Die Liebe meines Lebens: Freundschaft

Frauen Schatten Pinterest – ©Annabelle Tompkins

14. Februar. Valentinstag.

Die Restaurants sind seit Wochen ausgebucht, der Strauß rote Rosen längst vorbestellt. Und alle Singles? Verkriechen sich zuhause und sitzen mit einer Packung Eiscreme weinend vor dem Fernseher.

Ha. Im Gegenteil. Der 14. Februar fällt dieses Jahr auf einen Samstag. Die perfekte Gelegenheit, um mit seinen Friends auszugehen. Und die Liebe zu feiern. Die platonische natürlich.

Frauen Freundschaft Karten Pinterest – ©Eymar Rodriguez
© Eymar Rodriguez

Miley Cyrus singt „I can buy myself flowers“, Gracie Abrams stellt klar: No chance I waste my twenties on random men. Not one of them is cooler than all my friends.“ Und die Vogue titelt Ende letzten Jahres „Is having a boyfriend embarrassing now?“ Diese Frage will ich heute nicht beantworten. Aber ich will eine andere stellen: Wisst ihr, was für mich das Gegenteil von peinlich und Romantik pur ist?


Seine Freund:innen laut zu lieben. Und von ihnen laut geliebt zu werden. Singles brauchen diesen Valentinstag kein Mitleid. Die liegen dieses Jahr nicht alleine weinend auf dem Sofa, sondern stehen mitten auf der Tanzfläche und gestehen ihren Freund:innen ihre Liebe. Also ich zumindest. Das sogenannte „Bare Minimum“ ist für meine Freund:innen und mich ein Fremdwort. Wir zeigen uns, wie sehr wir uns lieben. Und jaaa nicht nur an einem Tag im Jahr. Denn Romantik, Commitment und Nähe gehören nicht nur in romantische Beziehungen – sondern genauso in Freundschaften.


Und das kann so aussehen:

  1. Wir schenken uns gegenseitig Blumen. Selten rote Rosen, meistens bunte Tulpen. Selten an Valentinstag, meistens einfach so. Oder weil jemand eine kleine Freude braucht, Geburtstag feiert oder wir uns länger nicht gesehen haben.
  2. Wir haben einen gemeinsamen Kalender, teilen uns Abonnements und haben einen gemeinsamen Splitwise-Account. Ich hab auch schon von gemeinsamen Freundschafts-Bankkonten gehört. Besonders praktisch für gemeinsame Urlaube, was uns zum nächsten Punkt führt.
  3. Wir fahren gemeinsam in den Urlaub. Und planen schon den nächsten – auch weit im Voraus. Wir verbringen Geburtstage und manchmal auch Feiertage zusammen.
  4. Wir haben teilweise schon unsere Eltern kennengelernt. Inklusive „Schön euch endlich kennenzulernen” und „Wir haben schon viel von euch gehört”. In Zukunft wollen wir, dass sich unsere Eltern auch gegenseitig kennenlernen. Bekanntlich ein wichtiger Schritt, wenn’s ernst wird. 
  5. Wir haben schon Umzüge gemeinsam geschafft und Wohnungen zusammen gestrichen. Eine Probe für jede gute (platonische) Beziehung.
  6. Freund:innen von mir haben einen Schlüssel zu meiner Wohnung und dürfen bei mir schlafen. Egal, ob ich da bin oder nicht. Schließlich haben sie ja auch mitgestrichen.
  7. Wir machen alltägliche, unspektakuläre, aber persönliche Dinge gemeinsam: Kleiderschrank ausmisten, zum Sport und zu Beauty-Terminen gehen, einkaufen, kochen, Haare färben, Filme anschauen, Möbel aufbauen, …
  8. Wir führen uns selbstverständlich auch zu schönen Dates aus: in eine gemütliche Bar, in ein neues Café, ins Stadion, ins Restaurant, ins Museum, …
  9. Wir geben uns Komplimente und haben Spitznamen und Kosenamen füreinander. Die bleiben natürlich privat.
  10. Wir machen uns kleine Geschenke. Meistens einfach so. und nicht nur zu besonderen Anlässen.
  11. Wir nehmen uns in den Arm, liegen kuschelnd auf dem Sofa und wenn jemand über Nackenschmerzen klagt, gibt’s ’ne Massage.
  12. Wir erzählen gerne übereinander, schwärmen voneinander und stellen uns gegenseitig anderen Freund:innen vor.
  13. Wir unterstützen uns, wenn jemand Hilfe braucht. Sei es bei einer Bewerbung, bei der Steuererklärung oder bei einer Antwort auf Hinge.
  14. Wir planen langfristig miteinander und sprechen darüber, wo und wie wir in Zukunft wohnen wollen. Online wird diskutiert, warum man für Jobs und Beziehungen umzieht, aber nicht für Freundschaften. Finde ich eine berechtigte Frage. Es gibt Freund:innen, die zusammenwohnen, egal in welchem Alter – und auch gemeinsam Familien gründen. Viel mehr platonisches Commitment geht nicht, oder?
  15. Was wir noch nicht tun: nur noch in der Wir-Form sprechen. Das passiert nur in dieser Kolumne.