Die Frauenhand-Werkstatt in Dulsberg Women-Power an der Werkbank!

Der Raum, den wir betreten, ist lichtdurchflutet. An den Wänden reihen sich Regale voller Hammer, Schraubenzieher, Hobel und Sägen aneinander. Es duftet nach frischen Sägespänen und Leim und wir sind umgeben von Holz, Holz und noch mal Holz. Ein Ort, der Kreativität schreit und gleichzeitig eine unheimliche Ruhe ausstrahlt. Folgt uns in die Werkstatt des Frauenhand-Werkstatt e. V.

„Herzlich Willkommen!“

– begrüßen uns die beiden Vereins-Mitglieder Janina und Anne. Auch wenn ihre Gesichter von einem Mund-Nasen-Schutz bedeckt sind, zeigen die kleinen Lachfältchen um ihre Augen, dass sie sich sichtlich über unseren Besuch freuen. Und wir fühlen uns in diesem Ballsaal einer Werkstatt direkt pudelwohl, bekommen Tee und Kaffee in die Hand gedrückt und sind gespannt, was uns die beiden über diesen besonderen Ort zu erzählen haben. 

Ein Ort des Zusammenkommens Seit vierzig Jahren

Die Frauenhand-Werkstatt e.V. ist heute eine offene Werkstatt von Frauen für Frauen in Hamburg Dulsberg. Gegründet vor fast 40 Jahren in Farmsen, wird hier an der Werkbank mit Holz gearbeitet und an der Drehscheibe getöpfert. „Der Verein wurde 1982 gegründet, um Frauen die fachgerechte Verwirklichung eigener Projekte zu ermöglichen“, erzählt uns Tischlerin Anne. Der Verein wurde damals sogar von der Behörde gefördert. Eine Sozialpädagogin beriet Frauen bei beruflichen Veränderungen, zu Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe und Wohngeld. Sogar eine Kinderbetreuung war damals möglich, während die Frauen konzentriert und zielgerichtet mit den Materialien hantierten und einfach mal loslassen konnten.

„Ich finde die Atmosphäre hier unheimlich angenehm. Normalerweise bin nicht so der Socializer. Aber den bunten Austausch in der Gemeinschaft hier habe ich total schätzen und lieben gelernt.“

Janina, Vereins-Mitglied

Gemeinschaft und Wertschätzung

Auf diesem Fundament gegründet hat sich der Fokus des Vereins über die Jahre allerdings ein wenig verschoben. Heute kommen hier 100 Frauen aller Altersgruppen zwischen 20 und 70 Jahren zusammen, um in der Holzwerkstatt und der Keramikwerkstatt zu werken und gemeinsam ein paar schöne Stunden zu verbringen. Da die Förderung durch die Stadt irgendwann wegfiel, gibt es leider keine Kinderbetreuung mehr. „Doch der Verein trägt sich über die Mitgliedsbeiträge inzwischen selbst.“, erklärt Janina sichtlich stolz. „Außerdem hat jeder seine Aufgaben und so kümmern wir uns gemeinsam darum, dass hier alles läuft und sich alle wohlfühlen.“

„Das kannst du eh nicht.“ – Und ob ich das kann!

Und wer kann alles mitmachen? „Jeder!“, sagen Janina und Anne unisono und lachen. Tatsächlich bekommen Männer aber keinen Einlass. „Das hier soll ein Safe-Space sein, an dem man sich einfach ausprobieren kann, ohne dass man sich Sprüche anhören muss.“, sagt Anne. Ob Schreibtischtäter, die sich einen Ausgleich zum virtuellen Bildschirm-Aktivismus wünschen, Frauen, die sich als Kinder oft anhören mussten „Das kannst du eh nicht.“, oder ältere Frauen, die sich als Mütter jahrelang hinten anstellen mussten und sich endlich selber einmal etwas Gutes tun wollen – hier sind alle willkommen. Je länger wir zuhören, umso begeisterter sind wir und fühlen uns richtig beflügelt uns auch einmal in diesen positiven Hallen ein Plätzchen zum Tüfteln zu suchen.

„Ich bin Schreibtischtäter und liebe diesen Ausgleich zum Alltag. Wenn ich hier bin, sind das die wenigen Momente, in denen ich mal nichts denke. Es ist schön, sich auf eine Sache so zu fokussieren, dass parallel einfach nichts anderes passieren kann.“

Janina, Vereins-Mitglied

Erst einmal die Basics erlernen

Eine kleine Hürde gibt es jedoch: Bevor man Mitglied werden und die Räumlichkeiten, Werkzeuge und Maschinen nutzen kann, muss man jeweils in der jeweiligen Werkstatt einen Einführungskurs machen. Ob Anfänger oder Fortgeschrittene, die Kurse bieten einen guten Einstieg und Überblick über die Möglichkeiten vor Ort. „Und außerdem machen sie natürlich einfach total viel Spaß.“, sagt Anne, die selbst Möbeldesign studiert und eine Tischlerausbildung gemacht hat und als erfahrene Handwerkerin die Kurse leitet. „In den Kursen wird dann gesägt, gefräst, geleimt, geschraubt, genagelt, gebohrt und geschliffen, bis jeder am Ende ein fertiges Produkt in den Händen hält und die Maschinen kennt.“, erzählt Anne. 

© Dahlina-Sophie Kock
© Dahlina-Sophie Kock

Teamwork makes the Dream work

Wer solch einen Kurs absolviert hat, kann Mitglied werden und die Räumlichkeiten für seine eigenen Projekte und Arbeiten nutzen. Außerdem geben ein bis zweimal die Woche erfahrene Mitglieder vor Ort Hilfestellung, wenn bei Neulingen Fragen oder Probleme auftauchen. Wer sich das Ganze erst einmal in Ruhe anschauen will, kann einmal zum Schnuppern kommen und sich im Anschluss entscheiden, ob ihm die Möglichkeiten vor Ort die 30 Euro Mitgliedschaftsbeitrag (20 Euro ermäßigt) im Monat wert sind. 

Kursangebot Erwecke die Handwerkerin in dir

Ihr seid neugierig geworden? Dann meldet euch unbedingt mal zum Schnuppern oder einem der Einsteigerkurse an. Derzeit ist die Werkstatt leider nur für Mitglieder geöffnet, doch es sind bereits Kurse für März, April, Mai und Juni geplant, für die ihr euch anmelden könnt. Sollten sie aufgrund der Corona-Regelungen nicht stattfinden können, habt ihr die Möglichkeit, an einem der Folge-Kurse teilzunehmen. 

  • Wochenend-Grundkurs:
    In diesem Kurs lernt ihr die Basics der Holzverarbeitung, lernt mit Handsäge, Stecheisen, Schleifgeräten und anderen Handmaschinen umzugehen und könnt am Ende mit eurem eigenen Rahmen oder Tablett nach Hause gehen. 
  • Wochenend-Fortgeschrittenenkurs:
    Dieser Kurs ist für diejenigen unter euch, die bereits mit Holz gearbeitet oder den Grundkurs erfolgreich absolviert haben. Ihr arbeitet selbstständig an einem Projekt, lernt weitere Tricks und Techniken und geht am Ende mit einer hinterleuchteten Ausstellungsbox nach Hause.
© Dahlina-Sophie Kock
© Dahlina-Sophie Kock

Wir kommen wieder!

Wir sind spätestens ab dem Zeitpunkt vollständig begeistert, als Anne vor unseren Augen an eine der Maschinen tritt und eine Platte mit zwei wunderhübschen Löchern versieht. Mit einer Leichtigkeit, die uns direkt neidisch werden lässt! Wir wollen auch und werden mit Sicherheit noch einmal wiederkommen und die Handwerkerin in uns erwecken! 

Der monatliche Beitrag beträgt 30 €. Auszubildende, Studentinnen, Rentnerinnen und ALG II-Empfängerinnen zahlen nur 20 €. Die Beiträge werden vierteljährlich im Voraus berechnet. Die Dauer der Mitgliedschaft beträgt mindestens 6 Monate. 

Versicherungstechnisch dürfen nur Frauen über 18 in die Werkstatt kommen und an den Kursen teilnehmen.

Material könnt ihr entweder selber mitbringen oder auf das Material vor Ort zugreifen, das ausgepreist ist und noch mal einen kleinen Betrag kostet. Ansonsten freut sich der Verein auch immer über Materialspenden.

Natürlich könnt ihr auch Kurse in der Keramik-Werkstatt belegen, allerdings sind die immer sehr lange im Voraus ausgebucht. Ihr könnt euch aber in der Hoffnung auf einen Platz auf die Warteliste setzen lassen. Rechnet aber bitte mit langen Wartezeiten.