Slow down & werde nachhaltig

Slow down & werde nachhaltig10 Orte für ein bewussteres Leben

Unsere Welt ist erschöpft und wir sind es auch. In Zeiten der Globalisierung, Umweltzerstörung und ständiger Hektik ist es wichtig, einfach mal runterzukommen, das Leben zu entschleunigen und wieder ein Bewusstsein für sich und seine Umgebung zu gewinnen. Diese zehn Tipps sind euer Startschuss in ein nachhaltigeres, bewussteres und glücklicheres Leben!

Unverpackt einkaufen

© Peter Bauer

Jede Gurke ist extra verschweißt, einzelne Kekse in einer Packung sind noch einmal zusätzlich in Folie verpackt und das Sechser-Pack Wasser wird mit einer Plastikfolie zusammengehalten. Dazu ist der Einkauf super unpersönlich und die Lebensmittel schmecken auch nur durchschnittlich – um ehrlich zu sein haben wir genug von billigen Supermärkten.  

Alles, was die großen Ketten falsch machen, macht Stückgut genau richtig: In Ottensen ist vor einem guten Jahr ein Unverpackt-Laden entstanden, wie man sich ihn eigentlich nur erträumen kann. Ob Müsli, Obst, Süßwaren oder Zahnpasta – hier tätigt ihr euren Wocheneinkauf nicht nur vollkommen verpackungsfrei, alle Lebensmittel sind auch fair und biologisch produziert worden und stammen meistens direkt aus unserer Region. So tut ihr nicht nur der Umwelt etwas Gutes – sondern auch euch selbst. Für den nächsten Laden in der Rindermarkthalle läuft übrigens gerade eine Crowdfunding-Aktion

Ein neues Lebensgefühl entwickeln

Das dänische Lebensgefühl Hygge ist gar nicht so leicht greifbar. Es vereint ein Gefühl von Behaglichkeit und Geborgenheit in sich – ist irgendwie aber auch noch mehr als das. Vielleicht ist Hygge die Verkörperung skandinavischer Gemütlichkeit. Vielleicht ist es auch der Inbegriff für Zufriedenheit mit sich und seiner Umgebung. Eines steht auf jeden Fall fest: Hygge ist ein echtes Glücksrezept; ein Entschleuniger im stressigen Alltag.

Um die dänische Lebensphilosophie besser zu verstehen, solltet ihr Hamburgs hyggeligstem Salon, der Riceteria in Eppendorf, unbedingt mal einen Besuch abstatten. Die Idee ist eigentlich ganz einfach: Ihr macht es euch auf den gemütlichen Sesseln und Sofas bequem, schlürft einen Kaffee und sucht euch dazu vielleicht noch ein leckeres Smørrebrød aus. Die vielen bunten Farben, die herzliche Atmosphäre und das gute Essen macht euch sofort gute Laune. Alles geht ganz entspannt und ohne Hektik zu – hier fühlt man sich direkt wie zuhause.

Wenn ihr jetzt immer noch nicht ganz verstanden habt, wie man Hygge lebt, dann schaut am besten Mal bei einem der regelmäßig stattfindenden Vorträge und Events vorbei. Bei denen geht es nämlich nicht nur um Yoga, sondern um neue Impulse für den persönlichen Lebensweg.  

Die Ernte teilen | Solidarische Landwirtschaft

© Kattendorfer Hof | Facebook

Menschen, die heutzutage in der Landwirtschaft arbeiten, haben oft nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie beuten sich selbst oder die Natur aus. Genau dagegen kämpft die Solidarische Landwirtschaft - ein Konzept, was Landwirten zu einem gesicherten Gehalt und mehr Freude bei der Arbeit verhilft und beteiligten Haushalten frische, vielfältige und regionale Nahrungsmittel auf den Tisch bringt.

Wie genau das funktionieren soll? In einer Solidarischen Landwirtschaft finanzieren die Verbraucher nicht mehr die einzelnen Lebensmittel - sondern die gesamte landwirtschaftliche Produktion. Ein festgesetzter Beitrag wird meist monatlich an den jeweiligen Hof gezahlt. So können sich die Landwirte unabhängig vom Preis- und Einkommensdruck darum kümmern, bestmögliche Produkte herzustellen, den Boden fruchtbar und die Tiere artgerecht zu halten. Im Gegenzug wissen die Verbraucher genau, wie und wo ihr Mittagessen angebaut wurde. Eine einmalige Win-Win-Situation!

Der Kattendorfer Hof ist einer der Mitbegründer des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft. In seinen Hofläden in Eimsbüttel, Schanze und Barmbek könnt ihr frisches Gemüse, Kartoffeln und Getreide, sowie Fleisch, Käse und Milchprodukte erstehen. Das alles ganz ohne Ausbeutung, Massentierhaltung und Bodenverpestung. Solidarische Landwirtschaft ist eben ein Konzept der Zukunft!

Stress abbauen

© Boxclub Epeios | Facebook

© Boxclub Epeios | Facebook

© Boxclub Epeios | Facebook

Puh, eine Frage hängt noch ganz gewaltig im Raum: Wie soll man sein Leben denn entschleunigen, wenn man gedanklich einfach nicht von der letzten Pressemitteilung oder der bevorstehenden Prüfung wegkommt? Job, Studium, Fortbildung und Praktika - das Leben wächst einem schnell einmal über den Kopf.

Um aufgestaute Aggressionen, Gedankenmonster und den Alltagsstress loszuwerden, solltet ihr es mal mit einem ordentlichen Boxtraining probieren. Boxen powert aus, macht aber auch glücklich und ausgeglichen. Zudem schult es eure Konzentration, Kondition und Koordination. Das klingt doch nach einem richtigen Allroundpaket – und dem perfekten Ganzkörpertraining.

Beim Epeios Boxen in der Sternstraße seid ihr auch als Quereinsteiger ausgezeichnet aufgehoben. Hier braucht ihr weder Erfahrung noch bestimmte körperliche Voraussetzungen. Wichtiger ist, dass ihr mit Leidenschaft bei der Sache seid, eine ordentliche Portion Disziplin mitbringt und Herausforderungen positiv gegenübersteht. Vor kraftstrotzenden Muskelpaketen braucht ihr keine Angst zu haben – die gibt es beim Epeios Boxen wie in jedem richtigen Boxclub zwar durchaus, aber auch als Sportmuffel stecht ihr hier nicht unangenehm aus der Reihe. Lets get ready to rumble!

Wieder eigenständig werden | Urbane Selbstversorgung

Gerade noch im Stadtzentrum, schon in ländlicher Idylle. Genau hier, im südlichen Wilhelmsburg, ist im vergangenen Jahr Hamburgs erste Stadtfarm entstanden. Minitopia ist ein Treffpunkt für alle, die gemeinsam entdecken wollen, wie man unabhängig vom Supermarkt oder Stromnetz leben kann.

„Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“ – dieser Satz von Aristoteles ist zum selbsterklärten Motto der Initiatoren Stevie und Käthe geworden. Minitopia gleicht einem riesigen Spielplatz: In gemeinsamen Projekten wird hier gegärtnert, gehandwerkelt und gekocht. Auf Workshops lernt ihr, Abfall zu vermeiden, alte Staubfänger upzucyceln und Lebensmittel haltbar zu machen. Das Ziel steht dabei klar vor Augen: In einer Großstadt wie Hamburg zum Selbstversorger zu werden.

Noch steckt Utopia in den Kinderschuhen, doch im vergangenen Jahr hat sich auf dem Grundstück der ehemaligen Brummi-Werkstatt einiges getan. Es ist nicht nur ein Gewächshaus, eine Bar und eine schöne Lounge-Ecke entstanden, ganz frisch ist nun auch der Traum einer Solidarischen Landwirtschaft Wirklichkeit geworden: Bis Mitte März könnt ihr noch Mitglied werden, danach geht es ran ans Gemüse!

Den Körper wertschätzen

Das Yoga zum Trendsport der letzten Jahre geworden ist, ist keinesfalls unverdient: Die indischen Praktiken entspannen den Geist, schulen den Körper und führen uns zu uns selbst zurück. Ob man beim Yoga seine innere Mitte finden möchte, oder sich einfach an einem belebenden und stärkenden Workout erfreut - zu einem herabschauenden Hund oder Krieger kann sich eigentlich jeder verbiegen. Und das auch überall: In bequemer Kleidung und mit der Yogamatte unterm Arm lässt sich die abendliche Sporteinheit ganz wunderbar in den Park, an den Elbstrand oder auf den liebsten Sonnenplatz verlegen.

Bente ist seit Jahren begeistert von Yoga, nahm an verschiedensten Workshops teil und hatte sie die großartige Idee, Yoga einfach nach draußen zu verlegen. Gesagt, getan: Popup Yoga bringt euch an Hamburgs schönste Plätze – rein in die Natur, ans Wasser, in unsere liebsten Cafés, Parks und Gärten.

Im Sommer geht es hochhinaus – zum Beispiel auf die Elbphilharmonie oder den Wilhelmsburger Energiebunker – im Winter ziehen sich die Yogis auch gerne Mal in ein gemütliches Studio zurück. Egal, wo ihr die Matte ausrollt: Beim Yoga werdet ihr lernen, euren Körper wieder wertzuschätzen. Und das ist wohl einer der wichtigsten Schritte hin zu einem bewussteren Leben. 

Alternative Ernährung testen

© Kochschule Kurkuma | Facebook

© Kochschule Kurkuma | Facebook

© Kochschule Kurkuma | Facebook

Alle Fleischliebhaber unter euch werden jetzt vermutlich entnervt die Augen verdrehen, doch das Thema vegane Ernährung darf im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und einem bewussteren Leben auf keinen Fall unter den Tisch fallen. Veganismus ist nicht nur ein klares Zeichen gegen Massentierhaltung und Welthunger, hoher Fleischkonsum ist auch einer der größten Verursacher schädlicher Treibhausgase weltweit. Zudem ist veganes Essen mittlerweile überall und in allen Facetten erhältlich, überhaupt nicht teuer und super lecker!

Hamburgs erste vegane Kochschule im Herzen Eimsbüttels beweist euch, dass Veganer mehr als nur Gras und Steine essen. Als Anlaufstelle für alle, die eine rein pflanzliche Ernährung für sich testen wollen, überzeugt die Kochschule Kurkuma mit Kreativität und Genuss statt mit Dogmatismus.

In etwa zwanzig Kursen, Workshops und Dinnern pro Monat könnt ihr neue Zutaten und Gewürze für euch entdecken, eure Backkünste aufbessern und eine kulinarische Reise durch die Küchen dieser Welt antreten. Ein vielfältiges, abwechslungsreiches und vor allem nachhaltiges Kocherlebnis, bei dem ihr alte Vorurteile ein für alle Mal aus euren Köpfen verbannen könnt!

Ein Zero Waste Café besuchen

© In Guter Gesellschaft | Facebook

© In Guter Gesellschaft | Facebook

Hamburgs erstes Zero Waste Café hat es sich zwischen Schanze und Karoviertel gemütlich gemacht und verzaubert uns nicht nur mit seinem einladenden Ambiente, sondern vor allem auch mit seiner fantastischen Philosophie.

Zero Waste ist selbstverständlich ein großer Begriff, fängt für jeden Einzelnen aber schon im Kleinen an. Müll vermeiden ist eigentlich ganz einfach: Statt dem Coffee to Go Becher bringt man seinen Eigenen mit und auf den Strohhalm wird bei der nächsten Limo einfach verzichtet. Es ist die Summe an Kleinigkeiten, die letztendlich die Welt verändern. Für In guter Gesellschaft geht es genau darum: Müll so gut es geht vermeiden, einen positiven Beitrag leisten und damit ein Vorbild für andere Gastonomen sein. Die Waren sind hier frisch und regional, oft biologisch und immer unverpackt. Statt Plastik werden Mehrwegbehälter und wiederverwendbare Verpackungen benutzt. Erhobene Zeigefinger gibt es nicht – ernsthaftes Bemühen schon. 

In der Sternstraße seid ihr immer in guter Gesellschaft: Hier versammeln sich Menschen, die etwas verändern wollen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, die zu einem gemütlichen Café einfach nicht Nein sagen können und dabei auch noch auf verdammt gutes Essen stehen.

Kreativ werden

© Nähschule St. Pauli | Facebook

© Nähschule St. Pauli | Facebook

Rosi Bätz ist seit zwanzig Jahren freiberufliche Modedesignerin, arbeitete schon in den Ateliers von Vivienne Westwood und Wolfgang Joop. Heute verbringt sie ihre Tage zumeist in ihrem luftigen Atelier mit Blick auf den Pferdemarkt und gibt ihre langjährige Erfahrung weiter.

In der Rindermarkthalle hat Rosi einen Ort geschaffen, in dem die Begeisterung fürs Nähen auch für Anfänger und Laien einen Raum findet. Die mehrstündigen Kurse fungieren nicht nur als Freundschaftsstifter zwischen euch und euer Nähmaschine, sondern vermitteln euch auch die Grundlagen zu Design, Technik und Material.

Etwas Kreatives mit den eigenen Händen zu schaffen, löst ein riesiges Glücksgefühl aus. Gerade im Berufsleben, das sich oft nur noch in der virtuellen Welt bewegt, schafft Handarbeit einen wertvollen Ausgleich. Dazu ist Nähen auch noch nachhaltig. Stoffe werden sparsam und effektiv eingesetzt, Lieblingsstücke geändert und Gebrauchtes recycelt. Wer näht, kauft keine Kinderarbeit und Ausbeutung mehr – sondern eine Menge Kreativität, Entschleunigung und Spaß.

Einen Gemeinschaftsgarten pflegen

© St Pauli Gartendeck | Facebook

© St Pauli Gartendeck | Facebook

In der Großstadt einen eigenen Garten zu pflegen, ist für die meisten bloß eine Wunschvorstellung. Für den Schrebergarten fehlt oft das Geld, der Innenhof ist zum Kartoffeln pflanzen absolut untauglich und an den Stadtrand ziehen ist auch keine Option. Für alle Hamburger Naturliebhaber und Gartenfreunde kommt Urban Gardening deshalb wie ein Geschenk vom Himmel – und ist in Hamburg zum Glück keine Einzelerscheinung mehr.

Selbst auf den belebten Kiez hat es das Konzept geschafft: Jeden Freitag gärtnert St. Paulis Nachbarschaft gemeinsam auf den Dächern der großen Freiheit. Zwischen der Druckerei und dem Indra leben mittlerweile hundertsiebzig verschiedene Pflanzensorten und fünf Bienenvölker. Das Gartendeck St. Pauli bringt nicht nur Gärtner aus der Gegend zusammen, sondern stärkt auch das Nachbarschaftsgefühl. Willkommen ist hier jeder – ihr braucht weder einen grünen Daumen, noch eine Wohnung auf dem Hamburger Berg. Also: Ran an die Radieschen!

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden. 

Tabitha Wedemann

Nachdem Tabitha die letzten sieben Monate durch die Weltgeschichte gereist ist, hat sie jetzt ihren Weg zurück nach Hamburg gefunden, um ihrer Leidenschaft fürs Schreiben nachzugehen. Wenn sie nicht gerade in Cafés sitzt, Gedichte verfasst oder über Festivals tanzt, erkundet sie am liebsten all die besonderen Ecken ihrer Heimatstadt!