Treppenviertel Blankenese

Treppenviertel BlankeneseStep by Step durch Hamburgs Westen

Den Gedanken kennen wir alle: einfach abhauen wollen! Alles hinter sich lassen und die Sonne auf den norddeutschen, blassen Popo scheinen lassen, bitteschön! Aber dann ist da doch die Wohnung, die bezahlt werden muss und der Job, der sich nicht von alleine macht. Und irgendwie ist Hamburg ja doch so schön! Deswegen müssen wir gar nicht weg, um ins Urlaubsfeeling zu kommen.  

Quasi direkt vor der Haustür, schnell in die U3 steigen, dann noch kurz umsteigen in die S1 – bei den Landungsbrücken, wo das Urlaubsgefühl wohlbemerkt schon einsetzt – dann Blankenese raus und ein paar Schritte Richtung Wasser. Also wirklich nur um die Ecke liegt das wunderschöne Treppenviertel. Wir packen uns eine Decke ein und legen uns einfach dazu. 

Obwohl wir im Flachland leben, misst der Süllberg ganze 72 Meter. Ihr habt mit über 5.000 Stufen die Möglichkeit, ihn zu besteigen. Einen Fahrstuhl gibt es leider nicht – sorry! Aber keine Panik: Die Stufen verteilen sich über das ganze Gebiet. Eine der längsten Treppen im hat „nur“ 170 Stufen und die Aussicht entschädigt für einiges. Und wenn ihr daran denkt, dass ein Tag im Treppenviertel die abendlichen Squads ersetzt, dann steigt die Motivation doch gleich, oder?

Wolltet ihr schon immer mal ein echtes Schiffswrack sehen? Hier habt ihr die Möglichkeit, euch ein bisschen wie Captain Jack Sparrow & Co. zu fühlen. Ein kleiner Spaziergang am Strand führt euch zu Uwe, wie das Motorschiff liebevoll genannt wird. Es liegt knapp hinter dem Leuchtturm Unterfeuer, wo ihr übrigens auch rauf gehen könnt. Good to know: Er bildet mit dem Leuchtturm Oberfeuer eine Richtfeuerlinie, sodass sich die elbaufwärts fahrenden Schiffe nicht verirren. So wie damals vielleicht Uwe. 1975 kollidierte das Boot mit zwei weiteren und liegt seitdem am Falkensteiner Ufer.

Wir alle wissen: Ohne Essen ist das Leben nur halb so schön. Der beste Ausblick ist mit einem Snack in der Hand gleich noch viel besser. Diejenigen, die nicht an den Picknickkorb gedacht haben, werden hier aber nicht verhungern. Es gilt: „Keep calm and eat fish“. Denn wer ein echter Norddeutscher ist, ergreift die Gelegenheit bei den Schuppen und gönnt sich ein Fischbrötchen mit ordentlich viel Remoulade. Natürlich könnt ihr auch gediegen in einem der Restaurants am Wasser Platz nehmen. Wer Lust auf Kuchen & Co. hat, ist im Kaffeegarten Schuldt gut aufgehoben.

Wusstet ihr, dass Blankenese im 17. Jahrhundert mal zu Dänemark gehört hat? Die Geschichte des Treppenviertels geht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Damals wurde der Berg als Überwachungsposten genutzt und wurde unter der Grafschaft der Schauenburger geführt. Als diese durch Aussterben fiel, schlug Dänemark zu und hatte unter anderem auch den Süllberg für etwa 200 Jahre fest im Griff. Im 18. Jahrhundert war Blankenese sogar einer der mächtigsten Fischfangflotten des Landes. An diese Zeit erinnert eines der reetgedeckten Häuser mitten im Viertel. Das alte Fischerhaus wurde 1927 von der Stadt gekauft und wird heute als Museum und Seniorentreff genutzt.

Blankenese hatte jedoch auch ein paar Jahre, die nicht gerade angenehm waren. Als die Deutschen sich das Land durch die Grafschaft Schleswigs und Holsteins wiedererobern wollten, kämpften sie gegen die Dänen. Ein dreijähriger Krieg zerstörte viel. Acht Menschen mussten ihr Leben lassen. An dieses Massaker erinnert ein Stein im Mühlenberger Weg. Zwischen 1864 und 1866 stand Blankenese unter drei verschiedenen Regierungen. Letztendlich wurde es preußisch. 1937 wurde Altona und somit auch das Treppenviertel durch das Groß-Hamburg-Gesetz eingemeindet und gehört seitdem zur Hansestadt.

Solltet ihr zu faul sein zum Treppenviertel zu gehen, könnt ihr euch mit einer der „Bergziegen“ dorthin bringen lassen. Ja, ihr habt richtig gelesen und nein es sind keine Tiere, sondern kleine Busse der Linie 48. Das Bahnhofsgebäude ist übrigens das älteste Hamburgs. Damals fuhren Lokomotiven namens „Elbe“, „Altona“ und „Holstein“ ganze vier Mal am Tag zwischen Altona und Blankenese hin und her. Da war es im Gegensatz zu heute wohl wirklich blöd, wenn man seinen Zug verpasst hat. Wir empfehlen, besonders bei gutem Wetter, eine der HVV-Fähren zu schnappen und bei der Anreise den Blick auf das Viertel vom Wasser aus zu genießen.




Jule Henkis

Wenn Jule nicht gerade ihrem Modejournalismus-Studium nachgeht, treibt sie sich in ihrer Heimatstadt rum. Vor allem im Sommer liebt sie es auf Open Airs zu tanzen, an der Alster zu grillen oder Straßenmusikern in der Schanze zu lauschen. Sie fotografiert gerne und sagt zu einem Gläschen Wein mit Freunden nicht nein.