The trip made it out of the group chat ist nicht umsonst ein beliebter Trend auf Instagram und TikTok, wenn der Urlaub, den man seit Monaten in einer WhatsApp-Gruppe plant, endlich stattfindet. Ich glaube: es gibt nicht nur Trips, die es nicht aus dem (Group-)Chat schaffen, sondern auch Restaurant-Besuche, Club-Nächte und Kaffee-Dates.
Wir schicken uns Reels und TikToks hin und her: vom neuesten Café, von diesem einen guten Restaurant, von einem kleinen Dorf in Italien, einem viralen Rezept oder diesem coolen Festival im Sommer. Und dann schreiben wir erst sowas Enthusiastisches wie „Jaaa, das müssen wir unbedingt machen“ oder reagieren mit einem Emoji unserer Wahl. Und dann? Schicken wir das nächste Reel oder TikTok – während das erste Café immer noch auf unseren Besuch wartet.
Eigentlich wollen wir alle mehr Zeit mit unseren Freund:innen verbringen, aber setzen dann nur einen Bruchteil unserer Pläne in die Tat um. Was übrig bleibt: monatliches Kaffeetrinken, das sich eher nach einem gehetzten Catch-up als gemeinsamer Quality Time anfühlt. Wie schaffen wir es also, unsere Freundschaften wieder mehr im echten Leben und nicht in unseren DMs zu führen?
1. Rituale statt Pläne
Schafft Rituale, anstatt immer wieder neue Pläne zu machen. Jeden 2. Dienstag für einen Kaffee auf den Isemarkt, jeden Mittwoch gemeinsam den Bachelor schauen, jeden Donnerstagmorgen zum Yoga, immer Samstags ins Stammcafé oder 1 Mal pro Monat kocht eine andere Person aus dem Freundeskreis.
2. Echte Pläne
„Lasst bald mal richtig feiern gehen“ oder „irgendwann zusammen in Urlaub“. Anstatt vage Pläne zu machen, die es nie bis zur Umsetzung schaffen, schickt lieber direkt einen Vorschlag mit Tag, Uhrzeit oder Ort. Committen ist cool! Und können wir bitte kollektiv aufhören zu sagen „Lass mal nen Kaffee trinken“ wenn wir eigentlich nur meinen: „Schön mal wieder von dir gehört zu haben“ oder „Witzig, dass wir uns hier über den Weg gelaufen sind“. Ich weiß, wie verlockend ist ein Gespräch damit zu beenden, aber tut euch den Gefallen und sagt es nur, wenn ihr es meint.
3. Book now, (cancel later)!
Bucht das Airbnb direkt – achtet auf die Stornierungsbedingungen :). Holt euch die Konzerttickets, entweder ihr findet eine Begleitung oder ihr werdet die Tickets eh wieder los. Reserviert direkt einen Tisch oder holt euch Tickets fürs Bingo oder Kino, wenn euch jemand eine Empfehlung auf Instagram oder TikTok schickt. Es lohnt sich, die Person zu sein, die Nägel mit Köpfen macht. Bevor ihr nächstes Jahr immer noch den Urlaub plant oder euch Reels hin und herschickt. Canceln kann man immer noch. 😉
4. Make it easy!
Oft verbinden wir soziale Verabredungen, auch wenn wir eigentlich Lust darauf haben, mit Stress. Vor allem, wenn wir Besuch bekommen. Macht es euch gegenseitig einfach: wenn ein:e Freund:in kocht, können die anderen einkaufen, das Rezept aussuchen oder die Getränke mitbringen. Wenn ein:e Freund:in das Restaurant ausgesucht hat, reservieren die anderen. Teilt euch die Arbeit & den Mental Load auf.
5. Macht Alltägliches!
Wir haben alle viel zu tun und deshalb kommt das Privatleben manchmal zu kurz. Zeit, nicht nur die schönen, sondern auch die alltäglichen Dinge miteinander zu teilen. Geht gemeinsam einkaufen, zusammen zum Kosmetiktermin, bringt eure Freundin zu einem Arzttemin oder holt den neuen Schrank über Kleinanzeigen ab. Ihr meistert euren Alltag und Termine während ihr Zeit mit euren Friends verbringt: win-win.
6. Co-existing
Euch ist heute eher nach lesen oder ihr müsst die Steuererklärung endlich fertig machen und wollt deshalb das Treffen absagen oder gar nicht erst zusagen? Fair. Aber muss nicht sein. Setzt euch zusammen ins Café oder auf die Couch und arbeitet eure To-Dos ab oder geht eurem Hobby nach, während ihr trotzdem Zeit zusammen verbringt. Meine Freund:innen und ich nennen das: ✨co-existieren✨.
7. Show up unannounced
Versucht’s mal mit Spontanität! „Bin gerade bei dir auf der Ecke, zufällig Lust auf nen Kaffee?“ Oder seid so spontan, dass ihr gar nicht Bescheid gebt, sondern einfach umangekündigt auftaucht, natürlich nur bei richtig guten Freund:innen. Jemand aus eurem Freundeskreis arbeitet in einem Café oder einem Restaurant? Nichts wie hin da als Überraschungsbesuch. Wenn ich laufen bin, entscheide ich mich manchmal spontan dazu, bei meiner besten Freundin vorbeizuschauen und sie zu überraschen. Ich ruf sie an, sag nur „Schau mal aus dem Fenster!“, wir quatschen kurz und nach ein paar Minuten laufe ich auch schon weiter. Nicht jedes Treffen muss 4 Stunden Deeptalk sein. Auch wenn das meine liebsten sind. 🙂
8. Macht’s alleine
Wenn sich niemand committen kann, macht’s alleine. Ein bisschen Me-Time kann ja auch schön sein. Und meistens hat dann oft doch noch jemand Lust, wenn die Pläne konkret sind.
9. Bring your friends
Wenn ihr irgendwo eingeladen seid und +1 erlaubt ist, dann bringt jemand von euren Friends mit. Wer sagt denn, dass +1 nur für Paare gilt? So lernen sich Freund:innen untereinander kennen und ihr habt nicht 10 einzelne Catch-ups jeden Monat.
10. Macht was anderes als nur Kaffee trinken
Versteht mich nicht falsch: Kaffee trinken ist super, sich updaten auch, manchmal auch 1 Mal im Monat. Aber genau so wichtig ist es, dass man in Freundschaften gemeinsam Dinge erlebt und Erfahrungen sammelt. Hamburg hat mehr zu bieten, als die – zugegebenermaßen – unzähligen guten Cafés. Also geht ins Theater, macht einen Tagestrip, macht ne Radtour, geht zu einem Sportevent, probiert eine neue Sportart aus, schaut euch Sehenswürdigkeiten gemeinsam an, auch wenn ihr schon 10 Jahre in Hamburg lebt, …
11. Sagt Ja (und Nein!)
Dieser Punkt ist genau so simpel wie schwierig. Vor allem, wenn ihr auch zu den Menschen gehört, die grundsätzlich erstmal bei allem dabei wären und ihren privaten Terminkalender bis oben hin voll packen. Es ist nicht cool, immer „vielleicht“, „mal schauen“ und „geb dir noch Bescheid“ zu sagen. Sagt zu, wenn ihr Lust auf etwas und die Leute habt. Und sagt ab, wenn ihr keine Lust darauf oder wirklich keine Zeit habt – auch wenn das fast noch schwerer ist, als Ja zu sagen.
Also lasst uns gemeinsam wieder mehr Dinge sagen, die wir meinen, direkt ein Datum vorschlagen und auf all die Trips, Dinner und Coffee Dates aus unserem DMs wirklich gehen. Wäre es nicht schön, wenn wir es alle schaffen würden, unsere Freundschaften wieder spontaner und gleichzeitig verbindlicher zu führen? Keine Sorge: TikToks und Reels hin und herschicken ist in Freundschaften weiterhin nicht nur weiterhin erlaubt – sondern kann auch zur Nähe und zum täglichen Austausch beitragen. Aber wie cool wäre es, wenn wir in Zukunft schreiben „Jaaa, das müssen wir unbedingt machen“ – und es dann auch wirklich machen.