nun ganz genau?

Die Vorstellung eines schönen, gläsernen Gewächshauses ist vielleicht romantisch, hat aber wenig mit der Realität bei Farmers Cut zu tun. Das Farmhouse ist ein vollständig abgeschlossenen Modul, das in der großen Lagerhalle steht. „CO2, Temperatur, Feuchtigkeit, Nährstoffe im Wasser, Saatgut - alle Faktoren bestimmen wir so, dass wir schneller, gesünder und das ganze Jahr, also klimaunabhängig anbauen können“, erklärt Isabel. „Ins Farmhouse kommen keine Käfer oder andere Insekten, deshalb müssen auch wir keine Pestizide einsetzen.“ Allen Skeptikern kommt Farmers Cut zuvor: bei regelmäßigen, unabhängigen Labortests schneiden die Salate von Farmers Cut deutlich besser ab als der europäische Durchschnitt.

Das Prinzip läuft wie ein durchlaufendes System – jeden Tag kommt etwas rein und auch wieder raus. Jeden Tag wird ausgesät, in einem Container keimen die Pflanzen je nach Sorte 3-8 Tage, dann kommen sie in das Farmhouse – das Herz von Farmers Cut. Dort wachsen sie dann nochmal 19 – 22 Tage. Das Substrat, der Nährstoffboden auf dem die Pflanzen wachsen, bleibt ein kleines Patentgeheimnis.

Blick in die Zukunft

Isabel öffnet für uns das Rolltor des Farmhouse und uns werden 9 Etagen gefüllt mit Setzlingen präsentiert. An unserem Ende sehen wir die neuen Keimlinge, im Hintergrund, am anderen Ende des Farmhouse können wir die gewachsenen Pflanzen erkennen. „Auf 540 Quadratmetern Wachstumsfläche bauen wir so viel an, wie sonst auf 15.000 Quadratmetern in der normalen Landwirtschaft. Eben weil wir alle 20 Tage ohne Ausfälle durch Umweltfaktoren ernten können und das ganze Jahr anbauen“, sagt Isabel.  

Effizient, platzsparend, klimaunabhängig und Energie- und Wassersparend – bei Farmers Cut haben wir eine faszinierende Technologie kennengelernt, die die Zukunft maßgeblich gestalten wird.

Isabel von Molitor ist ganz glücklich mit ihren Salaten.

Lisa Knauer

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden. Wir bedanken uns herzlich bei Isabel von Molitor für das Interview bei Farmers Cut.

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.