Wer hat den Adventskranz erfunden?

Wer hat den Adventskranz erfunden?Hometown History #3

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt! Heute werden in ganz Deutschland wieder die Kerzen angezündet – und die Adventskränze eingeweiht. Doch woher kommt diese vorweihnachtliche Tradition eigentlich? Wir haben gemeinsam mit der Stiftung Historische Museen Hamburg die Geschichtsbücher gewälzt. Reist mit uns in die Vergangenheit und trefft den Hamburger, der den Adventskranz erfunden hat!

Hometown History

In unserer neuen Serie gehen wir zusammen mit der Stiftung Historische Museen Hamburg auf Zeitreise – und finden für euch heraus, warum unsere Hansestadt heute so ist wie sie ist. Ein bisschen wie früher im Geschichtsunterricht, nur ohne, dass ihr Jahreszahlen auswendig lernen müsst. Los geht's!

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt!

Danke, Johann Hinrich Wichern!

Unsere besinnliche Vorweihnachtszeit mit Kerzen, Zweigen und Tannenduft haben wir Johann Hinrich Wichern zu verdanken. Sein Vater starb früh, er hat sich schon als Jugendlicher um die Familie gekümmert und später als Privatlehrer gearbeitet. So kam er an ein Stipendium für sein Theologiestudium. Danach arbeitete er als Lehrer und wurde dabei auf die Armut und Not von vielen Kindern aufmerksam. Er setzte sich zum Ziel, den Schwachen, Kranken und Bedürftigen zu helfen und gründete das Rauhe Haus: eine soziale Einrichtung für Kinder und Jugendliche. Und dort entstand Mitte des 19. Jahrhunderts auch die Idee für den Adventskranz!

Alles begann mit einem "Holzkranz"

Johann Hinrich Wichern wollte in seinem Heim in Hamburg-Horn für Weihnachtsstimmung sorgen. Er fertigte eine Holzkonstruktion, die die Größe eines Wagenrades hatte und mit 24 roten und weißen Kerzen bestückt war. Die roten standen für die "normalen" Tage, die weißen für die Adventssonntage. Jeden Tag wurde ein Lichtlein angezündet – bis an Heiligabend schließlich alle Lichter brannten. Das war 1839. 

Die heutige Version des Adventskranzes

Aus 24 wurden 4 Kerzen

Aber Johann Hinrich Wichern wäre nicht Johann Hinrich Wichern, wenn er seinen Kranz nicht weiterentwickeln und optimieren würde. Und so wurde das Ganze ab 1860 auch mit Tannenzweigen und weißen Bändern geschmückt. Außerdem sollte der Kranz nicht nur bei ihm im Rauhen Haus in Horn hängen, sondern auch in die Häuser der Menschen kommen. Weil nun mal aber nicht jeder Platz für ein Wagenrad mit 24 Kerzen hatte, reduzierte sich der Kranz auf die vier Kerzen für die Adventssonntage – und ist bis heute so geblieben. 

4 statt 24 Kerzen

Das Rauhe Haus

Hinrichts Konzept

Johann Hinrich Wichern brachte den Kindern und Jugendlichen nicht nur schulische und handwerkliche Kenntnisse bei, sondern stellte ihnen auch noch Betreuer zur Seite. Diese "Brüder" mussten eine sechsjährige Ausbildung absolvieren. Bis heute ist das Rauhe Haus eine soziale Einrichtung für Kinder und Jugendliche, das seine Mitarbeiter selbst intern ausbildet. Seinen Namen hat es übrigens von einer Kate, also einer Art Bauernhaus, das vor langer Zeit mal an diesem Ort stand. 

Tradition seit fast 200 Jahren

Damals wie heute

Und auch knapp 200 Jahre nach der Erfindung des Adventskranzes werden in dem Gebäude im Rauhen Haus in Hamburg-Horn noch die 24 Kerzen auf der alten Holzkonstruktion angezündet. Na dann: Fröhliche Weihnachten!

Stiftung Historische Museen Hamburg

WAS IST DAS EIGENTLICH?

Die Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) ist eine der größten stadt- und regionalgeschichtlichen musealen Einrichtungen Europas. Die Museen repräsentieren die Geschichte Hamburgs und seines Umlandes – von ihren Anfängen um 800 bis zur heutigen HafenCity, vom Hafenarbeiter bis zum Großbürgertum.

Unsere Häuser: Museum für Hamburgische Geschichte | Altonaer Museum | Museum der Arbeit | Hafenmuseum Hamburg | Jenisch Haus | Speicherstadtmuseum | die Kramer-Witwen-Wohnung | Millerntorwache | Heine Haus

Dahlina-Sophie Kock

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden. 

Anna Paulina Graf

Anna ist unsere kleine Schwäbin. Und das hört man auch, denn selbst nach fast fünf Jahren in Hamburg kann sie noch kein Hochdeutsch. Mit jeder Menge Gratis-Ausflugstipps, ihrem Fahrrad und ganz viel Entdeckerdrang zeigt sie ihren Freunden die Stadt – und jetzt auch euch.