Was ist typisch deutsche Musik? Richtig: Eine dufte Blaskapelle. Aber nicht, wie ihr jetzt denkt. MEUTE ist eine Techno-Marching-Band und sorgt dafür, dass auch ihr bei Trompete, Saxophon und Posaune richtig abgeht.

Am 25. September 2015 war die Geburststunde der ersten Techno-Marching-Band der Welt: Damals spielte MEUTE ihren ersten Live-Gig am Schulterblatt. Als im Januar dann das Video davon im Netz veröffentlicht wurde, begann der Hype um elf coole Boys, die Leute begeistern. Und zwar nicht mit angestaubten Klängen, sondern mit richtig tanzbaren Techno-Beats.

Wir haben uns mit Gründer und Musiker Thomas Burhorn zum Interview getroffen und ihn mit Fragen gelöchert, was MEUTE ausmacht und was wir von den Jungs noch erwarten dürfen. Wir können so viel verraten: einiges!

Geheimtipp Hamburg:
Wie kommt man auf die Idee mit einer Marching-Band Techno-Songs zu covern?
Thomas Burhorn:

Ich bin Bläser und war schon lange im Blasmusikkosmos unterwegs. Ich habe früher auch bei einer anderen Marching-Band gespielt: TÄTÄRÄ – die covern Musik aus den 60er-Jahren und Popsongs von heute. Ich wusste, welche Power diese Brassbands haben, wenn die auf der Straße stehen und total live spielen – ohne elektronische Features. Dem man sich eigentlich niemand entziehen.

Das ist bei Technomusik auch so. Diese absolute Reduzierung aufs Wesentliche ist ja auch grandios. Ich dachte mir, das wäre doch geil, wenn man das akustisch interpretiert und sieht, was dann passiert.

Diesen Herzenswunsch habe ich schon lange mit mir herumgetragen. Und da ich viele Musiker kenne, ich weiß, wie man Noten dafür schreibt und ich auch eine kleine Management-Ader in mir habe,  entstand MEUTE.

Geheimtipp Hamburg:
Wie kamt ihr auf den Namen Meute?
Thomas Burhorn:

Wir haben lange überlegt, welcher Name passt. Dieses Gefühl, das wir vermitteln wollen, bringt der Name ganz gut auf den Punkt. Und das Gute: Er gefällt uns immer noch. Und verrückterweise gab's den Namen ja vorher noch nicht. Das war unser Glück!

Der Begriff "Meute" bezeichnet eine größere Gruppe von Menschen, die meistens zusammen auftreten.

Motivation ist nicht unser Problem: Wir haben immer richtig Bock!

Thomas Burhorn

Geheimtipp Hamburg:
Wie wählst du die Bandmitglieder aus?
Thomas Burhorn:

Die Musikszene in Hamburg ist ja relativ übersichtlich und ich bin hier seit 2000 schon aktiv. Da lernt man viele Leute kennen, gerade wenn man ein Blasinstrument spielt, weil man da ja meistens zu festen Bands dazu geholt wird. Da entsteht ein ganz gutes Netzwerk. Sogar aus meiner Schulband sind  welche jetzt bei MEUTE dabei – Blasmusik begleitet mich eben schon mein ganzes Leben.

Geheimtipp Hamburg:
Wer ist immer fest gesetzt?
Thomas Burhorn:

MEUTE besteht aus einer Kernbesetzung von elf Musikern – und die haben dann jeweils noch Ersatzspieler. Das wichtigste Instrument ist die Bassdrum. Dann kommen noch zwei weitere Schlagzeuger für Snare-Drum und Becken dazu, eine Marimba (dieses Glockenspiel) und zwei Bässe: Sousaphon und Bass Saxophon. In der Frontline stehen dann zwei Trompeter, ein Posaunist, ein Tenorsaxophonist und ein Baritonsaxophonist.

Wir hatten einen Sommer voller Highlights – das war richtig geil!

Thomas Burhorn

Geheimtipp Hamburg:
Was ist die größte Herausforderung bei einer solch großen Band?
Thomas Burhorn:

Das Organisieren der Reisen. Die Logistik für elf Leute ist nicht immer so einfach. Manchmal müssen wir fliegen, wann anders fahren wir mit dem Nightliner. Dann kommen welche aus anderen Städten, aber auch wenn der Großteil aus Hamburg kommt, müssen die manchmal erst einmal von Gigs aus anderen Städten geholt werden.

Das kostet einfach viel Zeit. Die andere Herausforderung ist natürlich normalerweise auch Motivation zu erzeugen, aber das ist im Moment nicht das Problem: Wir haben alle richtig Bock.

Geheimtipp Hamburg:
Wo tretet ihr am liebsten auf?
Thomas Burhorn:

Wir finden gerade toll, dass wir uns gar nicht entscheiden müssen, wo wir spielen. Das ist das Schöne und wir hoffen, dass da auch so bleibt: Wir spielen auf der Straße, auf Indie- oder Techno-Festivals, beim Dockville, in der Staatsoper, zur Eröffnung der Elbphilharmonie oder eben wie an diesem Wochenende auf dem Überjazz Festival.

Uns gefällt es sehr, dass wir alle Grenzen, was Genre aber auch Zielgruppe betrifft, immer sprengen. Wir sind immer ein exotischer Außenseiter, egal wo wir spielen. Es gibt keinen Rahmen, wo wir wirklich reinpassen und genau deswegen passen wir wiederum überall hin.

Geheimtipp Hamburg:
Was war bisher euer Highlight?
Thomas Burhorn:

Der ganze Sommer mit den ganzen Festivals war eigentlich ein einziges großes Highlight.

Geheimtipp Hamburg:
Seid ihr vor Auftritten nervös?
Thomas Burhorn:

Wir sind eher aufgekratzt – und das absolut im positiven Sinne.

Geheimtipp Hamburg:
Hättest du mit dem Hype gerechnet?
Thomas Burhorn:

Ich habe das schon aufgezogen, weil es ein Herzenswunsch war, aber mir war auch klar, dass es ein gewisser Aufwand sein wird. Und den betreibt man ja nur,wenn man auch daran glaubt, dass es jemanden interessiert. Aber dass es so in diesem Maße so eingeschlagen würde, ist phänomenal.

Und mich freut besonders, dass wir nicht nur ein einmaliger Internethype sind, sondern spüren, dass wir die Menschen in ihren Herzen berühren. Und das nicht nur mit unseren Auftritten und Videos, wo man den Bruch zwischen Blasmusik und Techno so plakativ sieht, sondern auch einafch nur mit unserer Musik, die die Leute dann einfach auf Spotify hören.

Geheimtipp Hamburg:
Wie sucht ihr eure Songs aus?
Thomas Burhorn:

Da ist eine Menge Bauchgefühl im Spiel. Das müssen schon Tracks sein, die sich eignen. Ich würde jetzt behaupten, dass sich Technomusik durch zwei Dinge auszeichnet: Instrumentalisierung und eine ganz bestimmte Art der Komposition.

Da wir ja akustische Instrumente spielen, brauchen wir Stücke, bei denen der Techno-Aspekt besonders durch die Kompostion getragen wird. Wenn dann ein Stück mit viel Dynamik,  einer gewissen Tiefe und Mehrdimensionalität daherkommt,und uns gefällt, machen wir das.

Geheimtipp Hamburg:
Was macht MEUTE in zwei, drei Jahren?
Thomas Burhorn:

Ich fände es schön, wenn wir noch internationaler werden. Wir sind wir ja nicht auf den deutschen Raum begrenzt und haben durch die Kombination aus Techno und Spielmannszug das Potenzial zu einem ungewöhnlichen und auf positive Weise typisch deutschen Export-Schlager. So wie Kraftwerk oder Rammstein. Das ist jetzt nicht unbedingt die Messlatte, aber eine schöne Idee, wo es hingehen könnte.

Tinka Rebhan

Aufgewachsen in der Lüneburger Heide ist Tinka seit fünf Jahren "nordish by heart" und das schlägt ziemlich laut für die Schiffe, das Meer und den Hafen. Dabei erkundet Tinka die Stadt besonders gerne mit ihrem Rad und ist dabei immer auf der Suche nach noch unentdeckten Ecken Hamburgs.