WHOSE JIZZ IS THIS ?

WHOSE JIZZ IS THIS ?Punk, Kunst und sehr viel Sex

Ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum feiert Sängerin und Künstlerin Peaches feuchtfröhlich. Vor allem feucht. Gemeinsam mit dem Kunstverein Hamburg und dem Internationalen Sommerfestival am Kampnagel präsentiert Peaches die verschiedenen Facetten ihres künstlerischen Kosmos. Was schon mal verraten sei: Es wird erotisch! Das ist nichts für prüde Gemüter. 

Eine crazy Ausstellung! © Fred Dott

Erstmal von vorn: Wer ist eigentlich Peaches?

Bevor ihr bei dem Vorgeschmack auf Peaches Ausstellung so richtig heißlauft, solltet ihr aber erstmal wissen, wer die Künstlerin dahinter eigentlich ist. Sie ist nämlich keinesfalls irgendwer. Eine sehr kurze Reise durch ihr Leben und Schaffen: Ihre Kariere startete Peaches weit vor den 2000ern. Dort waren ihre Bühnenshows noch eine Mischung aus Punk und Sexshow. Sie galten als wegbereitend für die Electroclash-Bewegung. Außerdem brüllten sie und ihre damaligen Bandkollegen dem Publikum zu dieser Zeit meist noch provokative und anzügliche Sprüche entgegen. Was darauf folgte war eine lange Solokarriere als Künstlerin, Produzentin und Musikern. So hat die gebürtige Kanadierin unter anderem Remixe für Daft Punk produziert oder mit Iggy Pop Duette gesungen.

Ihren größten Hit "Fuck the Pain away" kennt ihr vielleicht aus der Verfilmung des Buches "Feuchtgebiete". Ganz nebenbei ist Peaches PETA-Sympathisantin und setzt sich gegen das Töten von Robbenbabys in ihrer Heimat ein. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin, wo sie 2016 als Support-Act für Rammstein auf der Bühne stand. 

Feucht (und fröhlich). © Fred Dott

Skulpturen und Filme für Sex und Feminismus

Soweit so gut. Peaches ist also ein echtes Allround-Talent und eine richtige Pop-Ikone. Darum sind wir gespannt wie ein Flitzebogen auf ihre Ausstellung "Whose Jizz is this?". Damit hat die Künstlerin, der es ein Leichtes ist, Grenzen verschwimmen zu lassen, einen lebenden Organismus entstehen lassen: Themen wie Sex, Feminismus, Queerness, Gender und der Politik werden in Form von Skulpturen, Fotografien, Filmen und textlichen Werken ein Gesicht à la Peaches bekommen und gleichzeitig in aktuelle Diskurse um Queer-Feminismus, Gender und Performance eingeführt.

Whose Jizz is this? © Fred Dott

Pussy’s big and I’m proud of it. You can dig dig dig in and out of it …

Peaches in ihrem Song „Vaginoplasty“ (2015)

Im Kunstverein wird es erotisch! © Fred Dott

Und wann kommt jetzt der erotische Teil?

…na jetzt. Endlich! Auf insgesamt 1000 Quadratmeter Fläche hat die Künstlerin ihre "Fleshies" ausgestellt. So nennt sie ihr selbst gestaltetes, zum Leben erwachtes Sexspielzeug: zum Beispiel Vulven, die in Form von Masturbatoren sprechen, beißen, singen und spritzen. Die "Fleshies" stehen aber nicht nur auf den Austausch von Körperflüssigkeiten oder singen, sie befriedigen sich auch selbst. 

Kunst mal anders. © Fred Dott

#fuckhumans

Zugegebenermaßen würde ein doppelter Boden wohl fehlen, wenn Peaches lediglich masturbierende Sexspielzeuge ausstellen würde. Deshalb hat sie die Fleshies ja nicht nur selbst designt, ihnen ihre Stimme für den Gesang geliehen sondern ihnen auch eine Botschaft mit auf den Weg gegeben, die sie wiederum den Besuchern mitgeben. Die Fleshies haben nämlich keinen Bock mehr auf ihre Besitzer. Sie wollen nicht mehr vernachlässigt, klebrig oder dreckig in Ecken geworfen werden und nur zum Vergnügen des Besitzer heraus gekramt werden. Sie wollen sich selbst vergnügen, Freude haben und selbst entscheiden können. Na, an was erinnert das? Richtig, an Feminismus. Und damit kennen sich die Fleshies aus und vor allem damit, wo er heutzutage praktiziert wird: im Internet. Deshalb schreien sie immer wieder "Hashtag #fuckhumans". 

Auf zum Kunstverein. © Fred Dott

Und jetzt ihr!

Mit dem Rest macht ihr euch am besten selbst vertraut. Das könnt ihr noch bis zum 20. Oktober im Kunstverein Hamburg. Pssst, unser Highlight: Am Samstag, den 24. August um 15 Uhr könnt ihr sogar einen Artist Talk im Kunstverein besuchen. 

Cover: Fred Dott

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden

Lena Müller

Ihre Wohnung in der Schanze könnte Lena niemals hergeben. Wenn sie nicht mit Freunden an den Tresen des Schulterblatts sitzt, dann mit einem Buch im Café. Wie Lena über sich selber sagt, hat sie einen grottigen Filmgeschmack dafür aber einen spitzenmäßigen Musikgeschmack.