Hamburger Helden #2

Hamburger Helden #2Integration geht durch den Magen

Wenn es ums Essen geht, sprechen wir auf der ganzen Welt die gleiche Sprache. "Mhmmm" heißt: Es schmeckt! Bei diesen drei Projekten geht Integration sprichwörtlich durch den Magen.

In unserem ersten Artikel haben wir euch bereits vier tolle Projekte in Hamburg vorgestellt, bei denen ihr euch ehrenamtlich beteiligen könnt. Diese Menschen sind für uns kleine Hamburger Helden, denn sie widmen einige Stunden ihrer Zeit einem guten Zweck und bekommen dafür Freundschaft, Herzlichkeit und wunderbare Erinnerungen. Dieses Mal dreht sich alles ums Essen. Na, habt ihr Hunger? Nach unserem Artikel habt ihr hoffentlich Lust auf noch mehr.

Über den Tellerrand kochen

© Caro Simon

© Caro Simon

© Caro Simon

© Caro Simon

Eine Küche und zwanzig Menschen, die nicht nur Spaß am Kochen, sondern auch am Essen haben. Und dabei ist es eigentlich völlig nebensächlich, dass dazu Geflüchtete und Hamburger zusammenkommen. Es dreht sich allein ums Kochen und Essen. Es gibt am Anfang keine steife Vorstellungsrunde, man lernt sich direkt am Herd kennen. So einfach kann es sein. 

Always cook on the bright side of life: Seit 2015 bringt das Integrationsprojekt Menschen zusammen. Inspiriert und unterstützt werden die Events von „Über den Tellerrand e.V.“ aus Berlin. Dort startete das Projekt 2013 mit kleinen Kochevents, mittlerweile gehören Kochbücher, Kochkurse und ein mobiler Küchencontainer dazu. In Hamburg ist das Netzwerk also noch recht frisch, "Die Insel hilft e.V." sowie viele Engagierte arbeiten mit viel Herz und Energie am Ausbau der Events. 

Für uns ist das Event an diesem Tag wie ein kleiner Kochkurs. Wir hatten vorher noch nie etwas von Mujaddara, Börek und Fattoush gehört. An diesem Tag ist die syrische Küche das große Thema. Die Geflüchteten zeigen uns, wie man ihre Leibspeisen zubereitet. Dabei sind wir überrascht, wie viele von ihnen schon fabelhaft Deutsch sprechen.

Das Beste kommt zum Schluss: Es ist ein wunderbares Buffet entstanden durch das wir uns alle gemeinsam probieren können. Für die Syrer ein Stück Heimat, für uns Hamburger eine exotische Reise. An einer langen Tafel wird gespeist und dabei entstehen ganz normale Gespräche. Wir unterhalten uns nicht nur über die Unterschiede der arabischen und deutschen Küche, sondern auch über Sprache und Kultur. Dabei wird einem nicht nur klar, wie wir uns unterscheiden, sondern auch, wie viel wir gemeinsam haben. 

Refugee Canteen

Die Helden von Refugee Canteen haben ihre Worte in große Taten umgesetzt. Die Idee: Menschen mit Migrationshintergrund eine Chance geben. Und zwar weg von der Spüle und ran an den Herd! Obwohl nur 50 Prozent der Ausbildungsplätze in der Gastronomie besetzt sind, schaffen viele nicht den Sprung vom Spüler zum Koch. Das Team von Refugee Canteen erinnert sich Erfahrungen aus der eigenen Ausbildungszeit: "Wegen des Personalmangels musste unser Spüler oft am Herd aushelfen. Am Ende der Ausbildung hatte er dann mindestens genauso viel gelernt wie ich, trotzdem wurde er nie befördert."

Ein Problem: Die Fronten sind verhärtet. Bestehende Vorurteile auf beiden Seiten verhindern, dass junge Menschen und die Gastro zusammen kommen. Refugee Canteen möchte diese Vorurteile abbauen und Menschen, die Schwierigkeiten haben einen festen Stand im Berufsleben zu finden, eine Grundausbildung bieten.

"Sobald man bei uns durch die Tür tritt, sind alle gleich", sagt Hannah. Der Kurs ist für die meisten Teilnehmer eine Chance, alles hinter sich zu lassen und neu durchzustarten. Sie verlassen nach drei Monaten die Küche mit neuem Enthusiasmus. Im Anschluss wird ihnen der Weg in ein Praktikum geebnet. "Durch die Zusammenarbeit mit vielen Partnern in der Gastronomie können wir viel Erfahrung weitergeben und unseren Teilnehmern den Einstieg vereinfachen."

Refugee Canteen leistet großartige Arbeit. Neben einer sehr guten Ausbildung, wird Integration groß geschrieben. Wir treffen Menschen, die ihre Leidenschaft fürs Kochen entdeckt haben und voller Hoffnung auf einen neuen Start im Leben sind. 

Welcome Dinner

© Welcome Dinner

© Welcome Dinner

Fremde lädt man nicht nach Hause ein? Für das Welcome Dinner solltet ihr mal eine Ausnahme machen. Vor zwei Jahren fand das erste Willkommen-Essen in Hamburg statt - nach schwedischem Modell. Die Idee, bei einem privaten Dinner Geflüchtete willkommen zu heißen, kommt nämlich aus Schweden.

Schon über 1200 Dinner konnte Welcome Dinner in Hamburg vermitteln. Das sind mehr als 2000 Gäste, die mit gefüllten Mägen, neuen Erfahrungen und sogar Freundschaften wieder nach Hause gegangen sind. Für viele Neuankömmlinge ist Welcome Dinner die erste richtige Möglichkeit, Hamburger kennenzulernen. Welcome Dinner knüpft den Kontakt, was ihr für euer Dinner-Event plant und ob daraus Freundschaften werden, ist euch überlassen.

Was sagen die Erfahrungsberichte? Zusammen am selben Tisch sind alle Grenzen plötzlich überwunden. Zuerst Fremde, haben sich schnell Gemeinsamkeiten gefunden. Das Beste, was ihr Vorurteilen entgegensetzen könnt!

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.