Macht Schau!

Macht Schau!Ein Tag auf den Spuren der Beatles (Part 2)

Wer Beatles sagt, muss auch Hamburg sagen. Hier nahm die Karriere der Fab Four ihren Lauf – und zahlreiche Plätze erinnern auch heute noch an ihre Zeit in der Hansestadt. Wir sind mit dem Beatles-Experten Ulf Krüger einen Tag lang durch Hamburg gelaufen und haben 12 der wichtigsten Locations für euch zusammengetragen.

Dieses Zitat von John Lennon ist legendär und zeigt die Verbundenheit der Pilzköpfe zu Hamburg. Nachdem wir euch im ersten Teil unseres Beatles-Specials die Route gezeigt haben, auf der die Beatles durch Hamburg gewandert sind, zeigen wir euch nun, was abseits der Musik alles passiert ist.

„Ich bin in Liverpool aufgewachsen, aber in Hamburg erwachsen geworden.“

John Lennon

Bambi Kino

Wer jeden Abend bis tief in die Nacht auf der Bühne steht, muss sich natürlich irgendwann auch mal von den Strapazen des Rock’n’Roll Lebens erholen. Ob das Bambi Kino tatsächlich in irgendeiner Form erholsam war, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Doch es gehört mit Sicherheit zu einer der kuriosesten Geschichten, die auf der Reeperbahn auf eingefleischte Beatles-Fans warten. Bruno Koschmider, dem auch das Indra und der Kaiserkeller gehörten, besaß ein kleines Kino in der Paul-Roosen-Straße, in dem er John, Paul, George, Pete und Stuart während ihres Indra-Engagements unterbrachte. Hier mussten die Musiker in zwei fensterlosen Räumen auf knapp 16 Quadratmetern ihre Nächte verbringen. Als Waschmöglichkeit diente das Spülbecken der Herrentoilette, die sich direkt nebenan befand. Und so konnte es hin und wieder mal passieren, dass die Beatles bei ihrer Morgentoilette von Kinobesuchern überrascht wurden. Memo an uns: Beim nächsten unschönen Hostel-Besuch einfach an diese Beatles-Unterkunft denken - und alles ist nur noch halb so schlimm.

Das Bambi Kino ist im Laufe der Jahre mehreren Wohnungen gewichen, die Erinnerung wurde jedoch am Leben erhalten. Uns leuchtet bereits von weitem ein Bambi-Graffiti entgegen, das auf ein Garagentor neben der Hausnummer 33 gesprüht wurde. An der Eingangstür, die damals als Hintertür des Kinos von den Beatles genutzt wurde,  finden wir ein gerahmtes Bild mit dem Satz „Hier wohnten die Beatles 1960“.  Ein paar kleine Kinder spielen im Eingangsbereich der Haustür Fangen. Ob Sie wissen, wer die Beatles waren? Auf kurzes Nachfragen bekommen wir nur ein verlegenes Kopfschüttel. 56 Jahre sind mittlerweile vergangen – da verwundert uns die Antwort nicht. Umso wichtiger, dass immer mal wieder auf die  4 ( bzw. 5) Ausnahmetalente hingewiesen wird.

Jägerpassage 1

Nur unweit des Bambi Kinos findet sich in der Wohlwillstaße 22 unsere nächste Destination. Wir treten durch ein provisorisch errichtetes Holztor und stehen im Hinterhof – der so genannten Jägerpassage. Die Bewohner der alten Wohnblöcke mussten in den letzten Jahrzehnten viele Touristenströme über sich ergehen lassen. Denn hier entstand 1961 ein Foto, das später um die Welt ging. John Lennon steht lässig angelehnt im Hauseingang, während Paul McCartney und Stuart Sutcliffe nur als Schemen zu erkennen im Vordergrund vorbeihuschen.

„Dem Großteil der Welt wurde das Foto erst durch das 1975 erschienene John Lennon Album „Rock’n’Roll“ bekannt, für das John das so genannte „Doorway-Photo“ als Albumcover auswählte“, verrät Ulf. Geschossen wurde das Bild von Jürgen Vollmer, der die Beatles während ihrer Zeit im Top Ten Club kennenlernte und ein guter Freund der Band wurde. Hausnummern sucht man in der Jägerpassage übriges vergebens – die erste Tür auf der rechten Seite ist die richtige. Wir schießen schnell ein Erinnerungsfoto und verlassen den Hinterhof leise wieder Richtung Reeperbahn.

Davidwache

Was passieren kann, wenn man sich mit den Clubbetreibern auf dem Kiez angelegt, mussten die beiden Beatles Paul McCartney und Pete Best vom 4. auf den 5. Dezember 1960 feststellen: Nachdem sie im bereits erwähnten Bambi Kino vor ihrem Auszug  angeblich ein Kondom angezündet hatten, verbrachten sie eine Nacht in Hamburgs wohl berühmtester Polizeistation: der Davidwache auf dem Kiez.  Am folgenden Tag wurden sie aufgrund fehlender Aufenthalts- und Arbeitspapiere ausgewiesen und mussten vorerst zurück in die Heimat. Der eigentliche Grund für die Anzeige dürfte jedoch nicht das brennende Kondom gewesen sein, sondern die Tatsache, dass die Beatles vom Kaiserkeller zur Konkurrenz in den Top Ten Club wechseln wollten. Diesen Plan wollte Kaiserkeller-Betreiber Koschmider zunichtemachen.

Auch heute noch fragen viele Touristen nach den Zellen, in denen die Beatles schliefen. Eine Sonderführung durch die Polizei ist jedoch eher die Ausnahme. Und den regulären Weg in die Zelle möchten wir an dieser Stelle niemandem empfehlen.

Heiligengeistfeld (Dom)

Als wir mit Ulf das Heiligengeistfeld erreichen, liegt süßer Popcornduft in der Luft. Es ist mal wieder DOM Zeit und die Menschen schieben sich zu Tausenden zwischen Fressbuden und zahlreichen Fahrgeschäften am St. Pauli Stadion vorbei. Hier entstanden zwischen den Wohnwagen und Gerätschaften der DOM-Mitarbeiter die ersten professionellen Fotos der Beatles. Fotografin war Astrid Kirchher, die die Beatles noch zu Kaiserkeller-Zeiten kennenlernte und die Freundin von Stuart Sutcliffe wurde, der 1962 mit nur 21 Jahren an einer Hirnblutung starb. Kirchher blieb auch in den Jahren nach seinem Tod mit der Gruppe befreundet. Heutzutage gibt es kaum eine Ausstellung über die Beatles, in der keines ihrer Schwarz-Weiß-Bilder gezeigt wird.

Hotel Pacific

Für den vorletzten Stopp auf unserer Tour gehen wir Richtung Sternenschanze und bleiben am neuen Pferdemarkt stehen. Hier befindet sich ganz  unscheinbar das ehemalige Vertragshotel des Star Clubs: das Hotel Pacific. Während ihres letzten Gastspiels im Star Club vom 18. bis 31. Dezember 1962 durften auch die Beatles hier wohnen und freuten sich ganz bestimmt über den Luxus, den das Hotel gegenüber ihren früheren Behausungen bot. Neben den Beatles wohnten parallel auch viele andere Musiker im Hotel Pacific – teilweise wurde sogar eine ganze Etage für die Star Club Bands gemietet. Wir gehen mit Ulf in das Foyer des Hotels und entdecken am Ende des Speiseraumes eine Fotocollage mit Bildern, Autogrammkarten und alten Rechnungen der Beatles. Der letzte Aufenthalt, bevor es für die Fab Four zurück nach England ging. Wer auf Besuch in Hamburg ist und einmal wie ein Beatle schlafen möchte, dem sei eine Übernachtung im Hotel Pacific empfohlen.

KEMP’S English Pub

Mit S- und U-Bahn führt uns der letzte Punkt auf unserer Beatles-Liste in den Mittelweg, zirka 10 Gehminuten vom Bahnhof Hamburg Dammtor entfernt. Hier betreibt ein echtes Star Club Urgestein seine Kneipe: Gibson Kemp. Kemp war Nachfolger von Ringo Star bei Rory Storm and the Hurricanes. Anschließend spielte er mehrere Jahre lang als Drummer für die Gruppe „King Size & The Dominoes“, die für lange Zeit Resident-Band im Star Club war. Wenn man ihn an einem ruhigen Tag nach seiner Star Club Zeit fragt, erzählt er gerne mal ein paar Anekdoten von damals. Und dichter kann man an der Star Club- und Beatles-Geschichte nun wirklich nicht dran sein. Übrigens: Mit ganz viel Glück trifft man hin und wieder auch Beatles-Fotografin Astrid Kirchherr im Kemp’s an, die eine Zeit lang mit Gibson verheiratet war. Lebende Geschichte und besser als jedes Museum.

Hempel's Beatles Tour

„Ich bin in Liverpool aufgewachsen, aber in Hamburg erwachsen geworden.“

Vielleicht kann man diesen Satz von John Lennon nach dem ersten Teil unseres kleinen Rundgangs schon ein bisschen besser nachvollziehen. Keine Stadt außerhalb von England hat die Geschichte der Beatles so sehr geprägt wie die Hansestadt an der Elbe. Und wer lieber in professioneller Begleitung auf den Spuren der Beatles über den Kiez schreitet, dem seien die Touren von Stefanie Hempel ans Herz gelegt. Mit Ukulele und jeder Menge Hintergrundwissen führt die Sängerin Touristen aus aller Welt bereits seit über 12 Jahren durch die Geschichte der Beatles.

Die besondere Beatles-Tour über den Kiez

Ulf Krüger / Archiv

Vielen Dank an Ulf Krüger für die spannende Tour durch Hamburg.

Daniel Szewczyk

Daniel ist besonders dort in seinem Element, wo er regelmäßig seiner Leidenschaft für Musik, Film und allerlei Literatur nachgehen kann. Mit Hamburg hat der norddeutsche Jung seine Kultur-Oase gefunden. Hier arbeitet er als PR-Redakteur und freier Journalist.