Halloween & Herbst in Hamburg

Halloween & Herbst in HamburgEin Trip durch die Schatten der Hafenstadt

Hamburgs schöne Orte zeigen wir euch jeden Tag, aber die Schattenseiten? Zwischen Rothenburgsort, Veddel, Kleiner Grasbrook und Wilhelmsburg, ja sogar in Altona, verstecken sich eigenartige Ecken. Menschenverlassene Plätze, verfallene Ruinen, skurrile Gestalten – wer traut sich, mit uns auf eine Gruseltour durch Hamburg zu gehen?

Spuk auf dem Friedhof

Auf Friedhöfen soll es bekanntlich am häufigsten spuken, also probieren wir unser Glück dort zuerst. Noch sind wir recht entspannt, wir haben schließlich keine Ahnung, was uns auf unserer Suche nach Hamburgs dunklen Seiten alles bevorsteht. Dementsprechend ruhig spazieren wir durch das Tor eines Friedhofes in Altona.

Wir treten von der erhellten Straße auf das Friedhofsgelände. Hochgewachsene Bäume verbergen den Park vom Licht. Eine riesige Tafel, geschmückt mit einem Totenkopf, begrüßt uns am Eingang – ein Warnhinweis? Der Boden ist feucht und zwischen den Grabsteinen, die aus dem Boden ragen wie Stalagmiten in einer dunklen Höhle, sammelt sich der Nebel.

Ein Weg ist nicht mehr zu erkennen, der Boden ist bedeckt von Laub, tausende Grabsteine verdecken fast jeden Winkel der kleinen Anlage. Vorsichtig suchen wir uns einen Pfad, vorbei an den uralten Leichensteinen, deren Schrift wir nicht mehr entziffern können. Viele sind mit Moos bewachsen oder teilweise beschädigt.

Außer uns ist hier niemand unterwegs, nur sieben Krähen begleiten uns auf unserem Weg über den Friedhof. Je weiter wir uns hinein bewegen, desto unwohler fühlen wir uns. Plötzlich wird uns bewusst, dass sich hier die letzte Ruhestätte hunderter Personen befindet. Das stimmt uns traurig und gleichzeitig unruhig. Wir zucken zusammen als der Wind durch das Blattwerk rauscht und das Laub auf dem Waldboden aufwirbelt. Eine Glocke schlägt zur zwölften Stunde, Zeit für uns zu gehen.

In Bergen aus Schrott

Wir brechen auf in den Hamburger Osten. Die Industriekulissen und Fabrikhallen in Rothenburgsort sind schließlich die perfekte Kulisse für einen schaurigen Thriller. Angekommen in der Billstraße, fühlen wir uns tatsächlich wie in einer anderen Welt.

Auf der einen Seite stapeln sich Kühlschränke, auf der anderen Sofas, Stühle und Rollatoren. Der Blick auf die riesigen Plätze und die dunklen Hallen ist nur halbherzig abgezäunt, einerseits sollen wir das Angebot sehen, zu viel Aufmerksamkeit erregen darf es aber auch nicht. Hinter den Kühlschränken stapeln sich Berge gebrauchter Fahrräder – vor Kurzem ist der Drahtesel einer Freundin spurlos verschwunden, ob er hier ein neues Zuhause gefunden hat?

Schon während wir mit dem Auto die Straße hinunter fahren, werden wir von skeptischen Blicken verfolgt. So richtig auszusteigen? Gerade nicht so gerne. Wir beginnen uns langsam zu fragen, was sich hier noch alles in den Tiefen der riesigen Hallen verbirgt. Hier wird kein fiktionaler Krimi gedreht – wir fahren lieber weiter!

Ein Hafen voller Wracks

Unsere Route führt uns einmal durch das Billbrooker Gewerbegebiet, dann biegen wir rechts ab: Huch, wo sind wir hier gelandet? Plötzlich fahren wir auf einer schmalen Straße. Hier stehen Einfamilienhäuser, sogar eine Kirche gehört zum Ortskern. Statt grauen Industrieflächen sind wir umgeben von Kleinstadtromantik.

Wir folgen dem Weg, der sich durch das Moorfleeter Dorf schlängelt bis wir zum Deich gelangen. Als wir am Ufer stehen und auf das stille, dunkle Wasser des Holzhafens blicken, beginnt es zu regnen.

Vorsichtig treten wir hinaus auf den Steg – wir sind uns nicht sicher, wie viel das alte Holz und die rostenden Stahlträger noch aushalten. Am Anleger liegen einige Schiffe, obwohl der Großteil diesen Namen nicht mehr verdient. Traurig dümpeln die Kähne auf dem Wasser, bei einigen Wracks kann man schon nicht mehr die ursprüngliche Funktion erahnen. Ketten rasseln und Ösen quietschen, wenn die leichte Strömung des Wassers die Kähne bewegen. Langsam wird es uns zu kalt und nass und wir steigen wieder ins Auto.

Im Schatten der Lagerhäuser

Es geht weiter in den Hamburger Hafen: Veddel, Kleiner Grasbrook und Wilhelmsburg. Die Viertel mit unzähligen alten Lagerhäusern, Containerplätzen und Brücken. Ein typischer Schauplatz für einen gelungen Hamburg Krimi. Tod in der Elbe oder Im Schatten der Lagerhäuser könnten die Titel eines Romans sein.

Die riesigen Lagerkomplexe bilden Luftschneisen, durch die der Wind wie nirgendwo sonst im Hamburg pfeift. Dunkel und still ragen die Gebäude empor und tauchen die Straßen in dunkles Licht. Die Backsteinbauten haben nur wenige Fenster, wie dunkel es wohl erst im Inneren ist? Eine Tür steht offen, wir fragen uns, ob wir einen Blick hinein wagen sollten. Allerdings weiß niemand, wo genau wir unterwegs sind und hören wird uns durch die dicken Wände sicher auch niemand.

Eine verlassene Schule

Ein letzter Tipp wurde uns noch gegeben: Eine Schule aus dem Jahr 1913 steht in Wilhelmsburg seit fast zehn Jahren verlassen. Im Umkreis wurde fast alles wegen Hochwassergefahr abgerissen, das Gebäude steht noch versteckt hinter großen Hecken. Mittlerweile hat man riesige Zäune errichtet, um das Gebäude vor Eindringlingen zu schützen.

Die Frage bleibt, was dort noch geschützt werden soll? Viele der Fenster sind eingeschlagen, die Wände mit Graffiti besprüht. Von dem Gebäude geht ein unheimlicher Spuk aus, den wir nicht erklären können. Gerade weil wir das Grundstück nicht näher betreten dürfen, fragen wir uns, was sich dort verbirgt.

Der Spuk ersteht in unseren Köpfen. Dunkle Ecken, verschlossene Türen und unerklärlichen Geräusche lassen Leerstellen in unseren Köpfen entstehen, die unsere Fantasie gerne für uns füllt. Egal, ob wir wollen oder nicht: Geschichten und Bilder beflügeln unser Vorstellungsvermögen, die in einer ganz normalen Nacht eine schaurige Stadt zur Geisterstunde verwandeln.

Lisa Knauer

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.