Hamburgs Unterwelt

Hamburgs UnterweltWir gehen noch 5 Mal tiefer!

The sound of the underground – wir können ihm einfach nicht widerstehen. Der Schrei ist so laut und unsere Neugier so groß, dass uns noch fünf weitere Secret Spots zu Ohren gekommen sind, die wir euch ebenfalls nicht vorenthalten möchten. 

Wir haben noch fünf weitere Spots aus der Erde gegraben, die es echt in sich haben. Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, noch tiefer in Hamburgs Unterwelt zu wühlen – und haben dabei tolle Tipps bekommen, die uns wieder mal den Boden unter den Füßen weggenommen haben. Wir sind schon gespannt auf den dritten Teil von Hamburgs unterirdischen Geheimnissen, denn das kann sicher noch nicht alles gewesen sein. 

Eiskeller unter der Lessers Passage

Zieht euch warm an! Der Eiskeller unter der Lessers Passage in Altona ist einer der letzten seiner Art in Hamburg. Bevor die Kältemaschine erfunden wurde, wurde der Eiskeller im 19. Jahrhundert zur Lagerung von Brucheis genutzt. Das Eis wurde von der gefrorenen Elbe genommen und durch einen heute verschollenen Tunnel direkt in den Keller transportiert. Bei einer konstanten Temperatur konnte sieben Meter unter der Erde das gesamte Jahr Eis gelagert und an Gastronomie und Haushalte geliefert werden, die über Eisschränke verfügten. 

Heute ist der Eiskeller ein einmaliges Architekturdenkmal und dient als Galerie, Präsentations- und Eventfläche. 

Fotos: © Frank Rasch 

Der „Kaufmann-Bunker“ in Pöseldorf

Auch im Rothenbaum ist unter der Erde ordentlich was los. Unter dem "Budge-Palais" in Pöseldorf, wo sich heute die Hochschule für Musik und Theater in Hamburg befindet, liegt der "Kaufmann-Bunker". 1884 wurde die prächtige Villa als Wohnhaus errichtet und war zunächst Wohnsitz der jüdischen Familie Budge. Nach dem Tod der Eheleute Henry und Emma Budge machte im Herbst 1937 der Reichsstatthalter und Gauleiter der NSDAP Karl Kaufmann den Anspruch der Stadt Hamburg auf das Haus geltend. Zum Schutz von Kaufmann wurde im Garten des Hauses ab 1940 eine verbunkerte Befehlsstelle gebaut: ein unterirdischer Bunker mit einer Länge von 22 Metern, 14 Meter Breite und etwa 5,20 Meter Höhe. Die Sole des Bauwerks liegt 4,14 Meter unterhalb des Erdniveaus. Bis heute sind der alte Maschinenraum und einige andere Dinge erhalten geblieben.

Fotos: © Frank Rasch 

Einstiegshäuschen & Ankleidezimmer am Baumwall

Habt ihr euch schon mal gewundert, was das kleine Häuschen an der U-Bahn-Station am Baumwall für eine Funktion hat? Das charmante Sielhäuschen wurde extra für Kaiser Wilhelm II gebaut. Warum? Hamburg war nämlich die erste Stadt auf dem Festland mit einer richtigen Kanalisation – und diese war hochgelobt! Wilhelm II. plante, das 1904 fertiggestellte Kuhmühlen-Stammsiel per Bootsfahrt zu besichtigen, als er im selben Jahr anlässlich eines Herbstmanövers in Hamburg weilte. Die Tour sollte vom Einstiegshäuschen am Vorsetzen bis zur Sielzusammenführung an der Hafenstraße gehen. Ob die Fahrt jemals stattgefunden hat oder aus terminlichen Gründen abgesagt werden musste, ist nicht belegt. Aber damit nicht genug: Für Kaiser Wilhelm II wurde dort sogar ein extra Ankleidezimmer mit ca. 6 Quadratmeter Größe eingerichtet, damit er für die Fahrt Schutzkleidung anziehen konnte. Die Existenz dieses Raums war bis 2012 unbekannt. Als die anliegende Statue des englischen Konstrukteurs William Lindley umgesetzt werden sollte, wurde ein Hohlraum entdeckt, das sich als Ankleidezimmer rausstellte. Am "Tag des offenen Denkmals" ist das Ankleidezimmer heute zu besichtigen. 

Fotos: © HAMBURG WASSER / Antonia Harrendorf 

Unterirdische Rohrpost

Kaum vorstellbar, dass sich Menschen mal Briefe geschrieben haben, oder? Am 1. Februar 1887 ging in Hamburg die erste Rohrpost von der von der Börse am Adolfsplatz zum Telegraphenamt am Stephansplatz auf die Reise. Am Ende betrug die Strecke der Rohrpost fast 40 Kilometer. 

Und wer von euch kann sich noch an die Hamburger Großrohrpost erinnern? Diese war weltweit einmalig! Zwischen 1962 und 1976 beförderte die Deutsche Bundespost zwischen dem Hauptpostamt Hühnerposten und dem Postamt 11 in der City Briefe mit dem unterirdischen Rohrsystem. 45 cm betrug der Durchmesser der Fahrrohre, mit einer Büchse konnten 2.000 Normalbriefe so auf einmal befördert werden. Die Spuren sind bis heute noch hier und da zu entdecken, unterirdisch, aber auch überirdisch wie hier an der Graskellerbrücke. 

Foto: © Antonia Harrendorf 

Tiefbunker am Berliner Tor

Der Tiefbunker am Berliner Tor wurde 1940 erbaut und hat während der „Operation Gomorrha“ 1943, die bis dahin schwersten Luftangriffe in der Geschichte des Luftkrieges, über 800 Menschen das Leben gerettet. Der komplett unterirdische Rundbunker ist dreigeschossig und wurde von 1960 bis 1963 umgerüstet und war danach der erste „Atomschutz“-Bunker Deutschlands, der 450 Leuten Schutz bieten sollte. Mit dem Verein unter hamburg e.V. kann der Bunker im Rahmen einer Führung besichtigt werden. 

Fotos: © Frank Rasch 

Vielen Dank an Frank Rasch vom unter hamburg e.V. für die Fotos & die neue Inspiration!

Merle Hagelüken

Merle ist ein absolutes Nordlicht: Aufgewachsen an der Ostsee geht sie mittlerweile in Hamburg auf Entdeckungstour. Sie liebt den Hafen, das Wasser und findet in jeder Ecke das Besondere!