Fernweh mit Salt & Silver

Fernweh mit Salt & SilverTeil 1: Pura Vida in Costa Rica

Hamburg hin oder her – uns packt auch oft das Fernweh! Vor allem bei den Reisestorys unserer Homies Jo & Cozy. Die wecken so viel Reiselust, dass wir sie mit euch teilen wollen. Also haben wir die Jungs von Salt & Silver gefragt, ob sie uns ihre besten Storys aus Lateinamerika verraten wollen – und sie packen sogar noch ein Rezept obendrauf! 

© XULI

Ein Stück Himmel auf Erden

Die Leute nennen Costa Rica gerne die lateinamerikanische Schweiz und wenn man die Preise für ein Stück Käse betrachtet, versteht man, wieso das so ist. Probiert man den Käse dann, schwindet dieses Verständnis schnell: Er ist teuer, aber geschmacklos. Hier gut und ausgewogen zu kochen ist gar nicht so einfach, denn wir können es uns nicht leisten, neun Euro für ein Steak aus dem Supermarkt zu bezahlen. Abgesehen von den Preisen ist das Land allerdings wahnsinnig schön. Vor der Küste tauchen die Wale, im Garten des Hostels wird man von Affen begrüßt, das Wasser hat Badewannentemperatur.

Wer ein bisschen sucht, findet auch im weitgehend erschlossenen Costa Rica ein ruhiges Fleckchen für sich. Gerade auf der Nicoya-Halbinsel gibt es einige schwer zu erreichende Flecken Strand, an denen man endlich seine Ruhe hat. Der Dschungel reicht oft direkt bis ans Meer und man fühlt sich wirklich weit weg. Die Bananen pflückst du dir einfach vom Baum. Die Kokosnüsse auch. Wer Bock auf Abenteuer hat, kann einen 15 Meter hohen Wasserfall hinunterhechten (aber dabei sind schon einige Backpacker draufgegangen). Eigentlich hat Costa Rica also alles, was das Herz begehrt – wenn man einmal davon absieht, dass von der ursprünglichen Kultur nicht mehr viel übrig ist, seit das Land neben dem Bananenexport hauptsächlich vom Tourismus lebt.

El Arenal

Vom El Arenal...

Wir nehmen zunächst einen Bus zum Vulkan Arenal, einem riesigen urzeitlichen Kegel umgeben von Dschungel, der ständig raucht.

Zu seinen Füßen glänzen große Seenplatten silbrig im Sonnenlicht. Nebelschwaden steigen von den Seen auf und legen sich als dichte Decken zwischen die Baumwipfel. Das erinnert mehr als deutlich an „Jurassic Park“! Als wir durch den Dschungel wandern, hören wir immer wieder Brüllaffen schreien, sie besitzen ein unglaubliches Stimmorgan. Kaum zu glauben, dass diese Tierchen gerade mal einen halben Meter groß sind. 

Fun Fact:
Die Schreie der Brüllaffen wurden tatsächlich verwendet, um das Dino-Brüllen für die Jurassic-Park-Filme aufzunehmen.

...nach Tamarindo

Den ganzen Tag wandern wir durch den Dschungel, beobachten Tukane, finden versteckte Wasserfälle, essen wilde Orangen vom Baum. Ein Einheimischer erzählt uns von einem Fluss in der Nähe, der heißes vulkanisches Wasser führt und in dem es eine Art natürlichen Whirlpool gibt, in den man sich tatsächlich setzen kann. Das ist genau nach unserem Geschmack und DER Ausklang für einen perfekten Dschungeltag. Wir kaufen einige kalte Biere und nehmen uns ein Taxi zum Fluss. Dort angekommen machen wir uns auf die Suche nach der heißen Quelle, sie ist nicht schwer zu finden: Andere Backpacker kommen uns schon entgegen, als wir den Pfad zum Flussufer hinunterklettern. Der Spot ist unfassbar schön: Gemütlich plätschert der Fluss in zwei flache Naturbecken. Wir suchen uns einen Flecken mit der perfekten Temperatur, fläzen uns ins Wasser, ein Schluck kühles Bier, ausruhen. Einige Backpacker haben Kerzen auf die Felsen am Wasser gestellt. Nice.

Vom Vulkan aus bringt uns ein klappriger Bus nach Tamarindo. Hier gibt es einige annehmbare Wellen, doch der richtige Swell bleibt leider aus. Wir würden das Örtchen sowieso nicht unbedingt als Reiseziel empfehlen, zu viel Touristeninfrastruktur hat sich dort schon breit gemacht. Es soll Leute geben, die es gut finden, wenn sie auch in kleinen Ortschaften am Strand ihren Latte macchiato trinken und Pizza essen können, aber wir gehören nicht dazu. Stattdessen kaufen wir uns im Supermarkt einigermaßen erschwingliche Zutaten und machen uns leckere Pitas.

Montezuma sehen und sterben

Weiter geht es nach Montezuma auf der Nicoya-Halbinsel, einem Örtchen, eingebettet zwischen Dschungel und Strand. Montezuma kann man am besten als kleinen Hippie-Ort beschreiben: An jeder Ecke verkauft jemand Duftstäbchen oder selbst gebastelte Trommeln. Direkt am Strand liegt eine Schildkrötenaufzuchtstation, in der ein kleiner Junge die Babys bewacht und nebenbei frische Kokosnüsse verkauft. In Elenas „Downtown Montezuma Hostel“ finden wir hier ein richtiges Zuhause. Sie besorgt uns frischen Fisch, kocht und isst mit uns und verrät uns ihr liebstes Cevicherezept.

 

Bonito-Ceviche auf Rote-Bete-Carpaccio

Für 4 Personen

Mit Elena fahren wir zum Surfen nach Santa Teresa. Auf dem Rückweg halten wir in einem kleinen Ort mit Fischerhafen und kaufen frischesten Bonito direkt vom Boot. Die nächsten Tage gibt es Fisch! Als erstes natürlich Ceviche, diesmal nach Elenas Lieblingsrezept mit Rote-Bete-Carpaccio, asiatisch angemacht mit Sojasauce und Ingwer. Check it out!

Ihr braucht für den Ingwersirup:
1 haselnussgroßes Stück Ingwer 4 EL Ahornsirup
1 guter Schuss Sojasauce

Für das Ceviche:
30 g gegarte Rote Bete
1 Bund Frühlingszwiebeln
1/2 Bund Petersilie
4 EL Olivenöl
1 kg Bonito oder Yellowfin-Thunfisch, top frisch in Sushi-Qualität!
230 ml Limettensaft
1 Limettenspalten zum Servieren MeerSalz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Für den Ingwersirup schäle den Ingwer und reibe ihn fein. Mische ihn mit dem Ahornsirup und einem Schuss Sojasauce. Schneide die Rote-Bete-Knolle mit einem scharfen Messer in hauchdünne Scheiben. Du kannst auch eine große Reibe verwenden oder ein entsprechendes Werkzeug, mit dem du gut arbeiten kannst. Hauptsache, du hast am Ende schöne, gleichmäßig dünne Scheiben. Putze die Frühlingszwiebel und schneide sie in feine Ringe. Hacke die Petersilie.


Verteile die Rote-Bete-Scheiben dachziegelartig auf vier Teller, träufle darauf Ingwersirup und Olivenöl und würze mit Pfeffer. Schneide das Fisch let in 1,5 x 1,5 cm große Würfel und mische es in einer Schüssel mit Frühlings- zwiebeln, Petersilie, Salz und Pfeffer. Gib zum Schluss den Limettensaft darüber, mische alles gut durch und verteile das Ceviche auf der Roten Bete. Guten Appetit!

Die Essenz des Ceviche: Fisch!

Bonito-Ceviche a la Elena

Let's go chasing waterfalls

Auch in Costa Rica suchen wir das Abenteuer, also machen wir eine kleine Wanderung in den Dschungel, wo es einige hohe Wasserfälle geben soll, von denen man herunterspringen kann. Erst einmal muss man aber einen Hang an einem Bach entlangklettern und den Bach mehrfach überqueren, bis man schließlich zu den tief im Dschungel liegenden Wasserfällen kommt. An einer kleinen Lichtung prasselt das Wasser aus etwa 40 Metern Höhe donnernd in den Flusslauf. Wir klettern seitlich des Wasserfalls senkrecht einen Hang hinauf, immer mit einer Hand Halt an einer Baumwurzel suchend. Als ich gerade meine Hand in ein Astloch stecken will, um mich daran hochzuziehen, schreit Cozy mich plötzlich von unten an. Im letzten Moment sehe ich, warum: Dieses Astloch ist schon besetzt! Eine faustgroße, blau schimmernde Vogelspinne starrt mich an. Vor Schreck verliere ich den Halt, finde in letzter Sekunde noch eine Liane, an der ich mich festklammere. Uff, das war knapp.

A little risk, a lot of fun

Etwas umsichtiger hangeln wir uns die letzten Meter zur Oberkante des Wasserfalls hinauf. Oben angekommen sehen wir, dass das nur einer von drei Wasserfällen ist, aber immerhin gleich der höchste. Wir haben gehört, dass man von einem zweiten, der etwa 15 Meter hoch ist, springen kann, angeblich sind aber schon einige beim Sprung von diesem Wasserfall ums Leben gekommen. Wir wagen es trotzdem. Stellen uns an die Kante, holen tief Luft und stürzen uns gleichzeitig kopfüber ins Unbekannte. Der Adrenalinschub, während man da durch die Luft segelt, ist der Wahnsinn. Der Aufprall auch. Aber wir haben Glück, das Wasser ist tief genug. Als wir wieder aufgetaucht sind, grölen wir erst einmal vor Erleichterung. Ein zweites Mal möchten wir unser Glück aber nicht herausfordern, sondern klettern noch tiefer in den Dschungel hinein, immer weiter den Berg hinauf, bis wir eine verlassene Plattform hoch in den Baumwipfeln entdecken. Wir klettern zu ihr hinauf, essen die unterwegs gepflückten Bananen und genießen den Ausblick über den Dschungel bis zum Meer. Montezuma ist gut zu uns!

Reisen, Surfen, Kochen

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Jo & Cozy

Die Köpfe hinter Salt & Silver sind Jo & Cozy. Sie haben bereits zwei Bücher über ihre Reisen nach Lateinamerika veröffentlicht. Während ihrer Trips sammeln sie Rezepte über heimische Gerichte und Storys über Land und Leute. Cozy hält die Geschichten mit der Kamera fest und Jo schreibt über ihre Erlebnisse.