That's so Hamburg #1: Fischermützen

That's so Hamburg #1: FischermützenMütze auf dem Kopf und die Knöchel frei

Hach Hamburg, du hast schon deinen ganz eigenen Style. Oder sollten wir sagen: deine ganz eigene Uniform? Die Temperaturen sinken, früh morgens kratzen wir an der Zehn-Grad-Marke, der meteorologische Herbstbeginn rückt näher. Endlich Zeit die Fischermützen aufzusetzen, aber gleichzeitig die Hosenbeine hochzukrempeln. Hä?

That's so Hamburg

Hamburg ist die schönste Stadt der Welt. Keine Frage. Besonders lieben wir all' ihre Klischees und kleinen Skurrilitäten. Mit denen räumt Lena hier regelmäßig humorvoll auf – 'cause that's so Hamburg!

Habt ihr auch so eine Mütze?

Berlin die Hipster, Hamburg die Werber

Ist euch schon mal die verdächtig dünne Hipsterdichte in Hamburg aufgefallen? Dort, wo es im sozialen Gefälle der Hauptstadt nur so von Buffalo Plateau-Botten, bunten Haaren und Jutebeuteln wimmelt, herrscht bei uns gähnende Leere. Dafür haben wir eine andere Superkraft: den Werber. Auf ihren Motorrollern, mit ihren Hornbrillen, Vans, langen Mänteln, hochgekrempelten Hosen und eben Fischermützen machen sie nicht nur jedes Networking-Event unsicher, sondern auch den Herbst. Und das ist gut so. Wir lieben diesen Stil. Dürfen aber trotzdem auch mal darüber schmunzeln.

Hot oder Flop?

Knöchelfrei durch die Nacht

Heute kann es regnen, stürmen oder schneien – ihr findet sie grundsätzlich draußen vor Kiosken stehend, mit einem Tannenzäpfle in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand. Work-Life-Balance ist nämlich von gestern. Das ist Büro-Street-Balance. Ihre Vans sind schon ganz durchnässt vom eiskalten Regen, der Kragen des langen Mantels als Windschutz hochgeklappt, die Socken kurz, die Knöchel und Ohren frei. Was übrigens auch noch so etwas ist, was ich wohl nie verstehen werde: Warum trage ich Mützen, die meine Ohren nicht vor Kälte schützen? Fragt man einen von ihnen, ob ihm kalt sei, lautet die Antwort meist bibbernd "Äh ne?! Hab doch auch 'ne Mütze auf." Ahja.

Hotspot für die perfekte Büro-Street-Balance. © Geheimtipp Hamburg

Wer keine Mütze trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Ist das dritte Bier erst mal reingestellt, geht's weiter in irgendeinen total urbanen Club oder auf eine noch urbanere Party, vorzugsweise mit gekoppelter Vernissage, nach der einem die Technobässe am nächsten Tag noch in den Ohren dröhnen. Man möchte nun meinen, es sei an der Zeit die klitschnasse Mütze vom ewigen Stehen vor dem Kiosk abzunehmen und auf wundersame Weise trocken zu bekommen. Falsch gedacht. Die Mütze bleibt genau dort, wo sie ist. Auf dem Kopf. Sie ist ein Lifestyle. Mehr als ein wetterfester Gebrauchsgegenstand. Und sie bleibt so lange an Ort und Stelle, bis die Sonne wieder aufgeht. Ohne sie wäre man ja auch nur ein Vollidiot, der mit freien Knöcheln und klitschnassen Füßen in irgendwelchen Stoffschuhen durch die Nacht streunert.

Setz die Fischermütze auf und let's go!

Die perfekte Tarnung

Echte Mützenfetischisten tragen ihre Lieblinge übrigens das ganze Jahr lang zur Schau. Nachhaltig gedacht, spart man sich so bestimmt die ein oder andere Haarwäsche. Ein weiteres Phänomen des – im Vergleich zum 365 Tage-Mützenträgers – eher schwachen Herbst-Fischermützen-freie Knöchel-Clubs: Seine Mitglieder sehen zum Verwechseln ähnlich aus, um nicht zu sagen identisch. Achtet mal darauf! Ihr könntet euch in eine ihrer Feierabendbierchen-Gruppen vor dem Kiosk stellen, euch die Augen zu halten, dreimal im Kreis drehen und womöglich euren eigenen Partner nicht mehr wiederfinden. Psst: Das kann auch seine Vorteile haben.

Die Zugehörigkeit zum Club

Wer also diesen Herbst in den Fischermützen-freie-Knöchel-Club eintreten möchte, weiß jetzt ungefähr, wie die Eintrittskarte auszusehen hat. Das Wichtigste ist aber: Leugnet grundsätzlich eure Zugehörigkeit zum Club. So wird's nämlich erst richtig hip. Ihr seid eben einfach so – das Trendgespür wurde euch praktisch in die Wiege gelegt. Achja und denkt dran: Eine Mütze und freie Knöchel reichen nicht. Da gehört schon mehr dazu. Es ist ein Lifestyle. Ihr müsst es fühlen.

That's so Hamburg

Und um ausreichend Recherchematerial zu sammeln, schmeiße ich mir jetzt meinen langen, beigen Mantel über, setze mir meine "Nike SB" Beanie auf, schnüre meine Vans ein bisschen enger und düse von meinem Agentur-Redaktions-Office mit einem Leihroller in die Schanze. Es wird Herbst, ihr Lieben. Und das beste Rezept gegen Winter-Blues: Einfach mal lachen!

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Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden

Lena Müller

Ihre Wohnung in der Schanze könnte Lena niemals hergeben. Wenn sie nicht mit Freunden an den Tresen des Schulterblatts sitzt, dann mit einem Buch im Café. Wie Lena über sich selber sagt, hat sie einen grottigen Filmgeschmack dafür aber einen spitzenmäßigen Musikgeschmack.