That's so Hamburg#2: Schulterblatt

That's so Hamburg#2: SchulterblattKomm, wir gehen auf Safari!

Der größte kulturelle Schmelzpunkt Hamburgs ist nicht etwa der Steindamm – es ist das Schulterblatt. Hier trifft sich, was Rang und Namen hat oder meint, es zu haben: verzweifelte Singles, Hamburger im Exil und Newbies, die mal was erleben wollen. Willkommen in der wohl gehyptesten Straße Hamburgs!

That's so Hamburg

Hamburg ist die schönste Stadt der Welt. Keine Frage. Besonders lieben wir all ihre Klischees und kleinen Skurrilitäten. Mit denen räumt Lena hier regelmäßig humorvoll auf – 'cause that's so Hamburg!

Die Altbauten sind besonders schön in der Schanze

Verzweifelte Singles

Ab vorabendlichen Stunden stehen sie da. Unter großen Schirmen, bibbernd mit einem leeren Glas voller Eis in ihren Händen: Singles auf der Suche nach der großen Liebe oder zumindest nach der Liebe für einen Abend. Im Sommer ist der Bordstein vor der Bar so voll, dass ab 20 Uhr kein Durchkommen mehr möglich ist. Und das ist gut so: Klappt's mit dem einen nicht, kommt direkt der Nächste. Wie Tinder, nur eben real.

Die verzweifelten Singles sind ihr ganz eigener Kosmos auf dem Schulterblatt. Es macht aber Mut zu wissen, dass man immer einen Platz bei ihnen hat, sollte man selbst mal Single und/oder verzweifelt sein. Bei diesem Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel fällt das eh keinem auf. Wer also frisch getrennt ist, der harke sich ein paar Homies unter und suche eine übervolle Bar auf jener Seite des Schulterblatts, auf der auch die Rote Flora liegt, und habe Spaß!

Hamburger im Exil

Im Vergleich zum Kiez ist das Schulterblatt (noch) relativ frei von Touristen – einmal alle erleichtert aufatmen, bitte. Dafür ist es überflutet mit Hamburgern, die Exil suchen. Exil von ihren schicken Vierteln der anderen Alsterseite. Straßen sauberer als mein WG-Fußboden, teure Cafés und die Alster direkt vor der Tür haben eben ihren Preis: nämlich nächtlichen Spaß.

Also chartern sie FREE NOW oder MOIA und steigen am Schulterblatt aus: pechschwarze Lederjacken, Chelsea Boots, Designertaschen, Locken frisch aufgedreht, bereit zu allen Schandtaten einer Nacht. Weil: Was auf dem Schulterblatt passiert, bleibt eben in der Schanze. Die verlassen ihre Ursprungsgruppe nie, es geht ums Sehen und Gesehen werden. Zuhause erzählt man dann wie krass bodenständig man doch einen trinken war. Prost.

Cheers! © Unsplash

Die Rote Flora

Die Rote Flora gilt als symbolträchtiger Ort der Autonem Szene Hamburgs. Sie ist seit November 1989 besetzt. Ihr findet sie am Schulterblatt 71. Sie ist ein Restteil des ehemaligen Flora Theaters. In der Flora könnt ihr feiern, trinken oder einfach nur chillen. Im Flora Park, der direkt an die Rote Flora grenzt, könnt ihr skaten, an der Hall of Fame sprühen, Fußball spielen oder euch die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. 

Newbies, die mal was erleben wollen

Sie sind die leichtesten Opfer für charmante Hamburger Singlemänner, die noch immer ihr leeres Glas voller Eis unter großen Schirmen umklammern: frisch zugezogene Girls, die was erleben wollen. Die Schüchternheit und Aufregung ist ihnen quasi aus dem Blick abzulesen. In Stoffsneakern, Jeans, Ringelshirt, Umhängetasche und Kunstlederjacke sind sie bereit, mal richtig ins Nightlife abzutauchen. Ab 01 Uhr zeigen dann auch zwei Caipi und die drei spendierten Shots Wirkung. Kichernd wird die nächste Tanzfläche unsicher gemacht. Einfach mal das Studentenleben in vollen Zügen genießen. Wer in wessen Bett am nächsten Tag aufwacht? Findet es heraus.

Skaten und Sprühen im Florapark

Die coolen Fashionvictims

Auf die Seite des Schulterblatts heißt es dann: Willkommen im offline Urban Outfitters-Katalog. Hier wimmelt es vor Nike MK2 Tekno, mit Off White Schals wird geflext, bevor es auf den nächsten dreitägigen Rave geht. Zwar ein cooler Vibe. Muss man aber nicht feiern. Doch die Schanze braucht sie: die instagrammable Raver. Aber mit ihrem Swag kann eben nicht jeder mithalten – was auch mehr als okay ist.

Unser Schulterblatt

Anwohner, Barkeeper und Gastronomiebesitzer

Wo die einen feiern, arbeiten und wohnen die anderen. Und die bleiben irgendwie immer unter sich. Sie schleppen jede Nacht Eiskübel übers Schulterblatt, fragen bei Kollegen nach Kleiderbügeln für die Garderobe oder Kleingeld, bauen Terrassen auf und ab und wischen Tische. Und auch wenn sie ihre ganz eigene kleine Gruppe sind, wären sie nichts ohne euch: die verzweifelten Singles, die Hamburger im Exil und die Newbies, die einfach mal den Hamburger Vibe spüren wollen. Ohne uns alle wäre das Schulterblatt nie das Schulterblatt. Und ein Glück ist bald Wochenende: Das schreit nach Shots in der Schanze!

Unser Schulterblatt

Das Schulterblatt zieht sich vom Schanzenviertel bis nach Eimsbüttel. Die Straße ist der Kern des Schanzenviertels. Seit den 1980er Jahren hat sich das Schulterblatt zu der Kneipenstraße entwickelt, die sie heute ist. Es zeichnet sich durch seine Vielfältigkeit und Lebenslust aus – und ist eine unserer liebsten Straßen in Hamburg.

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Geheimtipp Hamburg, Dahlina-Sophie Kock

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden. 

Lena Müller

Ihre Wohnung in der Schanze könnte Lena niemals hergeben. Wenn sie nicht mit Freunden an den Tresen des Schulterblatts sitzt, dann mit einem Buch im Café. Wie Lena über sich selber sagt, hat sie einen grottigen Filmgeschmack dafür aber einen spitzenmäßigen Musikgeschmack.