Fremde Welten

Fremde Welten10 Ungewöhnliche Hamburger Orte

Fremde Welten in Hamburg? Aber ja! Wusstet ihr, dass Hamburgs einzige Burg in Poppenbüttel liegt? Oder, dass sich in einem Keller der Bramfelder Chaussee eine Salzhöhle versteckt? Hamburg ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Wenn uns das Fernweh oder die Laune nach etwas Neuem und Ungewöhnlichen packt, dann verschwinden wir zu den folgenden zehn Orten.

Little Marrakesch

© Le Marrakech

© Le Marrakech

Einöde mitten in Hamburg: Wer nur zufällig auf dem stillgelegten Bahnhofsgelände hinter einem Gewerbegebiet in Groß-Borstel landet, der erwartet keine großen Überraschungen. Wie in der Wüste ist es dort: keine Menschenseele, nachts ist es dunkel und kalt – nur eben ohne Sand. So schnell vermutet keiner, dass sich hier Aladdins Schatzhöhle verbirgt!

Um die Ecke des ehemaligen Bahnhofsgebäudes lässt sich allerdings schon erahnen, dass sich hier mehr versteckt. Fackeln und Laternen beleuchten den Weg zu einer Tür. Wer durch dieses Tor geht, wird glauben in ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht gefallen zu sein. Der süße Geruch von Kardamon und Zimt, orientalische Stuckverzierungen, Purpur, Samt und leuchtende Laternen empfangen den Besucher. 

Ihr träumt nicht! Kirsten Wellencamp und Hans Többen haben sich in Hamburg eine marokkanische Altstadt erschaffen – ein Traumwelt, aus der sie nie mehr aufwachen müssen. Wir genießen schon einfach die besondere Atmosphäre hier zu sein und durch die Gassen zu schlendern, aber ihr könnt ebenso gut shoppen und schlemmen. Das Le Marrakech ist nämlich Einrichtungsgeschäft und Restaurant in einem – das ist wahre Erlebnisgastronomie!

Hamburgs Dornröschenburg

© Alsterschlösschen Burg Henneberg

Die Hammaburg existiert nur noch in Sagen, die Burg Henneberg hingehen überdauert in Poppenbüttel die Zeit. In einer kleinen Parkanlage, gelegen direkt an der Alsterschleuse, liegt Hamburgs einzige noch erhaltene Burg. Sie ist eine Nachbildung der stattlichen Henneburg aus dem Mittelalter. Nachbildung meinen wir wirklich: Die Burg ist eine Miniaturvariante des Vorbildes in Thüringen.

Dem Gutsbesitzer Albert Henneberg fehlte in seiner Gartenanlage an der Alster noch das gewisse Etwas, so ließ er sich zwischen 1884 und 1887 seine eigene Burg Henneberg im Stil des Stammsitzes seiner Ahnen bauen. Der kleine Hügel für die Mini-Burg musste übrigens damals extra aufgeschüttet werden.

Aber auch das Alsterschlösschen, wie die Anlage von den Poppenbüttlern liebevoll genannt wird, verfiel langsam zu einer Ruine, obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz steht – bis 2013 Miriam und Jan Helge Hager die Burg kauften und sie zu neuem Leben erweckten. Heute finden in den Räumen Events, Workshops und Ausstellungen statt. 

Die Ohlsdorfer Salzhöhle

© Salzgrotte Hamburg No. 1

In einem Keller in Ohlsdorf versteckt sich Hamburgs einzige Grotte – genauer gesagt Salzgrotte. Ariane Siodmiak ließ 2008 die Höhle in einem Keller naturgetreu nachbauen. Wer bei einer Grotte jetzt an Erlebniswandern denkt, der ist in der Bramfelder Chaussee fehl am Platz. Denn hier dreht sich alles um das Thema Entspannung.

Durch das natürliche Salz entsteht ein Mikroklima, das ihr sonst nur am Meer, in Kurorten oder eben Salzbergwerken erleben werdet. Erinnert ihr euch wie angenehm es bei einer Erkältung ist, an der Ost- oder Nordsee mal richtig durchatmen zu können? In der Hamburger Salzgrotte wird es genau so sein!

Dafür müsst ihr nicht weit fahren, weder eine spezielle Ausrüstung mitbringen. Ihr kommt einfach, kuschelt euch auf einer Liege in eine Wolldecke und entspannt zu angenehmer Musik und dem leisen Plätschern von Wasser. Ach, das sind einige Minuten Urlaub. Soll übrigens Wunder bei allen möglichen Beschwerden bewirken: Asthma, Bronchitis, Allergien, Neurodermitis oder einfach nur Stress.

Hamburger Lowland

© Haus der Wilden Weiden

© Haus der Wilden Weiden

Bis 1992 rollten hier noch Panzer, heute ist Höltigbaum im Nordosten Hamburgs eines der größten Naturschutzgebiete der Stadt. Sattes Grün soweit das Auge reicht: auf dem Grasland weiden Heidschnucken-Herden sowie Galloway- und Highlandrinder ganzjährig. Auf Wanderwegen könnt ihr die Landschaft auf eigene Faust erkunden.

Die Tierhaltung macht auf Höltigbaum einen Sprung zurück in die Vergangenheit. Im Gegensatz zu Maststationen oder Viehställen, dürfen sich die Rinder und Schafe in ihrem Herdenverband frei über die gesamte Fläche bewegen. Das Konzept nennt sich halboffene Weiden und das Hamburger Naturschutzgebiet ist eines der ersten, die dieses Prinzip zur einer natürlicheren Beweidung wieder pflegen. So stellen wir uns die schottische und irische Grünlandschaft vor, nur eben mit mehr Hügeln.

Der Geruch von Räucherstäbchen

© Jyoti Maiyya Hindu Tempel e.V.

© Jyoti Maiyya Hindu Tempel e.V.

© Jyoti Maiyya Hindu Tempel e.V.

Hamburg hat die größte hinduistische Gemeinde Deutschlands – und dazu gehört natürlich auch ein Hindu-Tempel aus dem Bilderbuch: der Jyoti Maiyya Tempel. Zugeben von außen würde man in dem kleinen Gebäude in nächster Nähe zum Stellinger Bahnhof kein prachtvolles Gotteshaus erwarten, wer aber einen Blick hinein wagt, wird überrascht und auf eine Reise zu exotischen Gerüchen, Geschmäckern und Klängen geschickt.

Zuerst heißt es aber: Schuhe aus! Der Tempel wird nur auf Socken oder Barfuß betreten. Aber macht euch keine Sorgen über einen kalten Boden, der ist nämlich mit dicken bunten Teppichen ausgelegt. Dann heißt euch eine Sinnesüberflutung willkommen: Während die Füße im Teppich versinken, schwingen von den Decken bunte Girlanden und blinkende Lichterketten. Räucherstäbchen benebeln leicht eure Sinne und wenn ihr Glück habt, gibt es sogar einen Chai-Tee oder eine andere indische Spezialität zum Probieren. Alles in allem ein träumerischer Ort, an dem egal ob Hindu, Christ oder sonst jemand, herzlich willkommen geheißen werden.

Orientalische Badetradition

© Das Hamam in Hamburg

© Das Hamam in Hamburg

Die Römer brachten das Thermal-Bad in die Türkei, Selma Yöndem-Ekinci brachte das Hamam nach Hamburg. Die Badetradition aus dem Orient wird in St. Pauli ordentlich gepflegt: Schwitzen & Entspannen, Schaumwaschung und ein abschließender Chai.

Ach, wenn wir an die warmen Marmorplatten, den angenehmen Dampf und das wohltemperierte Wasser denken, dann wünschen wir uns den Winter ein kleines bisschen mehr nach Hamburg. Hamam bedeutet nämlich "Spender von Wärme" – ja, den können wir bestimmt bald gebrauchen.

Übrigens ist das Hamam der perfekte Ort, um nicht allein, sondern gemeinsam mit Freunden zu entspannen: Sogar zur Römerzeit dienten die Badehäuser nicht nur zur Reinigung und Entspannung, sondern auch zum Austausch des neusten Klatschs. 

Im Land der Windmühlen

© Windmühle Johanna

Laut Gutachten steht in Wilhelmsburg das "Beste, was der klassische Mühlenbau zu bieten hatte". Grund genug, der Windmühle Johanna südlich der Elbe mal einen Besuch abzustatten. Tatsächlich zwischen alten Linden auf einem ehemaligen Deich thront sie: ein stattlicher Prachtbau wie wir ihn aus Frau Antjes Werbung kennen – und das sagen wir nicht nur aus lokalpatriotischen Gründen. Das Gebäude im Landhausstil mit Reetdach und allem was dazugehört ist wirklich ein Schmuckstück.

Hier wurde seit der Erbauung 1875 so gut wie nichts mehr verändert. So gehört auch traditionell wieder ein Backhaus zur Mühle, denn Johanna ist auch für ein leckeres Mahl zu haben. Jeden Sonntag stehen ihre Türen offen für einen Besuch, zum Abschluss gibt es dann einen leckeren Kuchen im Mühlencafé. Herrlich – das nennen wir ländliche Idylle!

Diamantweg-Buddhismus der Karma Kagyü Linie

© Buddhismus Zentrum Hamburg

Über Hamburgs hinduistische Gemeinde haben wir schon gesprochen, weiter geht es mit dem Buddhismus. Eines der größten buddhistischen Zentren Deutschlands liegt an der Ecke Bernstorffstraße und Thadenstraße. Wenn ihr nachts schon einmal zwischen Schanze und Kiez umhergeirrt seid, dann seid ihr hier bestimmt schon vorbeigekommen. Das moderne Gebäude im minimalistischen Stil und mit den großen Fenstern ist immer geschmückt mit bunten, tibetischen Gebetsfahnen. 

Das Buddhismus Zentrum Hamburg wurde vor 35 Jahren gegründet und hat mittlerweile mehr als 500 Mitglieder. Was dort genau gemacht wird? Das lasst ihr euch am besten vor Ort erzählen und euch von der Ruhe und Gelassenheit im Zentrum überzeugen. Jeden Donnerstag um 19 Uhr und jeden dritten Sonntag im Monat um 13 Uhr gibt es Einführungsvorträge. Übrigens ist die Teilnahme an einer Meditationssitzung ein besonderes Erlebnis.

Barfuß über die Dünen

© Stephan Bestmann

© Stephan Bestmann

Perfekte Gelassenheit: Jeden, den wir in der Boberger Niederung treffen, verlässt das Naturschutzgebiet wieder mit einem Lächeln. Neben ganz viel Sand und Grün, gibt es hier vor allem eines: Ruhe. Nicht nur im Sommer, auch im Winter lieben wir es, unseren Sonntagsspaziergang einfach mal hierher zu verlegen. Es ist so schön, wenn der Wind durch die Blätter und Sträucher rauscht und einem frische Luft zum Atmen bringt.

In der Boberger Niederung findet man die letzten Wanderdünen Hamburgs. Im Schnitt bewegen sie sich um die zehn Zentimeter im Jahr. Im Schneckentempo also, so wie wir – denn aus unserem straffen Stadtschritt, ist ein langsames Schlendern geworden.

Aufregend viel Schrott – Rothenburgs Bazar

Hunderte Fahrräder auf der einen Seite, auf der anderen türmen sich Waschmaschinen und Trockner. Ein bisschen weiter gibt es Teppiche oder glitzernde Lampen, dazwischen versteckt sich noch ein Kiosk und ein Imbiss. Willkommen in der Billstraße

Ob das hier alles so ganz legal ist? Ja, diese Frage können wir nicht beantworten. Auf jeden Fall ist es spannend, die Billstraße im industriell geprägten Rothenburgsort einmal runter und wieder rauf zu gehen.

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.