Jazz it up!

Jazz it up!Hamburgs Jazzkeller & Jazzclubs

Charleston Kleider, ausschweifende Partys und natürlich der Jazz: Was gäben wir nicht alles für einen einzigen wilden Abend in den Roaring Twenties. Die goldene Ära, als die Flappers zu Louis Armstrong, Benny Goodman und Duke Ellington durch die Clubs jammten und der Swing jung, rebellisch und berauscht durch die Welt tanzte, will unsere Füße einfach nicht mehr stillstehen lassen. Wir finden: Der Jazz muss zurück ins Rampenlicht. Denn genau da gehört er hin.

"Now you're singin' with a swing"

Jazz ist keine Fahrstuhlmusik, dafür ist er viel zu aufregend, abwechslungsreich und in Bewegung. Unser Urteil: Die fabelhafte Musik von Charlie Parker, Miles Davis und Ella Fitzgerald wurde jahrelang zu Unrecht verschmäht. Zum Glück sind wir nicht die einzigen, denen es so geht. In Hamburg verstecken sich nämlich eine Menge Jazzclubs und –keller, die unsere Herzen höherhüpfen lassen. Kommt mit – wir zeigen sie euch. Let’s jazz up our lives!

Swinging Free In New Orleans

Die wichtigsten Stile des Jazz

New Orleans Jazz: 
Der Urvater des Jazz entstand um das Jahr 1900 in New Orleans und vermengte verschiedene Vorgänger-Stile, afro-amerikanische Musiktradition und Improvisation. Zu den wichtigsten Vertretern zählt Louis Armstrong.

Dixieland Jazz: 
Der weiße Konterpart zum New Orleans Jazz - so wird der Dixieland Jazz oft charakterisiert. Er entwickelte sich in den 1910er-Jahren und wurde unter anderem durch Musiker wie Tony Almerico und Eddie Condon bekanntgemacht.

Swing: 
Die wohl populärste Stilrichtung des Jazz hat ihre Wurzeln in den USA der 20er- und 30er- Jahre. Swing ist tanzbar, eingängig und massentauglich - wie geschaffen also für die aufgewühlte Jugend des goldenen Zeitalters. 

Bebop: 
In den 40ern wird es hektisch, unharmonisch und konfus! Nach der tanzbaren Leichtigkeit des Swing brachten Künstler wie Dizzy Gillespie und Charlie Parker eine neue Komplexität zum Jazz - Bebop ist mehr Kunstmusik als Unterhaltung.

Cool Jazz:
Die Weiterentwicklung des Bebop - gegen Ende der 40er Jahre brachte der Cool Jazz eine langsamere, konzertantere und introvertierte Note zum Jazz. Zu den bedeutendsten Vertretern gehören Lennie Tristano und Miles Davis.

Free Jazz: 
Es wird frei, freier, immer freier: Ab den 1960er Jahren entledigte sich der Free Jazz jeglicher Form von festgelegten Strukturen und Kompositionen. Der Stil zeichnet sich durch freie Atonalität und Rhythmik aus.

Hoch hinaus, ins Land der Vögel!

Im vielleicht legendärsten Jazzclub der Stadt traten schon Größen wie Chet Baker, Johnny Griffin und Ray Brown auf. Das Birdland hat Hamburger Jazzgeschichte geschrieben. Seit über dreißig Jahren verewigen sich hier, auf den dunklen Holzwänden in der Eimsbütteler Gärtnerstraße, die wichtigsten Namen der internationalen Jazzszene. Als das Ehepaar Heidi und Dieter Reichert 2013 in den musikalischen Ruhestand ging, übernahmen vier eingefleischte Hanseaten den Club: Ralph und Wolff Reichert, Söhne der Gründer, sowie Julius Horn und Julian Jasper haben es geschafft, das exzellente Niveau des Birdlands aufrechtzuerhalten. Noch heute finden hier mehrmals wöchentlich Konzerte mit sorgfältig ausgewählten Jazzmusikern, sowie Jam- und Vocal Sessions statt.

Hamburgs erster Jazzkeller

© Cotton Club

© Cotton Club

Dunkel, heiß, laut und verrucht: Der Cotton Club ist eine wahre Institution in der Hamburger Jazzszene. Seit sechs Jahrzehnten werden hier die jammigsten Sessions und Konzerte der ganzen Stadt veranstaltet. Obwohl der prominente Jazzkeller seit 1959 zu einigen Standortwechseln gezwungen wurde, musste er nie an Charme einbüßen. Bis heute macht der Cotton Club seinem New Yorker Namensvetter alle Ehre. In den schummrigen Kellerräumen am Großneumarkt finden fast täglich spannende Konzerte in allen Stilrichtungen statt – unter anderem traten hier schon Künstler aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Schweden und Australien auf. Schmeißt euch in Schale und steigt hinab: Hamburgs erster Jazzkeller erwartet euch.

Das Pendant zur wilden Nacht

Wir alle kennen und lieben ihn: Im Mojo Club am Fuße der Reeperbahn finden wir uns regelmäßig in den klammernden Fängen des berauschten Nachlebens wieder. Doch nur einige Meter entfernt, im Erdgeschoss der Tanzenden Türme, ist das Clubgefühl ein anderes: Das hochgeschätzte Jazz Café kommt um einiges gemäßigter, vielleicht sogar gediegener, aber mit Sicherheit nicht weniger aufregend daher als sein unterirdisches Pendant. Zu Kaffee, Stullen und Drinks finden hier in regelmäßigen Abständen Konzerte und DJ-Sets eine Bühne. Wie der Name bereits verrät, verbindet sie vor allem eines: die Affinität zum Jazz.

Die größte Fangemeinde der Stadt

Dave Liebman & Sebastian Gille © Hans-Ulrich Frank

Christian Bekmulin © Hans-Ulrich Frank

Mal moderner, mal traditioneller, aber immer richtig guter Jazz: Die vierhundertköpfige Jazz Federation ist Hamburgs größter ehrenamtlicher Verein von Künstlern und Liebhabern der bewegten Improvisation. Seit Herbst letzten Jahres ist die enthusiastische Gruppe in den edlen Räumen des Stage Clubs in der Neuen Flora beheimatet. Mehrmals wöchentlich werden hier anspruchsvolle Konzerte in ganz besonderer Atmosphäre veranstaltet. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Modern Jazz, abgerundet werden die Events von einem exzellenten Barbetrieb. Die Stresemannstraße ist zweifellos einer der groovigsten Anlaufpunkte der Stadt.

Das Kleinod der Hamburger Jazzkultur

Ein liebenswertes Kleinod und eine echte Perle der Hamburger Jazzkultur: Zwischen Natur und Wasser verbirgt sich der Hafenbahnhof in einem unscheinbaren Backsteinhaus. Seit über zehn Jahren überzeugt die kleine Gaststätte hier, trotz abgelegener Lage, mit ganz viel Charme und einzigartigem Flair. Jeden Montag wird im Hafenbahnhof gejazzt, gejammt und getanzt –  mit der Elbe vor der Tür feiert es sich in angenehmem, unaufgeregtem und doch besonderem Ambiente. Der Jazzraum verbindet spannende Künstler mit begeisterten Liebhabern, bringt eine neue Lebendigkeit zum modernen Jazz und entführt euch auf einen ausgelassenen Abend im Zeichen der Musik. Sounds amazing, doesn’t it?  

Die urige Stadtrand-Alternative

© Jazzclub Bergedorf

Im fernen Osten unserer Hansestadt begeistert eine kleine, aber feine Stadtrand-Alternative zum Birdland oder Cotton Club mit ihrer exzellenten Livemusik und echter Wohlfühlatmosphäre. Der Jazzclub Bergedorf ist im Surhof unweit der S-Bahn-Station Bergedorf zuhause – einer urigen Kneipe mit zahllosen Stammgästen, nonchalantem Ambiente und langer Tradition. In unaufgeregter Manier hängen hier alte Saxophone von der Decke, vergilbte Bilder an den dunklen Wänden und Hamburgs Jazz-Enthusiasten an den Lippen der regelmäßig einwohnenden Musiker. An den meisten Freitagen und Sonntagen im Monat wird im Jazzclub Bergedorf eine tolle Mischung aus Swing, Dixieland und New Orleans gespielt. Schöne Location, zivile Preise, freundliche Mitarbeiter - wir fühlen uns pudelwohl.

Jazz Connections im Wohnzimmer

In der Weidenallee verzaubert uns eine kleine, charmante Kneipe mit echter New Yorker Jazz-Bar-Atmosphäre: Das Wohnzimmer von Hannes und Hanna ist die wohl schönste Stube der Stadt. Der gekachelte Fliesenboden, die gemusterten Tapeten und schlichten Holzmöbel schaffen ein schlichtes, aber einladendes Ambiente. Hier, zwischen Bier und Bässen, lebt es sich simpel aber gemütlich, authentisch und mit großer Liebe zur Musik. Jeden Donnerstag laden Hannes und Hanna zu einer jammigen Session mit den Jungs von Jazz Connections ein: Die Hauptakteure Leo Volskiy, Joachim Gerth und Nathan Ott spielen akustisch, swingend, virtuos und leise mit wechselnden Solisten. Ein Abend, der verbindet – und die Liebe zum Jazz neu entflammt.

Klanggewalt am Oberhafen

Hamburgs Kreativquartier am Oberhafen verbirgt eine einzigartige Perle der heimischen Konzertkultur in ihren Reihen: In den vergangenen vier Jahren wurde die Halle 424 des ehemaligen Güterbahnhofs zu einem besonderen Ort für Kunst und Kultur umgestaltet. Gerade die Klassik- und Jazzmusik sind zwischen Elbe und HafenCity tief verankert. Stimmig zur blauen Stunde findet hier einmal im Monat, für gewöhnlich an einem Donnerstagabend, ein niveauvolles, atmosphärisches Jazzkonzert statt. Die ebenfalls regelmäßig stattfindenden Jazz Tracks424 Gigs ergänzen das mitreißende Programm und locken mitunter auch internationale Artists an den Oberhafen. Die Halle 424 ist ein Ort für anspruchsvollen Jazz in wunderbar urbaner Atmosphäre.

Das ausschweifende Studentenleben

© Pony Bar

© Pony Bar

Im ausschweifenden Studentenleben darf die ein oder andere groovige Jazz Night selbstverständlich nicht fehlen. Die Pony Bar versteckt sich direkt neben dem Abaton am schönen Allende Platz und zählt zweifellos zu den beliebtesten Anlaufpunkten für Hamburgs Kommilitonen. Tagsüber wird hier Kaffee und Kuchen serviert, am Abend verwandelt sich die gemütliche Kneipe in einen Kulturschuppen mit exzessiven Partys und Konzerten. Die Jazzliebhaber der Uni Hamburg werden allwöchentlich mit einem sagenhaften Mittwochabend für ihre harte Arbeit entlohnt - dieser steht nämlich ganz im Zeichen der swingenden Klanggewalt.

Jazz auf dem Wasser

Am Hamburger Hafen, mit Blick auf die Norderelbe, die Landungsbrücken und die Elbphilharmonie, liegt ein englisches Traditionsschiff vor Anker. 1953 erbaut, hat das knallrote Feuerschiff in den vergangenen Jahrzehnten bereits einige Seemeilen zurückgelegt und mit Sicherheit auch das ein oder andere Besatzungsmitglied überlebt. Heute, nach knapp 36 Jahren Dienstzeit, befindet sich der alte Dampfer im Ruhestand und gestaltet seinen Lebensabend mit einer neuen Aufgabe: Jeden Sonntag lädt die feurige Besatzung auf einen Tag Day Drinking mit den ansehnlichsten Gesichtern der internationalen Jazzszene ein. Wem es dabei ordentlich in den Fingern kribbelt, kann gleich am nächsten Tag selbst an die Instrumente. Kommt an Bord, setzt die Segel, eure Reise führt ins Land des Jazz!

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Tabitha Wedemann

Nachdem Tabitha die letzten sieben Monate durch die Weltgeschichte gereist ist, hat sie jetzt ihren Weg zurück nach Hamburg gefunden, um ihrer Leidenschaft fürs Schreiben nachzugehen. Wenn sie nicht gerade in Cafés sitzt, Gedichte verfasst oder über Festivals tanzt, erkundet sie am liebsten all die besonderen Ecken ihrer Heimatstadt!