Zwischen Elbe und Alster

Zwischen Elbe und AlsterHummel Hummel … - kommt in die Hamburger Neustadt!

Von der Binnenalster bis zur Kehrwiederspitze – die Hamburger Neustadt ist der vielleicht bekannteste, gleichzeitig unbekannteste Stadtteil Hamburgs. Während zwischen Jungfernstieg und Stadthausbrücke die Luxusshopper flanieren und rund um den Michel Busscharen von Touristen unterwegs sind, befindet sich im Herzen der Neustadt ein wunderschönes Quartier, das von vielen Hamburgern unterschätzt wird. Hier verstecken sich viele kleine Geschäfte, Galerien, Cafés und Restaurants sowie zahlreiche historische Spuren, die ihr entdecken könnt.

Wir sind der roten Hummel-Bummel-Linie gefolgt.

Der Hummel-Bummel-Strich

Bestimmt seid ihr schon einmal am roten Wasserträger am Michel vorbeigelaufen? Am Museum für Hamburgische Geschichte am Holstenwall steht ebenfalls einer. Sie sind keine Überbleibsel eines Hamburger Kunstprojektes, sondern der Start einer ungeführten Tour durch das historische Hamburg. Die rote Linie, die an diesen beiden Stellen sowie an der Station Stadthausbrücke und am Johannes-Brahms-Platz startet, nennt sich Hummel-Bummel-Strich und führt euch geradewegs durch Alt-Hamburg, vorbei an Sehenswürdigkeiten, Informationstafeln mit interessanten geschichtlichen Hinweisen und vielen anderen schönen Orten. Wir sind der roten Linie gefolgt und haben die Neustadt ganz neu entdeckt!

Es geht durch das Komponistenquartier.

Hier pulsiert das historische Herz der Stadt

Wir tauchen über eine namenlose Gasse, die sich gegenüber des Museums für Hamburgische Geschichte befindet, in die Neustadt ein. Die rote Linie führt uns geradewegs durch eine der Hauptsehenswürdigkeiten Nummer Eins: das Komponistenquartier. Die Kaufmannshäuser wurden nach dem zweiten Weltkrieg mit Fotos und Zeichnungen den Originalen nachempfunden und neu erbaut. Die heimlichen Stars des Viertels befinden sich allerdings nicht hier ganz offensichtlich, sondern über alle Straßen verteilt, durch die euch die Hummel-Bummel-Tour führen wird.

Der Großneumarkt ist eine Art Zentrum. Zahlreiche Straßen führen und enden hierher. Im zweiten Weltkrieg wurde diese Gegend weitestgehend von den Bombardierungen verschont, sodass noch viele schöne Altbauten erhalten blieben. Hier pulsiert das Herz des Stadtteils: regelmäßig finden Märkte statt, rundherum gibt es schöne Restaurants und Bars, die im Sommer den gesamten Platz bespielen. Mit Katana Sushi befindet sich hier eines der besten japanischen Restaurants in Hamburg. Sushi oder Ramen – alles wird frisch zubereitet, Neugierige können hier sogar bei einem Workshop lernen, wie man das Sushi richtig rollt.  

Der Großneumarkt ist das Herz des Stadtteils.

Kleiner Exkurs

in die Geschichte der Hamburger Neustadt

1188 als Kaufmannssiedlung unter Graf Adolf III. von Holstein gegründet, erblühte die Neustadt sehr schnell. Der Übergang von Alt- zu Neustadt befand sich damals an der Trostbrücke, wo zwei Figuren heute noch einen Teil der Entstehungsgeschichte erzählen.

Der eine ist Bischof Ansgar. Er gilt als eine Art Stadtgründer Hamburgs, ließ hier die erste Kirche errichten, so gewann die Siedlung an der Elbe mehr Bedeutung. Es war aber erst Graf Adolf III., die zweite Figur an der Trostbrücke, der den Aufstieg Hamburgs ermöglichte. Er verschaffte angeblich Hamburg den berühmten Freibrief von Kaiser Barbarossa, der sich später als Fälschung herausstellte – bis dahin war Hamburg aber schon eine bedeutende Stadt.

In der Neustadt lebten Kaufleute, Arbeiter und alle anderen Menschen, die die Nähe zum Hafen für ihre Geschäfte nutzten. Auch Hamburgs Kultfigur, der Wasserträger Hans Hummel, nach dem der Spruch „Hummel Hummel – Mors Mors“ kommt, soll hier gelebt haben.

Auf die Fleetinsel geht es auch.

Alt trifft auf neu

Im Osten des Platzes führt der Alte Steinweg Richtung Fleetinsel, aber bevor wir die Ellerntorsbrücke überqueren, machen wir einen kleinen Stopp im Pan Café & Bar. Wer noch nicht gefrühstückt hat ist hier goldrichtig. Die rustikalen Platten sind einfach perfekt, um den Tag gestärkt zu beginnen. Aber auch Mittagshungrige werden sicher fündig.

Gegenüber befindet sich einer der ältesten Clubs und ganz bestimmt der älteste Jazz-Keller Hamburgs: seit sechs Jahrzehnten gibt es den Cotton Club bereits. Damit ist die Location eine echte Institution der Deutschen Jazz-Szene. Fast täglich finden hier Jam-Sessions mit vielen verschiedenen nationalen und internationalen Künstlern statt. Hier müssen wir also später noch einmal vorbeischauen!

Bis zur Fleetinsel sind es jetzt nur noch wenige Minuten. Wir finden, hier spürt man ganz besonders die Lage Hamburgs am Wasser und ihre Entwicklung rund um den Hafen, der nur ein paar Fleete weiter entstand. Und es wundert uns auch nicht mehr, dass Hamburg mehr Brücken als Venedig und Amsterdam hat, denn hier finden wir gleich mehrere in nur wenigen Metern Entfernung. Auf dem Platz, wo zur Adventszeit der gemütliche Weihnachtsmarkt stattfindet, kann man sich jetzt schön für einen Kaffee niederlassen und aufs Wasser blicken bevor es zurück ins Herz der Neustadt geht.

Auf den roten Info-Tafeln gibt's historische Facts.

Perfekt für einen Stadtbummel

Über einige Gassen, durch Hamburgs schönste geschwungene Straße, die Brüderstraße, führt uns die rote Linie in die Kohlhöfen und daran anschließende Poolstraße. Hier findet ihr einige schöne Geschäfte durch die ihr bummeln könnt. Übrigens sollten Antiquitäten- und Trödelliebhaber ihre Augen in der Neustadt offen halten. Auf dem Großneumarkt findet nicht nur regelmäßig einer der schönsten Flohmärkte Hamburgs statt, in vielen kleinen Antikwarengeschäften findet ihr sicher auch den ein oder anderen Schatz. Aber auch urbane Läden wie das maison f in der Poolstraße und Winkel van Sinkel in der Wexstraße geben Inspiration für eine moderne Einrichtung.

Kleine Wegzehrung gefällig? Die eiskantine könnten wir immer aufsuchen. Das leckere Milcheis und die Sorbets gehören ganz bestimmt zu den besten der Stadt. Erdbeer-Basilikum, Maracuja-Buttermilch – die Sorten wechseln täglich und sind immer eine kleine Überraschung. Kleiner Hunger? Dann stellt euch doch euren eigenen Salat bei Feld’s Salat zusammen und schaut, was die Mittagskarte von Hej Papa Leckeres zu bieten habt.

Ein kleines, verstecktes Highlight möchten wir euch nicht vorenthalten: im Hinterhof des Häuserensembles der Poolstraße 11, 12, 13 und 14 befinden sich die Ruinen des Israelitischen Tempels, der hier 1844 eröffnet wurde. Das Hauptschiff wurde von einem Bombentreffer 1944 zerstört, Teile der Fassade und der Apsis wurden als Mahnmal an Ort und Stelle gelassen und stehen heute unter Denkmalschutz.

Der Israelitische Tempel versteckt sich in einem Hinterhof.

Heimlicher Star

Während wir so durch die Straßen der Neustadt schlendern, fragen wir uns, wieso wir nicht schön öfter hier unterwegs waren. Die Leute sind entspannt und es verirren sich weitaus weniger Touristen in das Straßenlabyrinth rund um den Großneumarkt, der Michel wird immerhin durch die sechsspurige Ludwig-Erhard-Straße vom Rest der Neustadt getrennt. Zum Schluss führt uns unser Weg wieder zurück zum Großneumarkt und wir versacken im Thämer’s, einer urigen Kneipe mit dunkler Holztheke und Kachelofen, die hier schon seit fast vierzig Jahren die Stellung hält.

Unser Fazit: der rote Hummel-Bummel-Strich ist eine schöne Einladung, die Neustadt gezielt zu entdecken. So lauft ihr nicht planlos durch einen euch fremden Stadtteil, sondern werdet ganz ungezwungen zu den schönsten Ecken geführt.

Wo wollt ihr weitergehen?

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.