Großstadtgedanken #1 Warum mein erstes Konzert nach Corona eine Enttäuschung war

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Mein letztes Konzert vor der Corona-Pandemie war über zwei Jahre her: Dezember 2019, Balthazar in den Docks – Indie-Rock aus Belgien. Und dann kam das große Konzert-Loch. 28 Monate lang keine Livemusik, kein schweißtreibendes Tanzen in der Masse, keine kribbelnde Vorfreude – für mich war das eine Ewigketn. Und obwohl sich Liveauftritte irgendwann nur noch wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten anfühlten: Hätte man mich danach gefragt, warum ich sie so liebte, so hätte ich jederzeit die Antwort darauf gewusst.

Kolumne #1 Großstadtgedanken

Was es bedeutet, als Millennial in einer Großstadt zu leben, weiß Laura besonders gut – und das, obwohl sie eigentlich im ländlichen Dorfidyll aufgewachsen ist. Zwischen Konzertbesuchen, Kunstausstellungen und gutem Kaffee schreibt sie hier über die Gedanken, Sehnsüchte und Gefühle einer jungen Generation.

Konzerte vor Corona: Wie in einer anderen Zeit

Alles fing schon immer an mit dieser prickelnden Aufregung, bevor die Band auf die Bühne trat. Diese unausgesprochene Spannung, die alle Menschen im Raum irgendwie miteinander verband. Das gemeinsame Warten auf den Act, das Gemurmel der Masse, untermalt von subtiler Hintergrundmusik. Aber das Warten gehörte zur schönen Sorte des Wartens, weil sie so von Vorfreude geprägt war. Und dann, wenn die Band auf der Bühne erschien und die ersten Akkorde den Raum erfüllten, dann war man plötzlich in einer anderen Welt. Verlor jegliches Zeitgefühl, weil man so im Moment war und die Musik in sich aufsog. Eineinhalb Stunden lang war einem alles andere egal, weil es nur um das ging, was sich da auf der Bühne abspielte und um die Klänge, die den ganzen Raum erfüllten. Eineinhalb Stunden lang pures Glücksgefühl, pure Euphorie.

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Ein Gefühl der Enttäuschung

So zumindest war meine Erinnerung an Konzerte. Und dann, über zwei Jahre später, war es endlich soweit: April 2022, Dayglow im Mojo Club. Ich stand draußen mit meinem Ticket in der Schlange und nahm alles als ganz schön surreal wahr. Wie lange hatte ich mir diesen Moment schließlich herbeigesehnt? Die Vorfreude in mir war riesig. Und was soll ich sagen? Meine Erwartungen, die sich vorher über Wochen hinweg in mir angesammelt hatten, wurden nicht erfüllt. Am Ende war das Konzert so, wie ich Konzerte auch in Erinnerung behalten hatte – nur in abgeschwächter Form. Nicht ganz so überwältigend, nicht ganz so besonders, wie ich mir das erste Konzert nach der Pandemie vorher monatelang im Kopf ausgemalt hatte.

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Unter der Erde: Der Eingang zum Mojo Club in Hamburg

Kann man Konzerte verlernen?

Im Nachhinein frage ich mich, ob ich es in zwei Jahren verlernt habe, Konzerte zu genießen und mich darauf einzulassen. Denn während des Auftritts war ich ständig abgelenkt – zum einen von dem extrem jungen Publikum, mit dem ich mich gar nicht so identifizieren konnte. Zum anderen rissen mich einige Songs immer wieder aus der Begeisterung, weil sie mich nicht so erreichen konnten, wie ich es sonst von Liveauftritten gewohnt war. Dayglow macht fluffige Indiemusik und Bedroom-Pop, der im Hintergrund von einem Coming-of-Age Film laufen könnte – eigentlich keine Musik, bei der es einem schwerfällt, sich auf sie einzulassen. Und bei vielen Hits ließ ich mich auch mitreißen. Aber bei vielen anderen Songs eben auch nicht.

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Die Vorfreude steigt!
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Die Vorfreude bleibt

Ich bin also mit einem latenten Gefühl der Enttäuschung nach Hause gegangen. Woher diese Ernüchterung im Endeffekt rührte, ist schwer sagen. Vielleicht lag es ein bisschen an der Band, vielleicht aber auch an meinen viel zu hohen Erwartungen. Vielleicht muss ich Konzerte erst mal wieder neu lernen, wie so vieles andere nach zwei Jahren Pandemie. Und vielleicht wird es jetzt immer besser, jedes Mal ein kleines bisschen – das wäre schön. Meine Vorfreude auf alle weiteren Konzerte, die diesen noch Sommer auf mich warten, bleibt trotzdem bestehen.

Das erste Konzert nach Corona Und wie ging's euch?

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