Minitopia

MinitopiaHamburgs erste Stadtfarm

200 Quadratmeter Halle, 60 Quadratmeter Werkstatt und 1000 Quadratmeter verwilderter Garten: das ist Minitopia. Noch braucht es ein wenig Vorstellungsvermögen und engagierte Menschen, damit hier das Paradies entsteht, doch das Gemeinschaftsprojekt ist auf einem guten Weg dorthin. Willkommen in der Zukunft der urbanen Selbstversorgung!

Gerade noch im Stadtzentrum, schon in ländlicher Idylle. Unser Ziel ist die Georg-Wilhelm-Straße 322 in Wilhelmsburg. Auf der einen Seite ein Gewerbegebiet, auf der anderen Seite satt-grüne Wiesen, auf denen Pferde grasen. Dazwischen: Eine alte LKW-Werkstatt. Hier entsteht Hamburgs erste Stadtfarm, in der gegärtnert, gehandwerkelt und gekocht wird. Minitopia ist ein Ort, an dem alle Interessierten bei Workshops und Projekten gemeinsam entdecken können, wie man unabhängig vom Supermarkt oder Stromnetz leben kann.

Seit unserem letzten Besuch vor einem Jahr hat sich hier einiges verändert: die Grünfläche verwandelt sich langsam in einen schönen Garten und auch die Werkstatt wirkt geordneter. Die Infrastruktur für den Durchbruch des Projektes hat das Minitopia Team im Verlauf der letzten Monate geschaffen - auch die Community wächst. Auf ins Paradies!

Der gelbe Kran ist bereits ein Markenzeichen von Minitopia © Lisa Knauer

Die urbane Bewegung

Die beiden Hamburgerinnen Stevie und Käthe sind typische Querdenker. Sie wollen weg von der Abhängigkeit großer Konzerne, hin zu mehr Freiheit im urbanen Raum. Mit dem Verein AlterNation e.V. dokumentieren sie seit 2012 solche Initiativen und Community Projekte. In der Heimat fehlte es allerdings noch an einer Bewegung. „Es braucht einen Ort und Zeit, wo etwas wirklich wachsen kann“, sagt Stevie „und es gibt genug Leute, die etwas verändern möchten“.

Ziel ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche Auswirkungen unser Lebensstil auf weltweite Entwicklungen hat, welche Verantwortung jede/r Einzelne trägt und vor allem: welche Alternativen es gibt, die auch im kleinen Rahmen mit wenig Mitteln im Alltag umsetzbar sind, um eine Kehrtwende einzuleiten.

Stevie und Käthe über Minitopia

Das Herzstück von Minitopia: An der selbstgezimmerten Theke wird gegessen, gearbeitet und diskutiert.

Vorbereitungen für den Sommer © Lisa Knauer

Wie wird man zum Selbstversorger?

Das ist die große Frage, die das Gemeinschaftsprojekt beantworten möchte. Auch für Stevie und Käthe ist das Projekt ein kleines Abenteuer. „Wir sind keine Experten. Für uns ist das Ganze ein Selbstversuch. Es kommt eben, wie es kommt“, sagt Stevie.

Minitopia ist Lernort, Plattform und Spielplatz zugleich. Für den Aufbau braucht es viele Hände: Zu den Workshops kann sich jeder, der Interesse hat, anmelden und bei der Entwicklung mitwirken. Dazu gehören zurzeit Seminare in der Upcycling-Werkstatt, auch zum Thema Lebensmittel. Dabei wird mit dem gearbeitet, was bereits da ist. Viele Ressourcen, wie die Holzpaletten, wurden gespendet.

Aufbruch nach Utopia

Kinder spielen in einem Garten aus satten Farben, helfen beim Gärtnern und bestaunen die Natur. Im Hintergrund spielt ein Orchester eine Lobeshymne auf das Paradies. Nur ein letzter Funktionsbau erinnert an einen urbanen Raum. Hier gibt es sogar ein Baumhaus, das wir uns als Kinder alle so sehr gewünscht haben. Die impressionistische Szene könnte so ähnlich auch von Claude Monet stammen. Ist allerdings der Flyer von Minitopia. Ob so die Zukunft aussehen wird?

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

das Zitat von Aristoteles ist das Motto von Stevie und Käthe, die Initiatoren von Minitopia.

Künstler aus Wilhelmsburg haben den Wänden der Werkstatt Farbe gegeben.

Viel Grün mitten in Wilhelmsburg

Ein Leben in Eigenregie

Als Stevie und Käthe mit Minitopia in die alte Brummi-Werkstatt einzogen, war es dort alles andere als aufgeräumt. Mittlerweile hat das Engagement bei Workshops schon Wurzeln geschlagen. Zwei der großen Kräne, die den Weg im Garten versperrten, konnten verkauft werden - der gelbe Riese darf als Markenzeichen bleiben. Im Garten wurden außerdem viele Hochbeete eingerichtet und bepflanzt - hier sprießt gerade neues Leben! Die neueste Besonderheit: das Minitopia-Windrad. Eine Gruppe von Schüler hat das Meistewerk vor Kurzem in Betrieb genommen - das Windrad kann 5 Handys vollständig aufladen!

Einige Schülergruppen waren schon zu Besuch bei Minitopia. Bei Praxistagen lernen die Kids nicht nur den Umgang mit Spaten und Hammer, viel mehr geht es darum, das Bewusstsein für unsere Umwelt zu schärfen. Gerade wurde auch ein Lehrgarten eingerichtet, denn diesen Sommer soll sich bei Minitopia vieles um das Thema "Tiere im Garten" drehen. Einige Bienen und andere Insekten fühlen sich hier schon sehr wohl!

Neben dem Garten ist das Herz von Minitopia eine schöne Lounge-Ecke und Bar – selbst gezimmert aus alten Holzpaletten. Hier trifft sich das Team zu Besprechungen und holt kurz Luft für die nächste Phase draußen oder in der Werkstatt. Am Wochenende sind bei Minitopia weiterhin die Türen für alle Interessierten geöffnet. Wenn ihr also einfach mal sehen wollt, wo und wie das Paradies entsteht, ist das eine gute Gelegenheit, einfach mal ganz ungezwungen vorbeizuschauen. Events wie Wildkräuter Workshops oder Schnippelpartys stehen auch im Programm - Hands on! Das Paradies kann nämlich nicht von alleine blühen!

Die Lounge wurde zusammengebastelt aus gespendeten Holzpaletten und Kaffeesäcken - hier lässt man sich gerne nieder.

Geheimtipps an der Waterkant

Geht mit uns auf Tour!

Das klang alles interessant? Wir bringen euch hin! Hier könnt ihr bei der Gestaltung unseres Hochbeetes und anderen Aktionen mitwirken.

Minitopia ist nämlich ein Stopp auf unserer Geheimtipp-Tour, die wir gemeinsam mit Waterkant Touren für euch zusammengestellt haben. Mit einem VW Bulli bringen wir euch zu den letzten wirklichen Geheimtipps der Stadt - dabei geht es vor allem auf Entdeckungstour auf Europas größter Flussinsel: Wilhelmsburg!

Wir haben uns ins Zeug gelegt und das Hochbeet eigenhändig gezimmert! © Lisa Knauer

Lisa Knauer

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.