Übernachten im Hafenkran

Übernachten im HafenkranHamburgs einzigartiges Hideaway

Hamburg hat ein neues, einzigartiges Hideaway! Ab dem 15. April könnt ihr in der Kanzel eines ehemaligen Hafenkrans  im Sandtorhafen übernachten – mit atemberaubendem Blick auf die Elbe und die Elbphilharmonie. Der "Greif" ist das vierte Hideaway der Floatel-Gruppe der Hamburger Tim Wittenbecher und Marc Nagel.

Erinnert ihr euch noch an Harrys Hamburger Hafenbasar? Das Museum zog 2012 vom Kiez in einen ehemaligen Schwimmkram. Dr. Gereon Boos hatte Harrys kuriose Sammlung von dessen Tochter Karin übernommen und kämpfte seitdem um den Erhalt der geschätzt über 300.000 Gegenstände. Mit seinem Tod 2014 war die Zukunft des Hafenkrans wieder ungewiss bis Gereons Freunde Tim Wittenbecher und Marc Nagel beschlossen, in den Hafenkran zu investieren und ihn in ein Micro-Hotel zu verwandeln.

Schräge Figuren bewachen den Hafenkran.

Ein Zuhause für gleich zwei skurrile Projekte

Im Mai vor einem Jahr wurde der Hafenkran im Sandtorhafen abgeholt und in die Werft nach Finkenwerder geschleppt. Sechs Monate sollte der Umbau dauern, letztendlich wurden es elf. Aus dem Micro-Hotel wurde eine echte Mammutaufgabe – das Ergebnis kann sich aber durchaus sehen lassen. Tim Wittenbecher, Marc Nagel und ihr Team an fleißigen Helfern haben ein einzigartiges Hideaway geschaffen, das seit dem 4. April wieder in seinem Heimathafen im Schatten der Elbphilharmonie liegt.

Immer noch begrüßen uns skurrile Figuren an Deck des Schwimmkrans „Greif“. Die Wächter bewachen jetzt nicht mehr nur den Eingang zum Schiffsbauch und damit Harrys Hafenbasar, sondern auch den Aufgang zu Hamburgs neuestem Hotelzimmer. Wir dürfen heute passieren und das kleine Getaway erkunden, das gerade erst fertig geworden ist.

Der Hafenkran liegt vor Anker im Sandtorhafen.

Einfahrt zurück in den Heimathafen

Ein Getaway für Romantiker

Im Inneren ist die alte Form des Hafenkrans nahezu erhalten geblieben. Bronzene Stahlträger halten die Kanzel in der Luft und verpassen dem modernen Raum einen industriellen Charakter. Gestalter Marc Nagel wollte so den maritimen Charme des Hafenkrans beibehalten, der sich in den alten Holzoberflächen und der blauen Wandfarbe widerspiegelt.

„Als ich zum ersten Mal das Objekt betrachten durfte, hatte ich sofort viele tolle Ideen“, erzählt Marc Nagel. „Dabei war es zuerst fast unmöglich, die Räume zu vermessen, da die Stahlträger und die Winde fast vollständig die Kanzel ausfüllten.“ Es ist erstaunlich, wie sehr sich das Kranführerhäuschen verändert hat. Im unteren Bereich findet sich das offene Badezimmer mit Kamin, über eine Treppe geht es in das Schlafzimmer.

Hier oben in der Kanzel befindet man sich circa 8 Meter über dem Wasserspiegel. Ihr schwebt regelrecht über dem Wasser, das gelegentliche leichte Schaukeln verstärkt dieses Gefühl. Im schönen großen Bett wird man da bestimmt sanft in den Schlaf gewiegt. Das Highlight ist und bleibt aber das Panorama auf die Elbphilharmonie, die am Ende des Tages im Glanz der untergehenden Sonne erstrahlt – welch ein atemberaubender Blick!

Mini-Hotel – Riesen-Aufgabe

Ursprünglich hatte man ein gutes halbes Jahr für den Umbau des Hafenkrans eingeplant, letztendlich befand er sich fast doppelt so lange in der Werft. Denn das Kranführerhaus behielt einige Überraschungen für sich: „Als wir die hintere Wand entfernen wollten, stellten wir fest, dass sich dort ein sechs Tonnen-Gewicht mit einem Stahlkreuz befand, dass die Kanzel gerade hielt. Letztendlich ersetzten wir dieses mit einer massiven, abgerundeten Stahlwand, aber im ersten Moment dachte ich: ‚Was haben wir uns da angetan?’“, sagt Marc Nagel.

Bevor es aber mit dem Umbau losgehen konnte, mussten sie eine Genehmigung der Hamburg Port Authority einholen. Eine Übernachtung im Hafen ist nämlich streng genommen gar nicht erlaubt. Dieser Prozess zog sich bereits über mehrere Monate hin und das Projekt stand bereits kurz vor dem aus, bevor es überhaupt richtig angefangen hatte. Als die Ausnahmegenehmigung einflatterte, war die ganze Crew erleichtert und startete mit neuem Tatendrang in den Umbau.

Aufstieg in den Himmel

Aussicht vom Bett

Romantische Sehnsuchtsorte am Meer

Der Hafenkran ist nicht das erste phantastische Hideaway der Floatel Gruppe. Drei Türme hat Tim Wittenbecher bereits gemeinsam mit seiner Frau Heike umgestaltet. Das Erste ist ein alter Lotsenturm auf Usedom, der vor 10 Jahren zum Verkauf stand. Damals wollte diesen zuerst niemand haben, sodass der damalige Bürgermeister ankündigte, das Gebäude über Ebay zu versteigern. Das wurde von den Medien sofort aufgegriffen.

„Mein Vater legte mir damals den Artikel aus dem Hamburger Abendblatt auf den Tisch mit den Worten: ‚Du wolltest doch schon immer einmal einen Lotsenturm haben!’“, erzählt Tim Wittenbecher. Trotz des hohen Risikos entschied sich das Paar für den Lotsenturm und siehe da: Das Hotel war sofort ausgebucht und ist bis heute beliebt. Zwei weitere folgten: „Es gibt eine große Sehnsucht nach ungewöhnlichen, romantischen Orten. Leuchttürme, Lotsentürme und Hafenkräne erfüllen diese Vorstellung besonders gut“, sagt Tim.

Tim Wittenbecher, Investor Hans Cornehl und Marc Nagel auf der Terrasse des Zimmers.

Floatel erfüllt Träume

Neben Tim und Marc gehören mittlerweile 6 Investoren zur Floatel-Gruppe. Gerade ist das Team sogar noch mit dem Umbau von sechs Leuchttürmen in Spanien und Italien beschäftigt. Das Geschäft boomt also, auch der Hafenkran ist für den kommenden Sommer schon so gut wie ausgebucht.

Dabei war es nur ein Zufall, der Tim Wittenbecher und Marc Nagel wieder zusammenführte. Die Beiden kennen sich seit ihrer Jugend, Familie und Karriere trennte die Hamburger von einander. Die Freundschaft blieb bestehen, auch durch das gemeinsame Hobby Drachenbootrennen.

„Dr. Gereon Boos, der den Hafenkran umgebaut und in den Sandtorhafen gelegt hat, um dort Harry’s Hafenbasar unterzubringen, war ein alter Drachenboot Freund von uns. Als er im Sterben lag und das Fortbestehen seines Herzensprojekts sichern wollte, hat ihn und uns ein gemeinsamer Freund auf die Idee gebracht, ein Hotelzimmer im Führerhaus unterzubringen“, erzählt Tim Wittenbecher. Das war 2014 – entstanden ist ein Unikat für Hamburg und gleichzeitig hat Floatel Hamburgs kuriosestes Museum gerettet.

  • Was solltet ihr bei einer Übernachtung im Hafenkran dabei haben?

    Ein gutes Buch, Musik und euren liebsten Menschen. Eine Übernachtung ist genau richtig für echte Romantiker!

  • Lage

    Der "Greif" liegt fest im Sandtorhafen vor Anker und ist an den Ponton angeschlossen. Hier habt ihr uneingeschränkten Blick auf die Elbphilharmonie und den Traditionsschiffhafen.

  • Preis

    Mit dem stolzen Preis von 390€/ Nacht unter der Woche und 450€ am Wochenende gehört der Hafenkran ganz alleine euch.

  • Frühstück

    Ein üppiges Frühstück ist im Preis inbegriffen und wird am Morgen frisch geliefert.

Der Schlepper "Karin" zieht den Hafenkran zurück in die HafenCity.

Lisa Knauer

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Carolin Simon

Unsere kleine Weltenbummlerin Caro hat den Weg zurück in die Heimat gefunden und ist ab jetzt auf Entdeckertour in Hamburg unterwegs. Sie liebt den Hamburger Hafen und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.