Traditionsgeschäfte in Hamburg

Traditionsgeschäfte in HamburgDie wahren Institutionen der Stadt

Sie sind die wahren Institutionen der Stadt; die Läden, die es schon länger gibt als uns selbst. Sie gehören zu Hamburg wie der Hafen und der Michel, wie Salz zum Meer, und wie Nordlichter in den Norden. Sie vereinen Tradition mit beständiger Qualität und reichlich Geschichte. Wir wollen sie in unseren Straßen niemals missen. Hamburgs Traditionsgeschäfte – eine Auswahl.

Cuneo

Hamburgs erster und ältester Italiener ist eine wahre Institution auf St. Pauli. Seit über 110 Jahren tobt im Cuneo in der Davidstraße das Leben – hier wurde gelacht und geweint, getanzt und getrunken. Wohl kaum ein anderes Restaurant hat Stammkunden in dritter Generation und so viele Geschichten zu erzählen. Il Comandante, Signor Cuneo, kennt sie alle. Er führte das Restaurant schon, als hier noch keine Prominenz, sondern Matrosen und leichte Mädchen speisten. Seit 2005 teilt er den Chefposten mit seiner Tochter Franca. Das Cuneo ist durch und durch ein Familienbetrieb, und zweifellos einer der schönsten Traditionsläden der Stadt. Auf den Kiez gehört er wie kein anderer.

Die älteste Tätowierstube in Deutschland

© Lisa Knauer

© Lisa Knauer

Das geht unter die Haut: Deutschlands älteste Tätowierstube befindet sich nirgends anders als auf unserem geliebten Hamburger Berg. Seit 1946 werden hier Kunstwerke für die Ewigkeit gestochen – damals für echte Seefahrer, heute für alle Liebhaber traditioneller Körperkunst. Gegründet wurde das Unternehmen von Paul Holzhaus; seit 1984 ist es in den talentierten Händen von Günther, der mit über dreißig Jahren Erfahrung zu den wahren Meistern seines Faches zählt. In den verstuckten Räumlichkeiten inmitten des trunkenen Wahnsinns St. Paulis hat sich ein echtes Stück deutsche Tattoo-Geschichte erhalten. Bis heute zählt das Studio zu den coolsten kreativen Anlaufstellen der Stadt.

Felix Jud

Als Felix Jud vor über 90 Jahren seine Tore am neuen Wall aufstieß, blühten die goldenen Zwanziger in ihren schillerndsten Facetten und Hamburg zählte zu den modernsten Städten Deutschlands. Auch heute hat die renommierte Buchhandlung, die nebenbei auch als Antiquariat und Kunsthandel fungiert, ihren Glanz und Glamour noch nicht verloren. Nach eurem nächsten Schmöker oder liebsten Klassiker stöbert ihr in lesebegeisterter Atmosphäre; das Angebot ist umfangreich und wohlsortiert. Auch die Kunstausstellungen, die hier regelmäßig einen Platz finden, sprechen von Vielfalt und Qualität. Ein Ort zum Verweilen und Welt vergessen, den wir so in Hamburg nicht missen wollen.

Der Keksbäcker

Den Keksbäcker in Eimsbüttel als reine Weihnachtsbäckerei zu bezeichnen, wäre eine maßlose Untertreibung: Mit über 100 Jahren Tradition und Erfahrung backt, dekoriert und verfeinert der kleine Betrieb im Sorthmannweg die wohl feinsten Zimtsterne und Lebkuchen der Stadt. Echte Handarbeit, edelste Zutaten und geheime Rezepte des Großvaters verbinden sich dabei zu einer Geschmacksexplosion der süßesten (und unwiderstehlichsten) Art. Über 70 verschiedene Gebäcksorten hat die erfolgreiche Manufaktur mittlerweile in ihrem Sortiment. Ein besonderes Highlight: der Black Pearl– ein tiefschwarzer Genuss mit pflanzlichem Kohlezusatz. Wir sind im absoluten Kekshimmel.

Ladage & Oelke

© Ladage & Oelke

© Ladage & Oelke

© Ladage & Oelke

Let’s get British: Ladage & Oelke fertigt hochwertige englische Mode in langer Tradition. Das Geschäft gehört zu Hamburg wie Michel und Elbe und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Im Jahre 1845 öffneten die beiden Kaufmänner und Namensgeber Wilhelm Ladage und Johann Oelke ihre Tuchhandlung am neuen Wall. Sie überlebte Kriege und die industrielle Revolution, und steht auch heute, über 150 Jahre später, noch für erstklassige Qualität und exzellente Beratung. Ob Dufflecoats gegen nordisches Schmuddel Wetter oder Tweed Anzüge, die selbst der Queen schmeicheln würden - Ladage & Oelke bringt einen vorzüglichen Hauch Britishness in der Hansestadt. Wir sagen: Thank you for that!

Walther Eisenberg

Seit 1892 werden in dem Mützenfachgeschäft Walther Eisenberg schon typisch hanseatische Mützen wie der berühmte Elbsegler gefertigt. Drei Generationen lang lag der kleine Laden an der Steinstraße in den Händen der Familie Eisenberg; als sich kein Nachfolger fand, entschied sich der Sohn eines passionierten Seglers, das Handwerk zu erlernen. Heute ist Inhaber Lars Künzel einer der letzten seiner Art. Achtzehn Mützentypen, gefertigt auf alten Nähmaschinen der 20er Jahre, haben das Rad der Zeit überlebt. Selbst Helmut Schmidt erstand hier schon den ein oder anderen Elblotsen. Wir befinden: Eine waschechte Schiffermütze gehört zum Hanseaten wie der stoische Wind zum salzigen Meer – und sollte unbedingt seinen Weg in eure Kleiderschränke finden.

Fische Schmidt

Stockfoto

Nu aber Butter bei die Fische! Forelle, Dorsch und Zander gehören zu unserer Hansestadt wie das Franzbrötchen, die Elbe und der Regen. Leider sind traditionsreiche Frischetheken in Hamburg immer stärker vom Aussterben bedroht. Das Fische Schmidt in Eppendorf verteidigt seinen Platz vehement gegen die peitschenden Fluten industrieller Massenware. Bereits seit 1900 verkauft das Geschäft edle Delikatessen der besonders schmackhaften Art – einst noch Geflügel, heute norddeutsche Meerestiere. Auch das hausgemachte Sushi konnte sich vor einigen Jahren einen Platz hinter der üppig gefüllten Theke sichern. In Kombination mit dem unverwechselbaren Charme alter Fliesen und hoher Decken ist das Fische Schmidt damit ein fantastischer Anlaufpunkt für Freunde der maritimen Küche.

Hut Falkenhagen

© Hut Falkenhagen

© Hut Falkenhagen

Hüte machen Leute – sollte eure perfekte Melone noch im Schrank fehlen, legen wir euch deshalb einen umgehenden Ausflug zu Falkenhagen in die Hamburger Innenstadt ans Herz. Seit 1916 werden in den alteingesessenen Verkaufsräumen unweit des Rathauses schon adrette Kopfbedeckungen vertrieben. Klassische Filz-, und sommerliche Strohhüte, trendige Ballon- und Schirmmützen, Baker Hats und Caps finden dabei gleichermaßen ihren Platz im Regal. Auch auf der Suche nach einer verspielten Baskenmütze für euren nächsten French-Chic Moment werdet ihr hier zweifellos fündig. Und sollte das immer noch nicht euren Vorstellungen entsprechen, könnt ihr im Falkenhagen Atelier eine ganz individuelle Einzelanfertigung in Auftrag geben. Hut ab für diesen Service!

Bäcker Wulf

Bereits seit über einem Jahrhundert knetet die Bäckerei Wulf frischen Hefeteig am Eppendorfer Weg und zählt damit unbestreitbar zu den besten Backstuben der Stadt – wenn nicht gar des ganzen Landes. Im Jahre 1906 verließ Urvater Heinrich den elterlichen Bauernhof in Niedersachen, um in der Großstadt wirtschaftlichen Erfolg und Glück zu finden – und gründete ein Familienunternehmen, das Kriege und Geldentwertung, Mangelwirtschaft und politische Unruhen überstand. Auch heute, über 100 Jahre später, backt der Betrieb seine warmen Semmeln und verführerischen Süßwaren noch nach alten Traditionsrezepten und lockt täglich eine große Schar an Stammkunden nach Eimsbüttel. Ein Highlight sind die Heißwecken – eine echte Rarität unter Hamburger Bäckern.

Campbell

Stockfoto

Im Jahre 1816 schipperte der gebürtige Schotte William Campbell ins schöne Hamburg, um am neuen Wall eines der ältesten und renommiertesten Brillenfachgeschäfte der Welt zu gründen. Mittlerweile hat Campbell mehrere Filialen in Deutschland und den USA und überzeugt mit beständiger Qualität, schicken Designs und echter Expertise. Die handgefertigten Sehhilfen sind individuell, zeitlos, und super hochwertig. Wir lieben sie nicht bloß für ihren schmeichelhaften Look und die phänomenale Verarbeitung, sondern selbstverständlich auch für den scharfen Blick, den sie unseren Augen verleihen. Glubscher auf und ab in die City!

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Tabitha Wedemann

Nachdem Tabitha die letzten sieben Monate durch die Weltgeschichte gereist ist, hat sie jetzt ihren Weg zurück nach Hamburg gefunden, um ihrer Leidenschaft fürs Schreiben nachzugehen. Wenn sie nicht gerade in Cafés sitzt, Gedichte verfasst oder über Festivals tanzt, erkundet sie am liebsten all die besonderen Ecken ihrer Heimatstadt!