Fernweh mit Salt & Silver

Fernweh mit Salt & SilverTeil 2: Ein kulinarischer Abstecher nach Peru

Das Fernweh hat uns wieder gepackt. Und wir wollen euch die nächste Reisestory von Jo & Cozy nicht länger vorenthalten: Es geht heute nach Peru! Die Boys von Salt & Silver haben mit diesem Reiseziel sowohl kulinarisch als auch landschaftlich komplett ins Schwarze getroffen. 

© XULI

Peru hat das komplette Paket

Freunde, das wird ein dickes Kapitel. Peru ist eine einzige Goldgrube, egal ob es ums Surfen oder ums Essen geht. Das Land ist das drittgrößte auf dem südamerikanischen Kontinent, dementsprechend weit sind auch die Wege. Vom tropischen Regenwaldklima des Amazonas über die riesige Atacama Wüste im Süden, dem Hochlandklima der Anden und dem mediterranen Vibe an der Nordküste gibt es hier verschiedenste Klimazonen. Ähnlich abwechslungsreich ist auch die peruanische Küche, die in jedem Teil des Landes wieder unterschiedlich ist. Peru gilt als Geburtsland der Kartoffeln, von denen es hier über 3.900 Sorten gibt. Auch unser geheiligtes Ceviche fand hier seinen Ursprung, bevor es sich in ganz Lateinamerika und mittlerweile weltweit verbreitete. Im Hochland gibt es eine besondere Spezialität: „Cuy.“ Gebratenes Meerschweinchen.

Aber Peru hat auch echte Surfattraktionen zu bieten, wie beispielsweise die weltberühmte Welle von Chicama, die weithin als die längste surfbare Left der Welt gilt. Wir können es gar nicht erwarten dieses Land zu erkunden, für uns war es schon vor der Reise eines der Ziele, auf das wir am meisten gespannt waren. Und es hat uns nicht enttäuscht... 

Iquitos

Erster Stopp: Mancora

Von Ecuador kommen wir aus dem Norden über die peruanische Grenze und machen zuerst in Mancora Station. Das entpuppt sich leider als ein ziemlich partylastiger Ort, an dem es nicht ganz einfach ist, dem Spring-Break-Vibe zu entkommen. Allerdings finden wir dort einen tollen Markt, auf dem wir extrem frischen Yellowfin-Thunfisch bekommen. Unsere peruanische Freundin Johana zeigte uns, wie man diesen Thunfisch in feinstes Tiradito mit Ají Amarillo verwandelt. 

Mancora

Tiradito de atún con ají amarillo

Für 2 Personen

Ají Amarillo ist eine fruchtige gelbe Sauce, die in Peru weit verbreitet ist. Sie findet in verschiedensten Rezepten Verwendung, wird oft aber auch als eigenständige Sauce zu Fleisch oder Fisch gegessen. Sie wird aus scharfen gelben Spitzpaprikas hergestellt, die man bei uns hin und wieder sogar im Supermarkt bekommt. Die Sauce gelingt allerdings auch, wenn man die mit normalen gelben Paprikas und einer halben Habanero für die Schärfenote ersetzt.

Ají-Amarillo-Sauce
3 gelbe Paprika
1 Habanero Chilischote (oder entsprechend weniger für weniger Schärfe)
1 Schuss neutrales Pflanzenöl

Tiradito de Atún 
500 g frisches Thunfischfilet in Sushi-Qualität
1/2 rote Zwiebel
Limettensaft Fleur de Sel 

Wasche und entkerne die Paprika für die Sauce und schneide sie in Viertel. Bringe in einem Topf gesalzenes Wasser zum Kochen und blanchiere die Paprika und die Habanero darin 10 Minuten. Gieße das Wasser ab, lass die Schoten abkühlen und ziehe dann die Haut ab.

Gib Paprika und Habanero mit dem Pflanzenöl in einen Mixer und püriere alles zu einer sämigen gelben Sauce. Würze sie mit einer dezenten Prise Salz - et voilà!

Schneide das Thunfischfilet in dünne Scheiben. Schäle die äußeren zwei bis drei Schichten der Zwiebel und schneide das Innere in feine Ringe.

Richte die Thunfischscheiben auf einem Teller nebeneinander an und würze sie mit Fleur de Sel. Verteile die Zwiebelringe darauf und beträufle alles mit Limettensaft. Löffle zuletzt großzügig deine Ají-Amarillo-Sauce darüber, fertig ist das Tiradito. 


Eine schicksalhafte Begegnung

Als das Taxi uns eine staubige Schotterstraße zum El-Hombre-Hostel von Chicama hinaufbringt und vor der Haustür absetzt, beäugt uns ein sehr alter Mann aus seinem Schaukelstuhl. An seinen Füßen Skateschuhe, auf dem Kopf ein vergilbtes Käppi vom Chicamas-Surf-Contest und zu seinen Füßen drei Hunde. Er mustert uns wortlos, blickt dann wieder aufs Meer und in die Wellen. Die Moskitotür geht auf und eine Frau Ende sechzig begrüßt uns strahlend. Sie erklärt uns, dass ihr Vater, „El Hombre“, nicht mehr gerne rede. Dafür plappert sie umso mehr und berichtet, dass El Hombre der erste Surfer war, der Chicamas je gesurft ist, erzählt von den letzten guten Swells und auch den ein oder anderen Schwank aus ihrem Leben. Außerdem werden wir ins Bilde gesetzt, dass ihr Bruder, der ihr im Hostel hilft, am nächsten Tag Geburtstag hat. Zur Vor-Feier des Tages gehen wir einkaufen und machen Causa für die ganze Belegschaft. Das schmeckt so gut, dass es auch den alten El Hombre erweicht. In einem Anflug von Redseligkeit fragt er uns doch tatsächlich, ob dieser Hitler eigentlich noch am Leben sei. Scherzkeks. 

El Hombre mit seiner Tochter in Chicama

Willkommen im Dschungel!

In Lima bekommen wir Besuch von unserer Freundin Jana, die uns für einen Monat durch Peru begleitet. Zuerst einmal fliegen wir von Lima aus weiter nach Iquitos, einer Stadt mitten im Amazonasregenwald von Peru. Es führt keine Straße in die Stadt mit über 400.000 Einwohnern, man erreicht sie nur per Flugzeug oder in einer fünftägigen Bootsfahrt. Sie ist wirklich ganz weit ab vom Schuss. Wir entscheiden uns aus Zeitgründen für eine Anreise im Flugzeug. Keine blöde Idee, wie sich herausstellt, denn aus dem Flugzeugfenster hat man den perfekten Blick auf die tausend kleinen und großen Flüsse, die sich in Schlangenlinien durch den Dschungel winden, um sich schließlich zum Amazonasstrom zu vereinen. Wir freuen uns wie kleine Kids auf die Abenteuer, die uns da unten erwarten.

Wenig später schlendern wir auch schon über die Amazonaspromenade und beobachten neugierig die Einheimischen beim Tagesgeschäft in ihren einfachen Holzhütten direkt am Ufer. Die Unterkünfte sind so konzipiert, dass sie einfach anfangen zu schwimmen, sobald der Amazonaspegel in den Wintermonaten um bis zu sechs Meter steigt. Vor einer der Hütten liegt ein kleines Boot mit Bambusdach. Wir haben Lust auf eine kleine Erkundungsfahrt – vielleicht einfach mal anklopfen, denken wir. Als wir über den morschen Steg, der nicht breiter ist als ein Randstein, auf die Hütte zubalancieren, kommt uns ein übers ganze Gesicht strahlender Peruaner Ende dreißig mit offenen Armen entgegen. Er begrüßt uns mit einer Umarmung und führt uns durch seine Hütte auf die schwimmende Terrasse, an der auch sein Boot liegt. In einem Karton spielen einige Katzenbabys, in einem winzigen Bretterverschlag grunzen zwei Schweine. Eine Frau kocht auf offenem Feuer eine Suppe, der Duft von frischem Fisch liegt in der Luft. Unser neuer Freund heißt Edwin und fährt seit zehn Jahren Besucher mit seinem Boot zu den Sehenswürdigkeiten entlang des Amazonas. Er freut sich riesig, dass wir zu ihm gekommen sind, denn er spricht kein Englisch und hat deshalb nicht oft Ausländer bei seinen Ausflügen an Bord. Da trifft es sich gut, dass wir nach fast zehn Monaten auf Reisen recht flüssig Spanisch sprechen. 

 

Durch den Amazonas

Eine unvergessliche Reise!

Dem Sonnenuntergang entgegen

Wir erklären Edwin, dass wir gern eine kleine Rundfahrt machen würden, ohne großes Programm und vor allem mit dem Ziel, den Sonnenuntergang zu genießen. Edwin und ein Junge, der bisher stumm im Boot saß, starten sofort den Außenbordmotor der Nussschale und wir legen ab. Der Junge steuert das Boot, Edwin setzt sich zu uns und erzählt, wie dankbar er ist, dass wir zu ihm gekommen sind und nicht zu einer der zahlreichen Agenturen, bei denen ein Großteil der Backpacker für viel Geld Dschungeltouren von der Stange buchen. Scheinbar bleiben die meisten der Dollars bei den drei großen Anbietern hängen, nur wenig kommt beim einfachen Volk an. Wir aber tuckern mit Edwin in gemütlichem Tempo über den Amazonas, sitzen vorne auf dem Bug und genießen den lauen Fahrtwind. 

Es ist ein Deal!

Eigentlich würden wir am liebsten mit Edwin für ein paar Tage tiefer in den Regenwald schippern, weg von dem, was der Standardtourist im Amazonasgebiet zu sehen bekommt. Zu einem abgelegen Dorf vielleicht, etwas machen, das sich „echt“ anfühlt und nicht nach maßgeschneidertem Touristenprogramm. Als wir Edwin davon erzählen, überlegt er kurz, dann nickt er und erzählt von einem kleinen Regenwalddorf, in dem eine befreunde Familie in einer Hütte direkt am Ufer eines Amazonas-Seitenarms wohnt. Es läge in etwa fünf Bootsfahrtstunden Entfernung und wir könnten sicher dort übernachten, meint er. Mit leuchtenden Augen sagen wir zu, klar machen wir das! Nur: Was das wohl kostet? Wir stellen uns auf einen hohen Dollarpreis ein, im Hinterkopf die Agenturpreise, die man für die „coole zweitägige Dschungeltour“ mit Vogelspinneanfassen zahlt –165 Dollar pro Kopf. Was Edwin dann wohl von uns dafür verlangt, wenn wir ihn und sein Boot exklusiv für eine mehrtägige Tour buchen? Das wird horrend, mit Sicherheit, können wir uns vermutlich nicht leisten! Wir liegen mit unseren Schätzungen völlig daneben. Edwin möchte gerade einmal umgerechnet schlappe 50 Dollar pro Person für die komplette Tour, inklusive Sprit. Äh, wirklich? Dann steht der Deal!

Ein tierisches Highlight

Wir denken gerade, dass es nicht besser werden kann, als uns der Amazonas ein weiteres Geschenk macht: Um das Boot herum tauchen Flussdelfine auf und begleiten uns ein Stück, während hinter der Silhouette tausender Holzhütten am Ufer die Sonne untergeht. Wenn es einen perfekten Moment gibt, dann muss es dieser sein. An einem kleinen Stand kaufen wir uns scharfe Anticuchos, setzen uns auf die Keilmauer und genießen die Ruhe. 
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Wer wissen möchte, wie die Tour auf dem Amazonas mit Edwin weitergeht, der sollte schnell einen Blick ins Buch werfen! 

Reisen, Surfen, Kochen

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Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Salt & Silver entstanden. 

Jo & Cozy

Die Köpfe hinter Salt & Silver sind Jo & Cozy. Sie haben bereits zwei Bücher über ihre Reisen nach Lateinamerika veröffentlicht. Während ihrer Trips sammeln sie Rezepte über heimische Gerichte und Storys über Land und Leute. Cozy hält die Geschichten mit der Kamera fest und Jo schreibt über ihre Erlebnisse.