Harrys Hamburger Hafenbasar

Harrys Hamburger HafenbasarWillkommen im skurrilsten Ort der Stadt!

Endlich ist er zurück: ein halbes Jahr musste Harrys Hamburger Hafenbasar wegen Umbauarbeiten geschlossen bleiben. Jetzt ist das neue Micro-Hotel von Floatel fertig und auch der Hafenbasar öffnet wieder am 1. Mai. Vor unserem ersten Besuch auf den Schwimmkran wussten wir bereits, dass uns das kurioseste Museum Hamburgs, vielleicht sogar der Welt erwartet. Was wir dann aber versteckt in der HafenCity vorfanden, hätten wir uns so nicht erträumen können!

Beim Spaziergang durch den Traditionsschiffhafen der HafenCity haben wir allerdings noch keinen Gedanken daran verloren. Wir hatten zuerst nur Augen für die historischen Segler und Kutter, die vor Anker in Hamburgs modernstem Stadtteil liegen. Unser Ziel: ein ehemaliger Schwimmkran, der seit 2012 Harrys Hafenbasar beherbergt. An Deck begrüßen uns bereits ein Taucher und einige schräge Figuren sowie Caro Uhde, die uns schon von Weitem freundlich zuwinkt.

Im Traditionsschiffhafen liegt ein alter Schwimmkran, der Hamburgs skurrilsten Ort beherbergt.

Schon an Deck wird man von zahlreichen Figuren begrüßt.

Sesam öffne Dich!

Caro hat 2014 den Vorsitz des Hafenbasar Vereins übernommen und kümmert sich seitdem darum, wer und was in das Museum kommt und es wieder verlässt. Heute öffnet sie für uns die geheimen Pforten zum skurrilsten Ort der Stadt. Unsere Tour beginnt natürlich wie jede andere am Empfang. Der ist allerdings nicht so unspektakulär wie in anderen Museen, nein, dieser Empfang ist geschmückt mit afrikanischen Masken, Fellen und Wandteppichen. Das Modell eines traditionellen Seglers steht in einer Ecke, in der anderen eine Giraffe. "Ist die echt?" fragen wir zögerlich. "Ja, Gisela ist aber noch ein Baby", erklärt Caro.

Aber das ist natürlich erst der Anfang und so langsam fragen wir uns, wo hier eigentlich der Eingang zum richtigen Hafenbasar sein soll. Ein lautes Quietschen verrät es uns: Die Luke zum Bauch des Schwimmkrans öffnet sich. Nur noch eine Treppe trennt uns von Harrys Schatzhöhle. Aber bevor wir die mystischen Tiefen und Märchen des Museums hinabsteigen, klären wir doch erstmal die Fakten.

Gerade erst ist in die Kanzel des alten Schwimmkrans ein Micro-Hotel eingezogen. Mit dem Verkauf an Floatel wurde das Fortbestehen des Hafenbasars gesichert.

Das Empfangskomitee: Die Giraffe Gisela.

Hafen-Legenden

Die Geschichte beginnt in einer Hafenkneipe auf St. Pauli Ende des 19. Jahrhunderts. 1894 war "Käpt'n Haase" bereits über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt. 

Über die Jahre hatte sich eine ziemlich kuriose Sammlung aus Mitbringseln seiner Seefahrer-Freunde angehäuft und mit ihnen eine ordentliche Menge Seemannsgarn. Er selbst gab sich den Titel "Professor der unentdeckten Wissenschaften", auf St. Pauli hatte er sich einen Namen als König der Seemannsgeschichten gemacht.

Nach Käpt'n Haases Tod 1934 war sein Fundus auf der Suche nach einem ebenso skurrilen Nachfolger. Einen neuen Vater fanden Käpt'n Haases Schätze im ehemaligen Seebären Harry Rosenberg. Er ergänzte die Sammlung mit eigenen Souvenirs aus seiner Zeit als Seefahrer.

Eine von Käpt'n Haases Lieblingsgeschichten war es zum Beispiel, dass jemand mit einer Taucherausrüstung, die in den 70er verkauft wurde, zum Mond geflogen sei.

Caro Uhde

Seemannsgarn war Harrys Spezialität.

Aus der Sammlung wird Harrys Hafenbasar

1954 wurde aus der Kneipe in der Erichstraße offiziell Harrys Hamburger Hafenbasar. Zur lokalen Berühmtheit war Harry schon längst aufgestiegen, ebenso wie seine Sammlung, die stetig wuchs. Bald mussten neue Lokalitäten her, da die Kneipen aus allen Nähten zu platzen drohte. Nach dem Umzug fand die Sammlung Platz auf insgesamt 2.600 Quadratmetern in 26 Räumen.

Nicht nur Harrys Sammelleidenschaft war groß; er machte aus dem Museum ein richtiges Business. Die Nachfrage nach exotischen Schätzen war so groß, dass er bereits Bestellungen an seine Seefahrerfreunde abgab. 

Da konnte es schonmal vorkommen, dass Harry einem Kumpel sagte: "Bring mir mal drei Krokodile mit!" Der musste diese dann in seiner Koje lagern und hat halt auf drei Krokodilen geschlafen - während der gesamten Reise!

Caro Uhde

Caro Uhde gehört heute zum Vorstand der Hafenbasar-Stiftung und hat uns durch das Labyrinth geführt.

Der Hafenbasar heute

2011 übernahm der ehemalige Arzt Dr. Gereon Boos den Hafenbasar von Harrys Tochter Karin. Sein Erbe: über 350.000 Objekte.

Gemeinsam mit Caro Uhde verlegte er Museum und Basar auf den alten Schwimmkran. 2014 verstarb Gereon; sein letzter Wunsch war die Gründung einer Stiftung, unter dessen Obhut der Hafenbasar weiterleben könne. Mit den Einnahmen aus dem Greif-Verkauf an Floatel wurde dieser 2017  mit der Gründung der "Dr. Gereon Boos / Hafenbasar Stiftung" erfüllt. Ein enger Freund von Gereon, ein Bewunderer des Hafenbasars und Caro Uhde sind der Stiftungsvorstand.

Auf 200 Quadratmetern werden die Highlights der Sammlung ausgestellt. Der Rest wartet in einem Lager in der HafenCity darauf nachzurücken, falls Bedarf besteht.

Wir sind zurück in der Gegenwart, zumindest zeitlich gesehen. In den Tiefen des Schwimmkrans fühlen wir uns nämlich nicht wie im 21. Jahrhundert und im Herzen des modernsten Hamburger Stadtteils.

Hier unten im Schiffsbauch liegt ein ungewöhnlicher Geruch schwer in der Luft. Der moderige Duft erinnert ein wenig an eine Bibliothek antiker Bücher. Kein Wunder, die jüngsten Sammlerstücke sind hier mindestens 70 Jahre alt, nach oben hin keine Grenzen gesetzt.

Die kurioseste Sammlung der Stadt

Museum ist zwar theoretisch richtig, praktisch würden wir der Sammlung eher nicht diesen Titel geben. Totale Reizüberflutung trifft es wohl eher: Wir wissen gar nicht, welchem Objekt wir hier als erstes unsere Aufmerksamkeit widmen sollen. Nichts steht hinter Vitrinen oder wird groß angekündigt; ihr dürft euch ganz nach Lust und Laune durch das Labyrinth aus Masken, Figuren, Waffen und Schmuck schlängeln. Wir haben dabei oft ein wenig Angst, eines der wertvollen Sammlerstücke umzustoßen. Kleine Wegweiser sind uns regelmäßige Bullaugen hinter denen sich besondere Raritäten verbergen: Figuren aus Ebenholz und Elfenbein finden wir im ersten Raum neben der Treppe.

Am schönsten ist es, wenn mich alte Seefahrer-Kumpel von Harry besuchen. Sie schauen immer noch gerne vorbei und schwelgen in Erinnerungen ihrer Zeit auf See.

Caro Uhde

Wo ist hier Anfang und Ende?

Der Handel mit Schrumpfköpfen ist seit vielen Jahren illegal - auch hier darf nur betrachtet werden.

Ein Guckloch - was verbirgt sich im nächsten Raum?

Vom Ende der Welt nach Hamburg

Ob man heute noch nachvollziehen kann, woher die Souvenirs kamen? "Das können wir heute nur noch schätzen", sagt Caro. "Es gibt leider keine Aufzeichnungen, woher, mit wem oder wann die Souvenirs nach Hamburg gekommen sind. Allerdings sind wir uns bei einigen schon recht sicher, aus welchem Land sie kommen und was sie bedeuten", ergänzt sie. 

Mit dem Umzug in die HafenCity wurden zum ersten Mal die genauen Ausmaße des Fundus sichtbar. Ein normaler Umzug ist schließlich schon Aufwand genug, man addiere jetzt über 350.000 Gegenstände dazu, darunter eine 2,3 Meter große Tempelfigur, die 85 Kilo auf die Waage bringt - unvorstellbar! Gereon und Caro nutzten trotzdem die Gunst der Stunde, die Gegenstände zu sortieren und genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei arbeiteten sie auch mit einigen Historikern zusammen, um den Geschichten ihrer Sammlung etwas näher zu kommen.

Mittlerweile hat sich die Spurensuche für Caro zu einem Hobby entwickelt. "Ich lese nur noch wenige normale Bücher. Zuhause sind meine Regale voll mit Nachschlagewerken zu Exotika aus aller Welt", sagt sie lachend. Auch in ihrer Kajüte an Deck des Hafenbasars hat sie immer einige Nachschlagewerke bereit liegen, um mit fragenden Gästen einem Rätsel auf die Spur zu kommen.

Faszination Afrika

Ein auffälliges Thema ist Afrika. Mit zahlreichen ehemaligen Kolonien und Handelswegen zum afrikanischen Kontinent war dorthin natürlich besonders viele Schiffe unterwegs. Für die Deutschen war Afrika der Inbegriff für Exotik. Nicht zuletzt Carl Hagenbeck schürte diese Faszination mit seinen Völkerschauen. Auch wenn wir es heute nicht mehr nachvollziehen können, diese "Zuschauerausstellung fremder Völker" waren in Hamburg ein absoluter Hit. Heute stehen wir dem glücklicherweise kritisch gegenüber, eine Faszination für Afrika ist allerdings geblieben. Afrikanische Masken und Figuren aus Harrys Basar gehören immer noch zu den meistverkauften Souvenirs.

Der stumme Zoo ist Caros Lieblinssammlung.

Der stumme Zoo

Unsere Reise durch das Museum hat uns bereits durch die Kammer der Seefahrer und eine Waffenkammer geführt. Vorbei an asiatischen Schattenfiguren und einer Gallionsfigur. "Jetzt kommen wir zu meinem Lieblingsraum", sagt Caro erfreut. "So ähnlich sieht es bei mir Zuhause aus!" Alles klar, wir sind gespannt. Als wir den Raum betreten sind wir überrascht. Die Kammer ist gefüllt mit ausgestopften Tieren. Und damit hört es nicht auf. Durch die Bullaugen entdecken wir zwei weitere Kammern vollgestopft mit präparierten Tierkörpern. Das sollte uns nun eigentlich nicht mehr wundern, nachdem, was uns bis jetzt schon hier begegnet ist, trotzdem sind wir ein bisschen schockiert. Und ja, wir geben es zu, auf eine merkwürdige Art auch fasziniert.

Caro in jedem Fall verspürt nahezu mütterliche Gefühle für die Tiere in diesem Raum. Sie trauert aufrichtig mit Croco, dem Krokodil, dem kürzlich ein Auge geklaut wurde. Dieser Raum scheint eine besondere Anziehungskraft zu haben.

Faszinierend ist die Kollektion allemal.

„Nachts im Museum“

Wer traut sich hier eine Nacht zu verbringen?

Auch ein Wolpertinger gehört zum Repertoire von Harrys Hafenbasar. Das Mischwesen aus Bayern treibt seitdem auch hier sein Unwesen. Einer Legende nach wurde das scheue Wesen nur des Nachts von jungen Frauen in den bayrischen Wäldern gesichtet. So war es auch bei Harry eine junge Besucherin, die die kleine Kreatur ins Herz schloß und beim Namen Loui taufte. Laut ihrer Aussage, ist der kleine Loui für die Ordnung im Museum zuständig. Er räumt auf und kümmert sich um seine Mitbewohner, wenn das Licht ausgeht.

Seit dem 15. April könnt ihr wirklich auf dem Schwimmkran übernachten! In der Kanzel befindet sich Hamburgs einzigartigstes Hideaway: das Micro-Hotelzimmer von Floatel.

Wir zumindest sind froh, dass wir hier unten nicht die Nacht verbringen müssen. Den Weg aus dem Labyrinth haben wir mit Caros Hilfe schnell wieder gefunden. Ob wir hierhin zurückkommen würden? Ja, dieser Ort hat uns in seinen sonderbaren Bann gezogen. Er erzählt Seefahrer-Romantik aus einer ganz neuen Perspektive. Eben ein typisches Hamburger Original.

Gute Nacht Loui! Bis zum nächsten Mal!

Lisa Knauer

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.