Schwäbisch Hamburg

Schwäbisch HamburgMit dem ICE 4 ins Spätzle-Land

Wie viel Schwabenländle steckt eigentlich in Hamburg und wie viel hamburgischer Nordstil in Stuttgart? Das haben wir uns zur Einführung des neuen ICE 4 auf der Strecke zwischen den beiden Hauptstädten gefragt und uns auf die Suche nach typisch schwäbischen Orten in Hamburg gemacht. Die ersten Klischees, die uns dabei einfallen: natürlich Käsespätzle und guter Wein! 

Bitte einsteigen: der neue ICE 4 am Hamburger Hauptbahnhof. © Lisa Knauer

Der ICE 4

Schnell und komfortabel nach Stuttgart

Ihr wart noch nie in Stuttgart? Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen! 
Lasst euch nicht von den Klischees über die Schwaben abschrecken, sie sind doch ein nettes Völkchen und auch Stuttgart hat einige schöne Ecke zu bieten. Außerdem soll Reisen ja helfen, Vorurteile zu beseitigen. 

Seit Dezember 2017 ist der neue ICE 4 der Deutschen Bahn im Regelbetrieb unterwegs. Von außen erkennt man das Modell an seiner langen Schnauze, die größten Neuerungen befinden sich aber im Inneren. Also fahrt ihr jetzt noch entspannter in den Süden, denn der neue Zug ist nicht nur komfortabler, endlich gibt es auch mehr Stauraum für Reisetaschen. Ein innovatives Beleuchtungskonzept mit tageszeitabhängiger LED-Lichtsteuerung schafft in allen Wagen eine angenehme Atmosphäre. WLAN gibt es bereits seit letztem Frühjahr in allen ICEs, auch der Telefonempfang im Zug wurde nun verbessert, da werden die fünf Stunden Fahrzeit bestimmt viel schneller vergehen.

Amma hongriga Maga isch schwär prediga!

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

In Elisabeth Wehrles guter Stube „Zum Spätzle“ haben wir uns ein bisschen wie in Omas Wohnzimmer gefühlt: mit weißen Spitzendeckchen, Häkelkissen und Kitsch-Porzellan. Sie selbst nennt ihr Lokal ganz bescheiden "einen schwäbischen Imbiss". Sie ist eben eine geborene Schwäbin und aufgewachsen auf einem Bauernhof in Unteropfingen. Daher kommt wahrscheinlich auch ihre Wertschätzung regionaler Lieferanten – sie kann nämlich ganz genau erzählen, woher das Fleisch, Hühnchen oder der Käse auf euren Tellern kommen. Die Karte ist klein, dafür aber fein gewählt: Maultaschen, Flädlesuppe, belegte Seele und allem voran Spätzle in allen Variationen. "Alles äbbas Guads" würde der Schwabe da sagen.

Ässa ond drenga senn dia drei schenschde Sacha uff dr Wäld.

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

Ein Stück Schwabenländle mitten auf dem Hamburger Kiez? Brachmanns Galeron vereint schwäbische gediegene Essstuben Stimmung mit kantigem Kiez-Charme. Das Galeron ist also keineswegs typisch schwäbisch. Mit traditionellen Rezepten wird hier in der Küche gerne mal gespielt und auch bei den Hauptgerichte um die 16 Euro werden echte Schwaben wahrscheinlich irgendein Haar in der Flädleuppe finden.

Am Ende ist es trotzdem sehr gut und gemütlich sowie. Der Schwabe neigt ja bekanntlich dazu romzubruddla, aber gut immerhin gibt es die meisten mit Sterne-Lokale auch in Baden-Württemberg, da dürfen die Ansprüche wohl auch gerne etwas höher sein. Uns haben die Linsen mit Spätzle und Wienerle und die Käsevariation übrigens sehr gut gemundet – und natürlich, nicht zu vergessen, auch der Wein war sehr gut!

Schwobarock

© Hemo & the Other

Streng genommen machen Hemo & the Other gar keinen Schwobarock. Der Großteil ihrer Texte ist nämlich auch für hamburgische Hochdeutsch-Sprecher verständlich. Gegründet wurde die Band im schönen Schwabenländle, der richtige Durchbruch folgte mit dem Umzug nach Hamburg. Seit 2012 gehören zu Hemo & the Other Hemo am Bass, Daniel an der Gitarre, Clemens an der Cajon und Schnuck am Schifferklavier. Dabei hält sich die Band nicht gerne an nur eine Stilrichtung, Elemente aus dem Rock, Blues und Pop sind in den Songs wiederzufinden. Dabei ist die Band vor allem eines: super unterhaltsam!

Auf goht's!

© Roter Brustring Hamburg e.V. // Stefan Kuhsiek

Bloog de, du Seggl! (schwäbisch für: Streng dich gefälligst an, du Idiot!), gehört zum Basisvokabular eines VfB-Fans. Sogar im nördlichsten offiziellen Fanclub versteht man das schwäbische Stadion-Gschwäddz. Dafür steht auf der Seite des Vereins auch ein Vokabeltrainer zur Verfügung, denn immerhin sind 20 Prozent Hamburger, der Rest sind immerhin Exil-Schwaben.

2007 wurde der Verein mit 18 Mitgliedern gegründet, nachdem Stefan Kuhsiek – seit der Gründung 1. Vorsitzender des Fanclubs – einen Aufruf im Internet gestartet hatte: „Es muss doch auch andere VfB-Fans außer mir in Hamburg geben!“ Über 60 Mitglieder treffen sich nun regelmäßig zum gemeinsamen Fußballgucken in ihrer Stammkneipe „Titanic“ oder reisen ihrer Lieblingsmannschaft hinterher und die spielt immerhin besser als jede andere Hamburger Mannschaft!

A gscheidr Wai hodd no koim Domma gschaded.

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

„Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken. Daher bringe ich ein Stück badische Weinkultur nach Hamburg“, mit diesen Worten eröffnete Michael Danner 2001 das Badische Weinhaus Michael. Man muss zugeben: dafür sollten wir Hamburger ihm danken, denn der gebürtige Bade und geborene Winzer bringt die Weine, Sekte, Edelbrände und andere Weinspezialitäten der 31 besten Winzern aus Baden und Württemberg zu uns in die Hansestadt. Zwei Mal im Jahr wird hier die süddeutsche Geselligkeit gefeiert mit einer offenen Weinprobe, bei der die Winzer vorgestellt werden und es natürlich viele leckere Tropfen zum Probieren gibt. Bröschderle!

Der Stuttgarter Schlossplatz

Auf nach Stuttgart!

Eingestimmt haben wir uns jetzt schonmal und wir müssen gestehen: Wir haben doch ein bisschen Gefallen an der schwäbischen Kultur gefunden. Jetzt wollen wir doch mal sehen, wie viele unserer Klischees über das Schwabenländle und seine Bewohner sich bestätigen. Also sind wir der Einladung unserer Freunde von Geheimtipp Stuttgart gefolgt, in den ICE 4 gestiegen und in nur fünf Stunden bis Stuttgart gefahren. Drei besondere Tipps haben uns dabei den Aufenthalt in der Stadt versüßt:

Erster Touri-Stopp

© Geheimtipp Stuttgart

© Geheimtipp Stuttgart

Wenn wir schonmal hier sind, dann wollen wir auch etwas über die Stadt lernen. Um die Schwaben besser zu verstehen, haben wir dafür das Stadtpalais besucht. Erst Mitte April hat das "Museum für Stuttgart" neu eröffnet. Man erklärt uns, dass alleine das geschichtsträchtige Gebäude, früher "Wilhelmspalais", wichtige Facetten der Stadtgeschichte widerspiegelt. Dieses wurde 1840 für die würtembergischen Prinzessinnen Marie und Sophie erbaut, später beherbergte es auch einige Könige der Region. Als die Revolution 1918 auch endlich Stuttgart erreicht, wird das Palais gestürmt und Wilhelm II. dankte ab. 

Schwer zu glauben, dass es vor der Eröffnung des Museums keinen Platz für die Stadtgeschichte in Stuttgart gab. Was uns besonders beeindruckt hat: Hier beschäftigt man sich nicht nur mit der Vergangenheit der Stadt, sondern auch mit der Zukunft. Ein Zukunftsbarometer "Stuttgart und Du 2038" fragt die Besucher nach ihren Erwartungen für die eigene Zukunft und die der Stadt.

Bröschderle am Klohäuschen

© Geheimtipp Stuttgart

© Geheimtipp Stuttgart

Als uns gesagt wird, dass unser nächster Stopp der "Palast der Republik" sei, sind wir kurz verwirrt. Wir dachten, den hätte es nur in Berlin gegeben? Und haben sofort den protzigen Klotzbau aus DDR-Zeiten vor Augen. Wir werden überrascht: Die Stuttgarter haben sich nämlich einen kleinen Scherz erlaubt. Der Palast der Republik befindet sich in einem ehemaligen Toilettenhäuschen!

"Und im Sommer entspannen alle am Palast der Republik", erklären uns die Stuttgarter. Vor dem kleinen Ausschank tummeln sich viele Menschen, wir gesellen uns für ein Bierchen dazu. Dabei wird uns die Geschichte des Namens erklärt: "Den außergewöhnlichen Namen wählten die Betreiber, da sich zu jener Zeit die deute Wiedervereinigung bereits abzeichnete und das kleine Klohäuschen das komplette Gegenteil zum Prunkbau in der DDR war." Wir fühlen uns tatsächlich wohl hier, zwischen den ganz unterschiedlichen Menschen, die sich hier zum Feierabendbierchen treffen.

Die besten Maultaschen

© Geheimtipp Stuttgart

© Geheimtipp Stuttgart

© Geheimtipp Stuttgart

Die besten Maultaschen Stuttgarts soll es Zur Linde geben, zumindest, wenn man den Kollegen von Kabel eins und ihrer Show "Mein Lokal, Dein Lokal" glaubt. Davon wollen wir uns selbst überzeugen und schauen bei den Brüdern Maximilian und Ferdinand Trautwein, den Betreibern des Gasthauses, vorbei. 

Die Maultaschen waren wirklich ausgezeichnet! Aber nicht nur dafür lohnt sich ein Besuch im Gasthaus zur Linde. Im denkmalgeschützten Gemäuer einer ehemaligen Poststation werden außerdem allerlei andere Schwabenklassiker serviert: Zwiebelrostbraten, Kalbskutteln, Rostbraten und Linsen, Spätzle die vom Brett geschabt werden, Ofenschlupfer – alles klingt so super gut!

Die Süddeutschen halten uns Hamburger für offen - ein nettes Kompliment.

Stuttgart oder Hamburg?

Wir bleiben unserer Heimat treu!

Danke für das nette Kompliment! Auch wenn wir Spätzle, Maultaschen und guten Wein wirklich sehr lieben und der Besuch in Stuttgart nett war - Hamburg bleibt für uns die schönste Stadt der Welt.

Das ergab auch die Umfrage der Deutschen Bahn: Sie wollten wissen, ob die befragten Nord- und Süddeutschen zu einem Umzug nach Stuttgart bzw. Hamburg bereit wären. Ganze 79 Prozent der Nordlichter wären dazu nicht bereit, aber auch 56 Prozent der Baden-Württemberger würden eher in Stuttgart bleiben.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit der Deutschen Bahn entstanden.

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.