Naturdenkmäler in und um Hamburg

Naturdenkmäler in und um Hamburg6 sagenhafte Spots mit viel Geschichte

Es gibt soo viele schöne grüne Ecken in und um Hamburg. Wir haben einige gefunden, die es sogar zum Denkmal geschafft haben und dazu noch ganz entzückende Geschichten erzählen. Aber lest selbst!

Was ist eigentlich ein Naturdenkmal? Dabei handelt sich um ein natürlich entstandenes Landschaftselement, das unter Naturschutz steht. Soweit so gut. Es kann entweder ein ganzes Gebiet umfassen oder nur einen einzeln stehenden Baum. Meistens werden solche Naturdenkmäler durch gelbe oder grüne Schilder markiert. Für euch ganz wichtig: Gucken ist erlaubt, anfassen eher nicht!

Aber sehen müsst ihr sie unbedingt, wie wir finden. Wir haben uns ein paar Naturdenkmäler genauer angesehen und bei der Recherche entdeckt, dass hinter diesen geschützten Naturschauplätzen auch richtig spannende Geschichten stecken. Entdeckt mit uns Hamburgs Natur noch einmal von einer ganz anderen Seite!

Sievertsche Tongrube

Ihr kennt Orchideen nur als Zimmerpflanze? Dann macht euch mal auf nach Hummelsbüttel! Denn da habt ihr die seltene Gelegenheit, eine wunderschöne magentafarbene Variante davon zu sehen. Um genau zu sein, stehen unzählige dieser Pflanzen auf einer Wiese im inneren der Sievertschen Tongrube. Direkt an dem vielbefahrenden Ring 3 haben die Orchideen dort einen perfekten Ort zum Bleiben gefunden. Wie kamen sie überhaupt dorthin? In einer "Guerilla Gardening"-Aktion wurden die Samen hierher gebracht und es hat sich gelohnt. Zum Glück! Denn die Orchideen-Samen keimen nur in feuchten Gebieten, die auch über genügend Bodenpilz verfügen. Aber hier blüht und wächst noch allerlei mehr!

In der Dampfzieglei wurde – ihr könnt es euch denken – ab 1898 Ton abgebaut und vor Ort verbrannt. Als diese dann in den 1950er Jahren schloss, entstand aus der Tongrube ein Teich und wurde seitdem sich selbst überlassen und zu einem herrlichen Ort idyllischer Natur! So schön, dass die Stadt die Wiese 1986 zum Naturdenkmal ernannte. Heute kümmert sich der Botanische Verein Hamburg darum, dass alle Pflanzen hier in Ruhe weiter wachsen können.

Die kalkhaltigen,  mageren Böden sind heute das Zuhause für viele Tier- und Pflanzenarten. Ihr habt Bock, euch das mal vor Ort anzuschauen? Dann solltet ihr unbedingt eine der Führungen des Botanischen Vereins dort machen. Es lohnt sich!

Garten der Alma de l'Aigle

Hinter dem Garten der Alma de l'Aigle steckt eine echt schöne Geschichte: 1888 kauft der Jurist Dr. Friedrich Alexander de l'Aigle, ein Nachkomme von französischen Revolutionsflüchtlingen, rund 8.000 Quadratmeter Land nördlich des heutigen Lokstedter Weges. Hier baut er sich ein kleines bescheidenes Häuschen und verwandelt den Rest in einen Nutzgarten mit Obst und Gemüse. Aber nicht zum Spaß! Davon muss die Familie nämlich den Großteil ihres Bedarfs decken. Die älteste Tochter Alma, nach der dieser Garten heute benannt ist, wächst mit ihren kleinen Schwestern in einem Paradies auf – das aber auch mit viel Arbeit verbunden ist. Jeder Apfel, jede Erbsenschote muss auf dem Markt verkauft werden, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Der Vater entdeckt schnell das Talent von Alma und führt seine kunstinteressierte Tochter an die vielfältige Pflanzenwelt heran. Den Duft der Rosen und die Süße der Obstbäume beschreibt sie später als erwachsene Frau in dem Buch "Ein Garten", das 1948 im Claasen Verlag erscheint. Alma wird Sonderschullehrerin, zum Kunststudium fehlt der Familie das Geld. Sie ist aber mit Leidenschaft Gärtnerin, wird Jungsozialistin und setzt reformpädagogische Ideen in ihrer Arbeit um. Sie ist dem Regime gegenüber kritisch und protestiert im Nachkriegsdeutschland gegen die Wiederbewaffnung. 1953 ist sie Gründungsmitglied des Deutschen Kinderschutzbundes. Sie hegt und pflegt mit viel Leidenschaft den Garten, schreibt in ihren letzten Lebensjahren noch mehrere Bücher. Nach ihrem Tod verwildert jedoch der Garten.

Später verkauft der Erbe an einen Investor. Und was will der mit den Grundstück machen? Klar, mitten in Eppendorf Wohnhäuser bauen. Dank einer Lesung aus Almas Gartenbuch konnte aber ein kleiner Teil des Gartens gerettet werden. Denn nur dadurch wurden einige Frauen der Gesellschaft für Gartenkultur auf das gefährdete Juwel aufmerksam. Einige Rosen und Obstbäume  wurden umgesiedelt und werden heute von der Stiftung für Denkmalpflege betreut. 

Wenn hier die Bienen über die Narzissen zurren und im Sommer die Rosen in ihrer ganzen Pracht blühen, muss man sich fast kneifen. Denn dieses kleine Stück Naturidyll steht mitten in Eppendorf. Übrigens solltet ihr auch unbedingt im September in Almas Garten reinschauen: Dann liegen da nämlich mit etwas Glück ein paar Äpfel im Gras. Und das mitten in der City.

Sumpfporst

Über dieses Naturdenkmal sagen viele, es sei nicht besonders hübsch. Wir sind da aber ganz anderer Meinung! Die weiße Blüte des Sumpfporst finden wir ziemlich nämlich ziemlich schick. Geben aber zu, wenn diese dann Ende Juni aufhört zu blühen, steht nur noch ein struppiges Grünes da. Aber es kommt ja auf die inneren Werte an. Und die sind beim Sumpfporst großartig!

Mit sogenannten Ledol oder Ericolin hat das Heidekrautgewächs, zu dem das Pflänzchen botanisch gehört, die Gabe Fressfeinde von sich abzuhalten. In Schweden legt man aus diesem Grund gerne mal ein paar Zweige in die Schränke, damit der aromatische Sumpfporst unerwünschte Plagegeister fernhält. Ziemlich praktisch, wie wir finden. Auch heilende Kräfte soll das Kraut haben. Aber Vorsicht: Bei Überdosierung kann es zu Erbrechen, Schweißausbrüchen oder Krämpfen kommen.

Und wie kommt es zu dem Spitznamen "Hopfen des Nordens"? Na, Sumpfporst ist auch als Rauschmittel bekannt. Früher wurde damit – vor allem in Norddeutschland und Skandinavien, wo kein Hopfen, geschweige denn Trauben für Wein wuchs – Bier gewürzt. Und war so ein beliebtes Getränk im Mittelalter.

Heute kommen wir aber nur schwer an die Pflanze heran. Zum Glück, denn nur so gibt es sie wahrscheinlich noch. Der Sumpfporst steht nämlich, wie man am Namen schon erahnen kann, gerne in nassen, kühlen Gebieten. Wo sie hier in Hamburg genau steht, wird streng geheim gehalten, aber im Loki Schmidt Garten in Flottbek könnt ihr zumindest eine grönländische Variante dieser spannenden Pflanze sehen.   

Bräutigamseiche

Jetzt kommt unser Highlight unter den Naturdenkmälern: Um es zu sehen, müsst ihr ein wenig raus aus Hamburg. Nach Dodau bei Eutin, um genau zu sein. Im wunderschönen Schleswig-Holstein steht nämlich die Bräutigamseiche. Und erzählt eine leicht kitschige, aber so schöne Geschichte. Denn vor 500 Jahren wurde ein junger Mann bei Dodau gefangen genommen und an einem unbekannten Ort wieder ausgesetzt. Zum Glück kam ein Mädchen vorbei und rettete ihn. Zur Erinnerung pflanzte der Mann eine Eiche an der Stelle seiner Rettung. 

400 Jahre später stand da nun ein prächtiger Baum. Aus dem Wald war inzwischen ein Forst geworden. Hier verliebte sich die Tochter des Oberförsters in einen Schokoladenfabrikanten aus Leipzig. Aber wie ihr euch denken könnt, war der Vater nicht sehr glücklich darüber und verbot seiner Tochter den Umgang mit dem Leipziger. Also mussten sie heimlich miteinander kommunizieren. Dafür nutzten sie ein Astloch der Eiche und versteckten dort ihre Liebesbriefe. Da war auch der Papa machtlos. Er gab sich der Liebe geschlagen und 1891 wurde unter dem Baum Hochzeit gefeiert.

Diese Geschichte sprach sich natürlich schnell rum und der Baum wurde schnell zur Bräutigamseiche mit Liebesbriefkasten. So hinterließen viele Menschen auf der Suche nach einem Partner dort ihre Briefe. Sozusagen das frühere Tinder und Parship. 1927 bekam die Eiche sogar eine eigene Postadresse. Noch heute muss der Eutiner Postbote bis zu 40 Briefe in das 3 Meter hohe Astloch legen...

Und es klappt: Ganze 100 Ehen haben in der Bräutigamseiche begonnen! Auch die von dem Postboten, der 20 Jahre die Briefe in die Eiche gesteckt hat. Als im Fernsehen über ihn berichtet wurde, war eine Frau gleich entzückt und schrieb ihm gleich einen Brief. Wohin? Na klar, an die Bräutigamseiche!

Ihr habt auch genug von dem neumodischen Datingkram? Dann solltet ihr auch mal euer Glück mit einem Brief an den Baum versuchen...

Findling Alter Schwede

Den riesigen grauen Stein am Elbe-Wanderweg gehört zu Hamburg wie der Michel. Aber wo kommt der Findling überhaupt her? Als sich die Kette eines Eimerbaggers 1999 in der Elbe bei Othmarschen verhakte, wurde dieses Naturwunder entdeckt. In 15 Metern Tiefe lag dieser 217 Tonnen schwere Koloss mitten im Schiffswendegebiet zwischen Parkhafen und Övelgönne und macht der Schifffahrt einige Probleme. Das Ding musste raus! Doch das war gar nicht so einfach: Zwei Anläufe brauchte man 1999, um den schwedischen Granit aus dem Wasser zu bergen. Nun liegt er am Othmarscher Elbufer, gar nicht weit entfernt von seinem Fundort. Geologen fanden nach der Bergung schnell heraus, dass dieser schwedische Stein rund 1, 8 Milliarden (!) Jahre auf den Buckel hat. Über den Namen musste man da nicht lange nachdenken: Alter Schwede passte einfach perfekt.

2000 wurde dieser Koloss sogar von der damaligen Bürgermeisterin, Krista Sager, der schwedischen Generalkonsul und dem Pastor der schwedischen Gustaf-Adolf-Kirche offiziell auf diesen Namen getauft. Der Stein ist übrigens nicht nur ein beliebter Ziel-Spot für Spaziergänger, Radfahrer oder Verliebte, sondern auch für Kletterer. Ja, ihr habt richtig gehört: Der Alte Schwede hat immerhin einen Boulder-Schwierigkeitsgrad von 7b – hier steigt man aber auch nur 8 Meter in die Höhe, dann ist Schluss.

Eibe am Neuländer Elbdeich

Über das Alter einer Dame spricht man ja eigentlich nicht. Aber bei dieser weiß es einfach auch keiner! Die Rede ist von der Eibe am Neuländer Deich. Wie alt sie genau ist, weiß eigentlich niemand. Während Wikipedia uns erzählt, dass diese "Grande Dame" ca. 800 bis 1.000 Jahre alt ist, meinen Baumkenner, dass sie ca. 300 Jahre alt ist. Wir sagen mal "sehr alt". Die ersten Anzeichen sind auch schon zu sehen: Die Hamburger Baumpfleger packten die Eibe in ein Stahlkorsett. Dennoch ist sie lebendig. Und wie: Ganze zehn Meter hoch und mit einem Stammumfang von 3 Metern ist sie ein wahres Prachtexemplar einer Eibe. Wer den Baum gepflanzt hat, ist auch ungewiss. Sicher ist aber, sie muss hier einige Jahrhunderte ungestört gewachsen sein, nur so konnte der Stamm so mächtig werden. 

Wusstet ihr, dass die Eibe – zu sehen auf vielen Friedhöfen – eine ganz besondere Fähigkeit der Regeneration haben? Die alten, hohlen Bäume senken ihre Luftwurzeln ab und treiben so wieder neu aus. Deswegen werden diese Bäume gerne als Symbol für die Ewigkeit gesehen.  Und auch etwas mystisches umgibt die Eibe: Während keltische Druiden ihre Zauberstäbe aus Eibenholz anfertigten, sagt man auch, dass Eiben Hexen und böse Zauberer abwehrten. Und noch was: An warmen Tagen dünsten die Bäume psychoaktive Alkaoide aus, die Kopfschmerzen und sogar Halluzinationen auslösen können. Seit 1990 bringt das medizinisch aufbereitete "Eibengift" Taxol aber auch Gutes: Es wird erfolgreich in der Therapie bei Eierstock-, Brust- und Lungenkrebs eingesetzt.

Tinka Rebhan

Aufgewachsen in der Lüneburger Heide ist Tinka seit fünf Jahren "nordish by heart" und das schlägt ziemlich laut für die Schiffe, das Meer und den Hafen. Dabei erkundet Tinka die Stadt besonders gerne mit ihrem Rad und ist dabei immer auf der Suche nach noch unentdeckten Ecken Hamburgs.